„Wir werden zwischen Robotern leben“, kündigte Janna Ensthaler, Unternehmerin und Investorin, an. „Wenn man aus der Wohnung kommt, werden dort autonome Fahrzeuge fahren, auf die man einfach aufspringen kann“, führte Lara Sophie Bothur, Tech-Influencerin, fort. Bei einem Panel-Talk auf dem „Denk.summit“ in Weiherhammer blickten sie unter dem Motto „2035 ist längst in Arbeit“ in die Zukunft.
Bereits zum vierten Mal fand der „Denk.summit“, eine Gründerveranstaltung der Luce-Stiftung, statt. Höhepunkt war erneut ein Pitch-Wettbewerb, bei dem Start-ups die Chance hatten, 15.000 Euro zu gewinnen. Auch in diesem Jahr saß mit Janna Ensthaler ein Star aus dem TV-Format „Die Höhle der Löwen“ in der Jury. „Carsten [Maschmeyer] hat erzählt, dass es hier super ist – mit tollen Unternehmern und einer tollen Stimmung“, sagte Ensthaler im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Der Star-Investor war 2024 vor Ort.
Große Ziele
Die Idee zum „Denk.summit“ hatten Pauline, Thomas und Julian Engel, die Kinder der beiden BHS-Geschäftsführer. „Angefangen hat das als Schnapsidee, es wurde aber schnell ernst. Den ersten ‚Denk.summit‘ haben wir dann innerhalb von vier Monaten organisiert“, blickte Pauline Engel zurück. Inzwischen haben sie ein Team, die Planungen laufen das ganze Jahr. Und es soll noch mehr Veranstaltungen geben: Im Oktober wird erstmals „Denk.fehler“ stattfinden. „Wir wollen übers Scheitern reden, denn darüber wird in Deutschland zu wenig gesprochen“, kündigte Thomas Engel an. Die drei haben sich vorgenommen, die Oberpfälzer Start-up-Szene voranzutreiben. „In Deutschland fehlen die richtigen Rahmenbedingungen“, kritisierte Julian Engel. Vor allem die Bürokratie sei eine große Hürde.
Ab Mittag tummelten sich am Mittwoch Firmen, Studierende und Schüler auf dem BHS-Gelände. Beim Karriere-Event hatten sie die Möglichkeit, mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen. Es gab verschiedene Aussteller, Workshops und Vorträge. Das alles geschah in lockerer Atmosphäre – zwischen Eis-Stand, Popcorn-Wagen und Kicker.
Bekannte Unternehmer
Am späten Nachmittag begann dann das Programm auf der großen Bühne. Erfolgreiche Unternehmer sprachen dort über ihre Erfahrungen. Dabei waren Leonardo Conti von den Blue-Devils Weiden, Janna Ensthaler, die unter anderem Glossybox, die Gastronomiekette Kaiserwetter und die Event-Plattform EventInc gegründet hat, sowie Lara Sophie Bothur, Tech-Influencerin, die zu „Forbes 30 under 30 Europe“ zählt.
Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien zeigte sich Bothur „verzaubert von der Ruhe“ in Weiherhammer. Sie gilt als eine der einflussreichsten Stimmen im Technologiebereich auf LinkedIn und ist eigentlich auf der ganzen Welt unterwegs. „Aber ich habe mit Thomas und Pauline Engel gesprochen und die Energie durchs Telefon gespürt. Das hat mich hierhergezogen, weil ich gemerkt habe, sie wollen wirklich etwas bewegen. Die ländlichen Gegenden müssen auch mitgenommen werden“, betonte sie.
Acht Start-ups im Wettbewerb
Den Höhepunkt bildete der Pitch-Wettbewerb, bei dem acht Start-ups ihre Ideen präsentierten. Die Gründerinnen und Gründer hatten fünf Minuten Zeit, um ihre Geschäftsidee vorzustellen. Anschließend stellte die fünfköpfige Jury, die aus erfahrenen Unternehmern bestand, drei Minuten lang Fragen.
„Ich achte in erster Linie auf die Gründer selbst – ob sie eine positive Energie haben für die Sache, ob sie Durchhaltevermögen haben, ob sie was verstehen von dem, was sie vorhaben. Es geht darum, zu überzeugen und eine Art Führungsperson zu sein“, kündigte Ensthaler an. „Mir ist es wichtig, dass sie ihre Technologien so übersetzen und mir erklären, dass ich es verstehe“, sagte Bothur im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Es komme außerdem nicht nur auf eine gute Idee, sondern auch auf die Präsentation an.
Mit dabei waren unter anderem Start-ups aus Würzburg, Neutraubling und Weiden. Die Ideen waren ganz unterschiedlich: eine App, die jungen Menschen bei ihren Finanzen hilft, eine digitale Lösung, um internationale Fachkräfte einfach nach Deutschland zu bekommen, eine Plattform zur Demenzfrüherkennung. Auf Platz zwei landete am Ende „Endolease Systems“, eine Technologie, die dafür sorgt, dass Wirkstoffe gezielt abgegeben werden und Medikamente nur dort wirken, wo sie auch wirken sollen. „Das bedeutet: maximale Wirksamkeit und minimale Nebenwirkungen“, erklärte Johannes Braig. Er gewann 2000 Euro.
Idee aus Weiden auf Platz 1
„Es waren wirklich viele tolle Ideen, aber wir mussten uns entscheiden, und diese Firma stand bei uns allen auf der Liste. Hier wurde schon sehr viel Zeit investiert“, erklärte Ensthaler die Entscheidung der Jury. Den ersten Platz belegte deswegen „Cyrock.AI“. Für Gründer Markus Kett war es ein Heimspiel, denn er kommt aus Weiden.
Die Firma habe laut Kett ein „digitales Langzeitgedächtnis für KI, bei dem man bis zu 80 Prozent Rechenleistung, Infrastrukturkosten und Energie im Rechenzentrum einsparen kann“, gegründet. Normalerweise setze man zum Speichern von Daten klassische Datenbanken ein, das seien „monolithische Architekturen“, was bedeute, sie liefen „immer durch, auf großen Servern, sind permanent am Netz und verbrauchen unendlich viel Energie und Rechenleistung“ – auch wenn die KI gar nicht benutzt werde, erläuterte er. Bei ihrer Technologie sei das anders: Sie basiere auf einer anderen Architektur, bei der immer nur so viel Rechenleistung angefordert werde, wie die KI tatsächlich auch brauche. Sein Start-up „Cyrock.AI“ hat vor Kurzem eine Zusammenarbeit mit dem US-Milliardenkonzern Dell verkündet.
„Das war jetzt sehr überraschend für uns“, sagte er nach seinem Sieg gegenüber Oberpfalz-Medien. Was sie mit dem Preisgeld machen, darüber hätten sie noch gar nicht nachgedacht, sagte Kett. „Wir werden es aber sicherlich in weitere Forschungsarbeit investieren.“
Severin Hirmer, Vorstandsvorsitzender der Luce-Stiftung, kündigte bereits an, dass es auch im nächsten Jahr wieder den „Denk.summit“ geben werde, und zwar am 23. Juni. „Das ist der Beweis, dass auch unsere Region Möglichkeiten für Gründer bietet“, betonte er.































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