02.02.2021 - 10:30 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Prestigeprojekt für Pilkington Weiherhammer in Chicago

Pilkington-Glas aus Weiherhammer hat in der Architekturwelt einen guten Ruf. Nicht erst seit Apple seine Zentrale in Kalifornien damit bestückt hat. Jetzt ist ein Auftrag aus Chicago eingegangen, einer Welthauptstadt der Baukunst.

Im Januar ist diese Lobby Teil des neusten Models auf dem Architektur-Laufsteg von Downtown Chicago. Das extrem transparente Glas dazu stammt aus Weiherhammer.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Um in der Wiege des Wolkenkratzers und der am dichtesten bebauten Innenstadt der USA aufzufallen, bedarf es schon einer Neuheit. Das trifft auch für Glasfassaden zu. So lautet der Anspruch an den Union Station Tower, der gerade im Zentrum Chicagos entsteht. Im Januar 2022 soll er fertig sein. Das 206 Meter hohe Gebäude wird ein Werk des einheimischen Planungsbüros Goettsch Partners, eines preisgekrönten Spezialisten für prestigeträchtige Hochhäuser in der ganzen Welt.

Bei diesem Turm bilden rund 4500 Quadratmeter Glas quasi den Sockel des Hauses, bei dem so viel Transparenz wie möglich gefragt ist. "Wir liefern Antireflexscheiben mit bis zu 13,5 Metern Länge", erklärt Gerhard Ruhland. Er ist Werkleiter bei Pilkington Weiherhammer, wo öfter Spezialgläser von der Floatlinie laufen. Sie sind unter anderem im Flughafen von Hongkong oder in der Berliner Reichstagskuppel verbaut.

Extrem transparente Scheiben

Das Besondere am Auftrag für Chicago ist die dünne Online-Beschichtung auf einem hellen Substrat, das eine Spezialität des Werks ist. Dies verhindert Spiegelungen, so dass der Blick bis weit ins Innere eines Gebäudes frei wird. Im Fall des Union Station Towers ist das eine Lobby mit Rezeption, Schreibtischen, Lounge und Bar. Auf diesen fast unsichtbaren Kubus setzt Goettsch Partners eine eher konventionelle Fassade mit spiegelnden Fenstern und geometrischen Ornamenten in V-Form. Über eine Partnerfirma sind die Weiherhammerer zu diesem Auftrag gekommen. Über dessen finanzielle Dimension wollen sie nicht sprechen.

Glas für Corona-Zeiten

Noch mehr als vom trophäenartigen Engagement in Chicago erhoffen sich die Flachglasspezialisten von einer Weltneuheit, die im Oktober auf den Markt kam. Dass sie zur Zeit passt wie die Sohle zum Schuh, sei nicht der Pandemie geschuldet, versichert Ruhland. "Es war schon vorher Thema, ergibt aber jetzt umso mehr Sinn."

Das Produkt heißt "Sanitise". Seine Beschichtung soll antimikrobiell gegenüber behüllten Viren wirken, sobald sie der UV-Strahlung, sprich Sonne, ausgesetzt sind. Das gelte laut Hersteller bis zu zwei Stunden nach einer Bestrahlung, wodurch das Risiko einer Kreuzinfektion weiter verringert werde. So ein behülltes Virus ist auch Covid-19. Das heißt, es hat einen Fettmantel um sich, der durch Seife und Desinfektionsmittel zerstört wird.

Zwar sind Schmierinfektionen bei Corona selten, doch für Glaselemente in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Krankenhäusern könnte das Anti-Viren-Glas durchaus gute Dienste leisten, erklärt Ruhland. Die Markteinführung im Oktober lief allerdings zäh an, da die Pandemie bereits weltweit in vollem Gang war. Überdies gilt das Hightech-Produkt nicht als Schnäppchen.

Gleichwohl laufen die beiden Floatlinien in Weiherhammer zurzeit auf Volllast. Die Linie 1 mit Bauglas und anderen Spezialgläsern, die Linie 2 mit extrem hellem Glas für Solarkraftwerke – Stichwort Energiewende. Über den Daumen gepeilt verlassen im Schnitt über 1000 Tonnen täglich das Werk. Die Zeiten der Kurzarbeit aus dem Mai 2020 sind damit passé. Zu den knapp 500 Mann Stammbelegschaft kommen derzeit sogar Leiharbeiter.

40 Jahre Pilkington und ein neuer Werkleiter in Weiherhammer

Weiherhammer

Pilkington-Glas für die Apple-Zentrale in Cupertino

Hintergrund:

Der Union Square Tower in Zahlen

  • Höhe: 206 Meter, 50 Stockwerke
  • Bürofläche: 139350 Quadratmeter
  • Außenfassade: 489583 Quadratmeter
  • 400 Parkplätze in der Tiefgarage
  • 6070 Quadratmeter begrünte Plaza
Das Hochhaus, das 2022 bezogen werden soll, heißt im Moment nach seinem Standort Union Station Tower. Die Namensrechte hat sich aber die Bank BMO gekauft, nach der der Turm dann wohl auch offiziell benannt wird.

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