24.10.2019 - 09:22 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Kein Sport für Warmduscher

Viele Mitglieder der Wasserwacht Weiherhammer frönen dem Eisschwimmen. Auch im kommenden Jahr planen sie wieder die Teilnahme an verschiedenen Wettkämpfen.

Wasserwacht-Vorsitzender Martin Tafelmeyer (links) und „Eisschwimm-Veteran“ Richard Hirmer lassen sich auch im zugefrorenen Baggerweiher nicht die gute Laune verderben.
von Autor LSTProfil

Das Thermometer zeigt acht Grad Lufttemperatur an, das Wasser ist mit rund 2,5 Grad sogar noch um einiges kälter. Für Vorsitzenden Martin Tafelmeyer und Richard Hirmer von der Wasserwacht Weiherhammer ist das kein Hindernis, um in den zugefrorenen Baggerweiher zu steigen, in dem sie vorher ein Loch in die rund fünf Zentimeter dicke Eisschicht geschlagen haben. „Unbedingt erforderlich ist dafür ein eisiger Wille“, sagt Hirmer, der seit Herbst 2018 Eisschwimmer ist und inzwischen von einigen Ortsgruppen-Mitgliedern bei dieser Extremsportart unterstützt wird.

2000 Teilnehmer

„Um für die Unannehmlichkeiten der kalten Jahreszeit gerüstet zu sein, nimmt unsere Ortsgruppe bereits seit über 30 Jahren am winterlichen Donauschwimmen der Ortsgruppe Neuburg a. d. Donau teil, das immer im Januar stattfindet“, erzählt Vorsitzender Tafelmeyer. Zusammen mit fast 2000 Teilnehmern werde dort die knapp vier Kilometer lange Strecke im eiskalten Wasser mit Neoprenanzügen zurückgelegt. Dank Hirmer sei dabei auch immer ein echter Eisschwimmer am Start, der ebenso wieder im Januar 2020 dabei sein will.

Bodybuilding für Gefäße

Aber was ist Eisschwimmen genau? Auf alle Fälle nichts für Warmduscher. Denn wer im Winter in freier Natur tapfer seine Bahnen zieht, tut Gutes für die Durchblutung und für den Kreislauf, sollte sich aber vor dem Sprung in die kalten Fluten unbedingt von einem Arzt durchchecken lassen. Auch wenn es Überwindung kostet, bei niedrigen Lufttemperaturen ins kalte Wasser zu gleiten – wer im Winter schwimmen geht, stärkt sein Immunsystem. Der Körper muss durch die blitzartige Abkühlung eigene Reserven so rasch wie möglich in Wärme umwandeln und in alle Extremitäten transportieren. Das wirkt wie Bodybuilding für die Gefäße – so ähnlich wie die kalte Dusche oder das Abschreckbecken nach der Sauna-Sitzung.

Süchtig nach Eisschwimmen

Der stärkende und vitalisierende Effekt setzt schon durch eine kurze Schwimmrunde von wenigen Minuten ein. Wer, wie die Schwimmer aus Weiherhammer, längere Zeit im kalten Wasser schwimmt, gilt schon als Extremsportler. Eisschwimmen kann geradezu süchtig machen, berichten Fans: Der Körper setzt beim Eintauchen ins kalte Wasser Adrenalin und Endorphine frei, die Glücksgefühle auslösen und Schwimmern eine anhaltende Euphorie und tiefe Ruhe schenken können, die sie den Tag über begleitet.

„Nur mit einer Badehose oder einem Badeanzug bekleidet werden dabei Strecken bis zu 1000 Metern zurückgelegt“, erklärt Tafelmeyer. Nach dem Vorbild von Hirmer wagten es daher im Herbst 2018 erstmals einige Mitglieder der Wasserwacht, das Eisschwimmen auszuprobieren: Franziska Gmeiner, Lukas Dellinger und Tafelmeyer von der Ortsgruppe und Traudl Biller trafen sich zusammen mit Hirmer zum Training am Baggerweiher.

Unter 2,5 Grad Celsius

Biller hielt damals bis zum Kirchweih-Wochenende durch, der Weiher hatte bereits nur noch eine Temperatur von elf Grad. Tafelmeyer und Dellinger waren immer wieder beim Training dabei und verdienten sich den Titel „Eisschwimmer“, weil sie bis zu Letzt immer wieder in den Weiher sprangen und das bei Wassertemperaturen von unter 2,5 Grad Celsius.

