21.03.2019 - 14:56 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Die Leiden der Liederkränze

Der Liederkranz Weiherhammer hat keinen neuen Vorstand gefunden. Jetzt löst sich der Verein auf. Auch bei anderen Männergesangvereinen gibt es Probleme - die Mitglieder fehlen.

Der Liederkranz Weiherhammer ist jetzt verstummt.

Der Liederkranz Weiherhammer ist Geschichte. Nachdem die Vorstandschaftswahlen im März zum zweiten Mal scheiterten, löste sich der Verein auf. "Wenn man spürt, dass niemand mehr mitarbeiten will, muss man die Reißleine ziehen", meint ehemaliger Vorsitzender Robert Kohl, der das Amt elf Jahre lang innehatte und dem Liederkranz schon damals aus der Patsche half. Siegfried Bock bedauert das Ende des 92 Jahre alten Traditionsvereins. Er hätte sich als zweiter Vorsitzender zur Verfügung gestellt. "Der Chor hat vieles in der Gemeinde mitgestaltet, zum Beispiel das Herbstfest der Musik." Das Aus sei "ein Armutszeugnis" für Weiherhammer.

Beim Männergesangverein 1923 Pirk stellten die Neuwahlen dagegen kein Problem dar. Dietmar Schaller und Johann Lindner wurden bei der Jahreshauptversammlung im März in ihren Ämtern bestätigt. Um das möglich zu machen, meint Lindner, müsse man die jüngeren Mitglieder einbinden. Er selbst war zehn Jahre lang Vorsitzender und habe sich dann bereit erklärt, dem Verein weiterhin als zweiter Vorsitzender zur Verfügung zu stehen, wenn Dietmar Schaller das Amt des ersten übernimmt. "So kann ich ihm zur Seite stehen, wenn er Hilfe braucht", erklärt Lindner.

Vor größeren Problemen stehen derzeit die Sänger aus Luhe: Es gibt keinen Chorleiter. Der Patenverein vom MGV Pirk hat vorerst Abhilfe geschaffen: Die Männer der Lyra Luhe kommen einmal im Monat zu den Pirkern zur Probe, einmal im Monat kommen die Pirker mit Chorleiter Frischholz nach Luhe. "Da müssen natürlich Chorleiter und Sänger mitmachen", meint Lindner aus Pirk. Einen neuen Chorleiter zu finden sei nicht einfach, erklärt Hans-Georg Birkmüller, Vorsitzender bei Lyra Luhe. "Es sind nicht viele am Markt." Ob die Kooperation mit Pirk nur eine Zwischenlösung ist, werde sich zeigen.

Aber auch unabhängig vom Dirigentenproblem: "In absehbarer Zeit müssen wir uns die Frage stellen: Wie schaut's aus?", sagt Birkmüller. Wie alle Männergesangvereine hat auch Luhe das Problem, zu überaltern und keine neuen Sänger zu finden. Birkmüller machte eine anonyme Umfrage im Verein, "unisono wollen alle weitermachen". Den Chor zu erhalten, sei natürlich wünschenswert. Aber: Einen Stillstand gab es in der Vereinsgeschichte schon zweimal, "das wäre also nichts Neues". Er könnte sich auch vorstellen, dass sich der Verein, sollte es am Chor wirklich scheitern, eben anderweitig engagiert.

Georg Ebenhöch, Vorsitzender des Sängerkreises Nord-Oberpfalz, bestätigt, dass fast alle 60 Vereine und 80 Chöre im Bezirk mit Überalterung zu kämpfen haben. Ältere Mitglieder wollten häufig kein Amt mehr übernehmen, weil es ihnen zu viel werde. "Die, die was machen würden, sind oft schon mehrfachbelastet." Trotzdem ist ihm kein weiterer Fall bekannt, in dem sich ein Verein wegen missglückten Vorstandswahlen auflösen musste. "Das kann aber schon in einem Jahr ganz anders aussehen." Durch die Überalterung fehlten auch oft Stimmen - vor allem Tenöre - und Mitglieder. "In den letzten Jahren gab es mindestens eine Auflösung pro Jahr", bedauert Ebenhöch.

Mehr über die gescheiterten Vorstandswahlen in Weiherhammer gibt es hier:

Weiherhammer

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.