23.09.2021 - 14:24 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Holz zu teuer: Vorerst kein Spatenstich für zweiten Kindergarten in Weiherhammer

Das dürfte in Weiherhammer für lange Gesichter sorgen: Der für heuer mehrfach angekündigte Baubeginn für einen zweiten Kindergarten samt Seniorenpark auf 14.000 Quadratmetern ist geplatzt. Schuld daran sind Rohstoffpreise.

Eine Kita und ein Seniorenpark sollen auf dieser Fläche an der Hauptstraße in Weiherhammer entstehen. Doch dieses Jahr wird dort kein Bagger mehr anrollen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

David Rester tröstet sich mit einer schriftlich vorliegenden Aussage aus dem Bayerischen Gesundheitsministerium. Darin spricht Minister Klaus Holetschek nach wie vor von einem "Leuchtturmprojekt". Gemeint ist das Vorhaben der Lars-und-Christian-Engel-Stiftung "Luce" namens Alia, das Rester als Projektleiter umsetzen soll. Alia steht für "Agil leben im Alter".

Dahinter verbirgt sich ein ehrgeiziges Mehrgenerationenprojekt. Auf einem großen Grundstück der BHS Corrugated nahe der Norma in Weiherhammer soll neben einer Kindertagesstätte eine Seniorenanlage entstehen, die vom Begegnungszentrum über Betreutes Wohnen und Pflege bis zur Palliativ-Versorgung alles anbietet.

25 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, Fördermöglichkeiten ausgelotet und Beschlüsse gefasst. Doch der Preis ist nicht zu halten. "Wir planen nachhaltig in Holzmassivbauweise. Aber der Holzmarkt würde alles über 30 Prozent teurer machen", sagt Alia-Geschäftsführer Severin Hirmer. Vernünftige, ortstypische Preise für Kinderbetreuung oder Pflege seien damit nicht zu erzielen, wenn man diese Kosten umlege, erklärt Hirmer auch in seiner Eigenschaft als Zweiter Bürgermeister von Weiherhammer.

Mit dieser Situation stehen die Weiherhammerer nicht allein da. Erst vor Kurzem hat der Marktrat Waldthurn Arbeiten für ein Sanierungsobjekt im Ortskern neu ausgeschrieben. Die wenigen vorliegenden Angebote lagen preislich jenseits von Gut und Böse. Auch das Betreute Wohnen der katholischen Kirchengemeinde in Neustadt/WN in der Johann-Dietl-Straße sollte längst fertig sein. Doch der Baubeginn verzögerte sich um Jahre in der Hoffnung, dass die Baukosten sinken.

Zwei provisorische Kitas

Am Dienstagabend beriet der Weiherhammerer der Gemeinderat die Lage in nichtöffentlicher Sitzung. Rathauschef Ludwig Biller hat bereits einen Plan B, sagt er auf Anfrage. Der sieht so aus: Gegenüber dem Alia-Gelände sollen Wohnungen entstehen, die vor allem einmal Alia-Beschäftigte nutzen sollen. Dieses Haus soll noch vor der Kita entstehen. Sein Name ist nebulös. Biller spricht salopp von "Schwesternheim", die Alia-Projektmanager businessmäßig von "Boarding House". Der Bauabschnitt I, das Erdgeschoss, soll möglichst bis zum Beginn des neuen Kindergartenjahrs 2022 fertig sein. Darin könnte sich die Gemeinde mit einer Interims-Kindertagesstätte einmieten, vorläufig mit zwei Gruppen, einer davon altersgemischt. Im neuen Alia-Kindergarten sind später einmal drei Krippengruppen und zwei Kindergartengruppen angestrebt.

Die hat Weiherhammer nötig, weil die Gemeinde bereits an einem neuen Baugebiet mit 114 Parzellen arbeitet. Zurzeit laufen die Vorarbeiten, etwa Bodenproben und naturschutzrechtliche Fragen. "Ich würde mir wünschen, dass 2023 die Erschließung beginnt", sagt Hirmer.

Er ist optimistisch, dass nächstes Jahr der Spatenstich für den Alia-Kindergarten mit rund 30 Plätzen gelingen kann. Aber weshalb? "Unser Architekt Christian Schönberger sagt, dass seit Kurzem die Holzpreise schon wieder massiv sinken." Bis das neue Kinderhaus fertig ist, hätte Weiherhammer dann das Kuriosum, gleich zwei Interims-Kitas zu haben. Denn bereits jetzt ist eine Gruppe aus dem bestehenden Katholischen Kindergarten St. Barbara wegen Platzproblemen in die Grundschule ausgelagert. Das hatte anfangs zu lautstarken Elternprotesten geführt. Inzwischen hat sich die Situation aber wieder beruhigt.

Bleibt das Seniorenprojekt. Es wird diese Woche von den Alia-Verantwortlichen beim neuen Landesamt für Pflege in Amberg vorgestellt. Dort sind 2,8 Millionen Euro Förderung für 30 Plätze Tagespflege in Aussicht gestellt. Das Ganze läuft unter der Überschrift Dorf 2.0. Dabei sollen Tagespflege, Kurzzeitpflege, ein Begegnungszentrum sowie zwei Demenz-WGs sogar mit der Kindertagesstätte verzahnt werden.

BRK und Caritas an Bord

Außer Arbeitsgruppen und Runden Tischen ist davon in Weiherhammer noch nicht viel zu sehen. Schon kursieren Stimmen, ob daraus überhaupt etwas wird. Rester und Hirmer sind fest davon überzeugt: Alia habe bereits eine sechsstellige Summe in die Vorarbeiten investiert. Zudem seien bereits Partner an Bord. Für die künftige Kita und die Kurzzeitpflege soll der BRK-Kreisverband Träger sein, bei der Tagespflege mit späterer Nachtbetreuung würde der Caritas-Kreisverband Regie führen. In Sachen Demenzversorgung sei eine Kooperation mit dem Pflegedienst "Sonnenschein" angedacht, erklärt Riester. Ferner sollen die Malteser ein Konzept für Palliativversorgung nach dem Motto "Lebensqualität am Lebensende" ausarbeiten.

Inzwischen hat Alia auch einen Stützpunkt im Rathaus. Dort arbeitet eine Frau, die Aktivitäten zu allen Formen der Nachbarschaftshilfe in Weiherhammer koordiniert. Ihre Stelle wird für dreieinhalb Jahre von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gefördert.

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David Rester und Severin Hirmer (rechts) sind zuversichtlich, nächstes Jahr beim Spatenstich für den Alia-Kindergarten dabei zu sein.
Hintergrund:

Das ist die Alia GmbH

  • Gegründet 2020
  • Gründer und Gesellschafter sind die BHS-Corrugated-Inhaber Lars und Christian Engel. Geschäftsführer ist Severin Hirmer, Projektleiter Dr. David Rester.
  • Projektentwicklungsgesellschaft zur Bebauung eines 14000 Quadratmeter großen Areals in der Hauptstraße von Weiherhammer.
  • Ziel ist die "sorgende Gemeinde" caring community Weiherhammer. Dazu gehören Angebote, Dienstleistungen und Forschungsprojekte in enger Zusammenarbeit mit Luce-Stiftung. Schlagworte dazu lauten Dorf 2.0, Bildung 4.0 und Pflege 4.0.

 

 

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