29.05.2019 - 16:43 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Tüftler und Stratege: Norbert Städele verlässt die BHS Corrugated

Eine flotte Penthouse-Wohnung mit seiner Frau in Nürnberg oder einer anderen Großstadt. So hatte sich Norbert Städele einst den Ruhestand vorgestellt. Doch der BHS-Manager hat umgeplant. Wie so oft im Leben.

Der Schreibtisch ist nicht geräumt, sondern papierlos. Wenige Wochen bleibt Norbert Städele der BHS Corrugated als Denker und Lenker aber noch erhalten.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Nach 21 Jahren geht der für die Technik verantwortliche Geschäftsführer der BHS Corrugated Ende Juni in Rente. Wandern und Radfahren, Familie und Freundschaften pflegen - alles, was der Business-Alltag verschlingt, soll dann zu seinem Recht kommen. Als Berater will Städele seinem Arbeitgeber aber weiter erhalten bleiben.

Einer, der viel angeschoben hat, an unzähligen Entscheidungen beteiligt war, kann nicht einfach so Schluss machen. Da trifft es sich gut, dass er sich zu Hause in Parkstein pudelwohl fühlt und nicht mehr weg will. Als er 1998 nach Stationen in Ebersbach, Rosenheim und Neumarkt in Weiherhammer anfing, hatte sich der aus Schwäbisch Gmünd stammende Ingenieur nicht die kleinsten Fußstapfen ausgesucht. Immerhin war er Nachfolger von Edmund Bradatsch, der zusammen mit Paul Engel aus dem Hüttenwerk die BHS Corrugated gemacht hat.

Dass die heute unangefochten Weltmarktführer im Maschinenbau für den Wellpappe-Sektor ist, darf sich Städele zusammen mit Paul Engels Söhnen ans Revers heften. Das sagen bereits die nackten Zahlen. Von 1998 bis heute stieg der Umsatz um 400 Prozent. 2018 waren es 570 Millionen Euro, und auch 2019 sieht es wieder gut aus. Daran sind aktuell 2200 Mitarbeiter beteiligt.

Städele hat dazu nicht nur als Techniker, sondern auch als Stratege die Weichen gestellt. Unter anderem mit dem Schritt nach China, wo die BHS in Shanghai ein Werk mit 400 Mitarbeitern unterhält. Andere Teile entstehen in Weiherhammer und Tachau. "Fast jede Woche geht eine unserer Maschinen in Betrieb", freut sich der 66-Jährige. Kein schlechtes Geschäft: Eine Anlage kostet zwischen 30 und 70 Millionen Euro. Die Kunden kommen aus allen Industriezweigen. Im Prinzip gehört dazu jeder, der etwas verkauft, das in Schachteln verpackt ist. Eine Maschine ist 90 bis 190 Meter lang, bis zu 500 Tonnen schwer und in rund 6 Wochen montiert. Dazu bieten die Weiherhammerer ein umfangreiches After-Sales-Paket an. Es umfasst, Wartung, Ersatzteile, Mitarbeiter-Training und weitere Serviceleistungen. Dieses zweite Standbein ist inzwischen für rund 30 Prozent des Umsatzes verantwortlich. "Das gibt Sicherheit", erklärt Städele, zu dessen Stärken eine souverän-unaufgeregte und kommunikative Ader gehören.

Er ist mittlerweile dreifacher Vater und fünffacher Großvater. Trotzdem hat er alle aktuellen Entwicklungen des Unternehmens nach wie vor im Blick. Dazu gehören schwerpunktmäßig Intralogistik und Digitaldruck. Ein Entwickler kann seine Ideen eben nicht per Knopfdruck abstellen. "Es geht hin zur selbstoptimierenden Maschine", ist er neugierig auf die Zukunft.

Sein jüngstes Baby soll in zwei Jahren in Weiherhammer zur Welt kommen: eine neue Digitaldruckhalle im Stil des Life-Cycle-Centers am Beckenweiher (Bericht folgt). Bis es so weit ist, ist längst der 1,98 Meter große Ostfriese Thomas Meenken am Ruder. Städele arbeitet seinen Nachfolger seit Februar ein.

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