29.08.2021 - 11:13 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Aus Atzenhof zum Hopfenzupfen in die Hallertau

Edmund Schmid hat nicht nur ein Herz für maurische Landschildkröten, die er züchtet, hegt und pflegt. Er sammelt auch – Geschichte. Bilder, Postkarten, Aufzeichnungen übers Hopfenzupfen der Oberpfälzer in der Hallertau liegen vor ihm.

Das Bild, das sich in Edmund Schmids Archiv befindet, entstand 1903 in Tohngräben/Hallertau vor dem Hof des Hopfenbauern Georg Ostermeier und zeigt die "Hopfazupfa" aus Atzenhof und Umgebung. Rechts vorne im Bild steht ein „Metzen“, dahinter ein Hopfensack.
von Autor SHEProfil

Vieles, was Vater Karl und Onkel Josef zusammengetragen haben, ist in Edmund Schmids privates Archiv gewandert. Der 74-jährige Wernberg-Köblitzer wirft gerne einen Blick hinein. Jetzt ist die Zeit der Hopfenernte in der Hallertau. Das strahlte auch auf die Oberpfalz aus.

In den 1960er Jahren machten sich die Arbeitssuchenden aus dem Altlandkreis Nabburg auf zu den reichen Bauern in der Holledau, um für sie als Saisonkräfte die Dolden, die Basis für das flüssige Gold, zu ernten. Geld, das die armen Leute aus der „Stoapfalz“ brauchten, um über den Winter zu kommen.

Von Ende August bis Mitte September

„Leit macht’s Fensta zua, d‘ Hopfazupfa komma!“ So hieß es bis Anfang der 60er Jahre im vorigen Jahrhundert boshaft in der Hallerdau, wenn die Pflückergruppen – vor allem aus der nördlichen Oberpfalz – zur Hopfenernte Ende August bis Mitte September kamen. Nach und nach ersetzten dann Maschinen die fleißigen Zupfer. Wo früher Dutzende die Hopfenblüten pflückten, stehen heute nur ein paar Leute an der Maschine und am Reißgerät.

Aus der Trausnitzer Gegend fuhren bis zum Schluss bis zu vier Gruppen mit etwa 30 Leuten nach Wolnzach und Tohngräben in die Hallerdau. Bereits ab Juli warben die Brüder Josef und Karl Schmid aus Atzenhof – Vater und Onkel von Edmund Schmid –, Sepp Schober und Andreas Voith ihre Pflücker an. "Dann fuhr man mit Bussen oder mit dem Zug jedes Jahr zu dem gleichen Hopfenbauern. Die Zugfahrer wurden von ihren Bauern mit Pferdegespannen abgeholt und nach Beendigung der Ernte mit geschmückten Wägen und Musik wieder zum Bahnhof gebracht", entnimmt Edmund Schmid den Aufzeichnungen. Er konnte auch noch eine betagte Zeitzeugin zu den damaligen Erntegruppen befragen.

Bereits zur Dämmerung bei der Arbeit

Untergebracht waren die Männer und Frauen in Heustadeln. Bereits in der Dämmerung wurden die Pflücker zu den Hopfenfeldern gefahren. Zurück ging es erst wieder nach Sonnenuntergang. Also waren die Oberpfälzer bis zu 14 Stunden täglich bei der Arbeit. Der Bauer oder sein Knecht rissen mit Stangen die Hopfentrauben herunter, so dass sie gepflückt werden konnten. Schlimm war es natürlich bei Regenwetter, wenn der Hopfen klebte.

Durchschnittlich bis zu zwölf Metzen (österreichisches Hohlmaß, etwa 61 Liter) schafften die Leute am Tag. Für jeden abgelieferten Metzen gab es ein „Blechl“. Diese wurden am Abend eingesammelt und pro Stück 1,59 Mark gutgeschrieben.

Trotz der anstrengenden Arbeit tagsüber ging es abends oft recht lustig zu. Da wurden den Männern von der „Rechiner Anne“ verstohlen die Hosenbeine zugenäht, so dass am nächsten Morgen die totale Verwirrung herrschte. Dafür bliesen die Männer den schlafenden Frauen Pfeffer ins Gesicht oder versteckten Mäuse in den Schlafdecken.

Da die Schmid-Brüder (Hausname: Rechiner) begabte Musiker waren und natürlich ihre Musikinstrumente dabei hatten, wurde nicht selten nach knochenharter Arbeit abends noch zum Tanz aufgespielt.

Das Essen war für damalige Verhältnisse ausgezeichnet. Hoch ging es her beim „Niederfall“, dem letzten Erntetag. Es gab abends ein Festessen, Kirchweihkücheln, die Musik spielte auf. Die ganze Nacht wurde durchgefeiert und getanzt, bevor es am anderen Morgen total erschöpft, aber glücklich und mit einem Batzen Geld in der Tasche wieder zurück in die Oberpfalz ging.

Im Landkreis gab es auch "goldene Zeiten"

Oberviechtach
Jahrzehnte später: 1933 fährt eine neue Generation aus dem nördlichen Altlandkreis Nabburg in die Hallertau. Das Foto zeigt den „Rechiner Kare“ (zweiter Musiker von links) aus Atzenhof mit seiner Hopfazupfagruppe. Übrigens ging das Motiv als Postkarte aus Atzenhof vom 14. Oktober 1933 an „Fräulein Barbara Schatz in Neuneigen, Post Wernberg, Oberpfalz". Darauf stand: „Bin gut nach Hause gekommen!“

"Die Oberpfälzer waren bis zu 14 Stunden täglich bei der Arbeit"

Edmund Schmid

Edmund Schmid

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