02.03.2020 - 16:32 Uhr
Weihermühle bei NeusorgOberpfalz

Begnadeter Handwerker

Wie viele Figuren und Holzkreuze durch Gerhard Schinners Händen gingen, weiß der Ebnather nicht. In seiner Werkstatt, die sich er sich 1999 in Weihermühle eingerichtet hat, zeigt er dem Besuch der Gesellschaft Steinwaldia seine Werke.

Wie viele Kreuze bereits durch seine Hände gingen, konnte Gerhard Schinner (rechts) nicht sagen. „Es waren sehr viele“, rechnete der Ebnather nach..
von Werner RoblProfil

Bereits vor einigen Tagen hatte Norbert Reger, Vorsitzender der Gesellschaft Steinwaldia, mit Gerhard Schinner vereinbart, ihm und seiner Frau Elisabeth einen Vereinsbesuch abzustatten. Ziel der Gruppe war Weihermühle bei Neusorg, wo man von den Eheleuten Schinner bereits erwartet wird. Behutsam nimmt Gerhard Schinner einen Bischofsstab in die Hand. Das kunstvolle Teil aus Holz sei doch ein Schmuckstück für jeden heiligen Nikolaus, der in der Vorweihnachtszeit von Haus zu Haus zieht, verrät Schinner am Tag der offenen Werkstatttür. Der Ebnather hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und ist ein begnadeter Handwerker. Davon erzählt er auch seinen Gästen von der Pullenreuther Gesellschaft Steinwaldia. Ehefrau Elisabeth unterstützt ihren Mann beim Bemalen der Stücke.

Der Duft nach Holz

Während sich die Gäste in den ehemaligen und nach Holz duftenden Schulräumen umsehen, bereitet Elisabeth Schinner Kaffee und Kuchen vor, um sie in der einstigen Schulturnhalle anzubieten. Gelernt habe er auch viel bei einer besonderen Wallfahrt, berichtet Schinner von seinen mehrtägigen Glaubenserfahrungen, die ihn vor einigen Jahren zu Fuß nach Rom führten. Auf Schusters Rappen nur mit sich und Gott am Franziskusweg alleine zu sein, könne man nicht einfach nur mit ein paar Sätzen beschreiben, sagt der Ebnather und deutet auf eine große Karte, auf der die Route eingezeichnet ist. "Nein, in Sorge war ich nicht, als er unterwegs war", klinkt sich Elisabeth Schinner wieder ein.

Reiz der Osterkrippe

An anderer Stelle zeigt Schinner seinen Gästen ein beleuchtetes Diorama, das an den Emmaus-Gang beziehungsweise an die Bibel erinnert. Als eine Besonderheit beschreibt er die von ihm handgeschnitzten Kreuzigungsszenen am Berg Golgotha. "Osterkrippen stehen leider im Schatten der Weihnachtskrippen", bedauert der Künstler. "Aber sie haben einen bestimmten Reiz", empfiehlt Schinner, sich Details näher anzusehen.

Wortlos sitzt ein alter Mann auf einer Holzbank und sinniert vor sich hin. Die Holzfigur ist nur einer von vielen Blickfängen, zu denen auch das Schaukelpferd gehört und - mit viel Liebe gemacht - auf seinen Abnehmer wartet. Die Gäste zeigen sich von dem Holzspielzeug, das unübersehbar in der Mitte steht, aber auch von der breiten Palette der Exponate begeistert. Vor gut zwei Jahren besuchte ihn auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. "Ich habe mich mit ihm fast eine Stunde lang unterhalten", kommentiert Schinner die Stippvisite des Oberhirten. "Voderholzer zeigte sich von der Ebnather Krippe sehr angetan", ergänzt Schinner und fügt hinzu. "Auf diese Krippe bin ich ganz besonders stolz." Zudem gesteht der Schnitzer, dass er viel Herzblut investierte, um sie entstehen zu lassen. Bis hinunter nach Regensburg und Nürnberg oder hinauf ins benachbarte Oberfranken: Gerhard Schinners Krippen kann man - wenn auch nur zur Weihnachtszeit - in vielen Kirchen oder Wohnungen bestaunen.

"Meine Frau und ich machen aber auch weltliche Dinge aus Holz, um diejenigen zu bedienen, die etwas Beständiges, in welcher Form auch immer, haben möchten." An anderer Stelle erzählt der 59-jährige von den Problemen bei der Restaurierung alter Grab-, Feld- und Wegkreuze, die ihm in die Hände gelegt werden, um sie wieder zu Schmuckstücken zu machen.

Noch mehr von ihrer gemeinsamen Arbeit zeigen Elisabeth und Gerhard Schinner danach beim Kaffeetrinken. Während sich die Gäste einschenken und sich vom Kuchen bedienen, schaltet Gerhard Schinner den Beamer ein, danach den Computer an, um Bilder zu zeigen und sie zu kommentieren. "Zweifellos war der Besuch heute ein Höhepunkt", beleuchtet Vorsitzender Norbert Reger den Nachmittag. Ein Geschenk hat er auch dabei, um sich bei den Gastgebern für diese "schöne, interessante und zweifellos lehrreiche Stunde" zu bedanken.

Das Holz-Schaukelpferd steht in der Mitte der Werkstatt.
Den Franziskusweg mit Ziel Rom meisterte der Ebnather vor gut 7 Jahren.
Richtig beleuchtet wird sogar aus der Verhör-Szene bei Pontius Pilatus ein stimmungsvolles Beispiel der Handwerkskunst aus Gerhard und Elisabeth Schinners Holz-Werkstatt.
Vorsitzender Norbert Reger (rechts) hatte den Besuch angeregt, um „seiner“ Gesellschaft Steinwaldia die Arbeit Gerhard Schinners näher zu bringen.
In der Werkstatt duftet es nach Holz. Sie ist das Reich von Gerhard Schinner (2. von rechts) und seiner Ehefrau Elisabeth, die – während der Gatte seine Arbeit vorstellte – für die Gäste die Tische deckte.
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