Herausragend waren aber die Leistungen von Gmeiner und Hirmer. Beide nahmen zu Beginn dieses Jahres bereits an dem einen oder anderen Eisschwimmen teil, so auch an den Ice Swimming German Open in Veitsbronn, die dieses Mal vom 4. bis 6. Januar 2020 über die Bühne gehen werden. Dort muss zur Sicherheit jeder Teilnehmer, der an den Wettbewerben über 500 und/oder 1000 Meter starten möchte, bei der ärztlichen Untersuchung vor Ort ein EKG, das nicht älter als drei Monate ist, und eine Bestätigung, die glaubhaft belegt, dass bereits innerhalb der letzten zwölf Monate eine derartige Strecke in unter fünf Grad kaltem Wasser geschwommen wurde, vorlegen.

Respektable Ergebnisse

Für die Starter aus Weiherhammer kein Problem. Unter realen Wettkampfbedingungen meisterten sie nämlich im Januar 2019 ihre Disziplinen und schnitten mit durchaus respektablen Ergebnissen ab. Gmeiner legte als längste Strecke die 200 Meter zurück, Hirmer bezwang sogar die 1000 Meter und war dafür eine knappe halbe Stunde im unter drei Grad kaltem Wasser unterwegs.

Eine Erfahrung, die sie auch 2020 wieder machen wollen. Auf Grund der Popularität des Eisschwimmens in der Ortsgruppe, hält die Weiherhammerer Wasserwacht weiterhin an dieser Extremsportart fest. Seit kurzem wird wieder für die Schwimm-Wettkämpfe in dieser Wintersaison trainiert. Unerschrockene können seit dem Ende der Sommerferien immer am Samstag um 15 Uhr am Baggerweiher in Weiherhammer mitmachen.

Viele Aufgaben im Ort

Das Eisschwimmen ist aber nur ein Bereich, in dem die Ortsgruppe der Wasserwacht, die zum BRK-Kreisverband Weiden und Neustadt/WN gehört, anbietet. Als Hauptaufgabe innerhalb der Gemeinde unterstützt sie ehrenamtlich das angestellte Personal im Hallenbad beim Wachdienst und trägt so maßgeblich zur Sicherheit der Bevölkerung beim Schwimmen bei und entlastet die Gemeinde finanziell durch Einsparungen für sonst zusätzlich notwendiges Personal.

Die mobile Schnelleinsatzgruppe Wasserrettung wickelt weiterhin sowohl im Sommer als auch im Winter Notfalleinsätze am und im Wasser ab – und das über die Landkreisgrenzen hinaus. So wurde die Ortsgruppe bereits schon zweimal zu den Hochwassern in Regensburg und Passau entsendet und leistete dort mit den Booten des in Weiherhammer stationierten Hochwasserrettungsanhängers die Erstversorgung und den Transport von Patienten, die ihre Häuser auf Grund des hohen Wasserstandes nicht mehr selbst verlassen konnten, ab.

Derzeit 590 Mitglieder

Mit derzeit 590 Mitgliedern ist sie aus dem Vereinsleben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Vor allem in der Jugendarbeit leisten die Verantwortlichen der Ortsgruppe einen großen Beitrag. So werden immer wieder Kinderfreizeiten, Zeltlager oder Gruppenstunden organisiert. Aber auch die frühzeitige Hinführung an Themen der ersten Hilfe stehen bei „Trau dich“ oder Juniorhelferkursen im Vordergrund.

„Im wöchentlichen Training wird in drei Altersstufen den Kindern- und Jugendlichen neben dem Schwimm- und Rettungsschwimmtraining vor allem Kameradschaft und Teamgeist vermittelt“, berichtet Tafelmeyer weiter. Das Training findet jeweils montags ab 17.30 Uhr für Kinder von sechs bis acht Jahren, ab 18.30 Uhr für Kinder von neun bis elf Jahren und ab 19.15 Uhr für Jugendliche ab zwölf Jahren statt.

Bevor es in Veitsbronn bei den fünften Ice Swimming German Open so richtig kalt wurde, wärmten sich Richard Hirmer und Franziska Gmeiner (vorne) nochmals richtig auf.
Janina Paul (links) und Martin Tafelmeyer in „ihrem Element“ – dem Eiswasser.
Auch beim Donauschwimmen 2019 im Februar in Neuburg an der Donau waren Starterinnen und Starter der Wasserwacht Weiherhammer dabei: Matthias Käß, Lukas Dellinger und Stefanie Kisbauer (hinten von links) sowie Julia Faltenbacher, Thomas Heibl und Janina Paul (vorne von links).
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