17.08.2021 - 18:30 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Geschichten aus goldenen Zeiten

Der Raum Oberviechtach zählt zu den Gegenden mit den reichsten Goldvorkommen in Bayern. Von der einstigen Goldgräberstimmung und dem harten Leben der Bergleute erzählt das Museum der Stadt. Und von Dr. Johann Andreas Eisenbarth.

Museumsleiterin Rosemarie Zithier vor der Bildcollage im Eingang des Museums mit Doktor Eisenbarth.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Bürgermeister Rudolf J. Teplitzky steigt immer wieder gerne in den „Goldstollen“ ein, auch wenn er dort nicht mehr fündig wird. Die nachgebaute Grube im Stadtmuseum erinnert an die 700-jährige Oberviechtacher Bergbaugeschichte und die Arbeitsbedingungen der Kumpel damals. Heute nutzt die Stadt die „Goldgräberstimmung“ für touristische Zwecke und bietet geführte Wanderungen zu den historischen Waschplätzen an.

„Da packt so manchen Teilnehmer das Goldfieber“, weiß Tourismusbüro-Leiterin Sigrid Breitschafter. Vor allem deshalb, weil der Entdecker die glitzernden Plättchen behalten darf. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass der Raum Oberviechtach zu den reichsten Goldvorkommen in Bayern gehört. Goldfunde aus den Gewässern, historische Werkzeuge und digitale Videos erinnern im Museum an die „goldenen Zeiten“ der Region.

Oberviechtach ist aber auch der Geburtsort von Doktor Johann Andreas Eisenbarth (1663 bis 1727). Nach ihrem berühmtesten Sohn hat die Stadt auch das Museum benannt. Es zeigt den Mediziner als geschickten Operateur und Arzneimittelhersteller. Eine interaktive Landkarte führt die Besucher auf den Spuren Eisenbarths durch Deutschland nach dem Dreißigjährigen Krieg. Zusätzlich lohnt sich ein Blick in den Museumsgarten. Die dort wachsenden Kräuter beugen Erkältungen vor, stärken den Kreislauf, fördern die Verdauung und tragen zur Beruhigung bei. Nach alten Rezepten aus der Zeit des Wanderarztes wird auch das „Eisenbarth-Elixier“ hergestellt. Den Kräuterlikör nehmen die Museumsbesucher gerne als Medizin mit nach Hause.

Im Dachgeschoss befindet sich die Ausstellung zum Thema „Handwerk und Hausnamen“. Es ist die Lieblingsabteilung von Museumsleiterin Rosemarie Zithier. Mit diesen Themen kann sie vor allem Familien mit Kindern begeistern. Wenn die Oma zu erzählen beginnt und die Enkel lauschen, dann wird Heimatgeschichte lebendig. Der Blick in die Werkstatt vom „Hoglschouster“ lässt das beschauliche Dasein des Schusters namens Hagl erahnen und erinnert an eine alte Handwerkskunst. Eine Filmsequenz zeigt auf dem Monitor, wie die Nachfolger vom „Hoglschouster“ arbeiten. Rosemarie Zithier führt die Kinder zur Wand „Handwerker in Oberviechtach im 19. Jahrhundert“ und öffnet ein Kästchen, in dem sich altes Werkzeug befindet. Die Kinder sollen es erraten und können die Lösung selbst überprüfen. Der dazu gehörige Schlüssel passt nur in eines der drei angebotenen Schlösser.

Das Modell der Ruine „Haus Murach“ vermittelt einen Eindruck von der Größe des Kulturdenkmals, das einst zu den bedeutendsten Burgen entlang der böhmischen Grenze gehörte. Eine Besichtigung der noch erhaltenen Mauerreste lohnt sich. Den Schlüssel hat Burgwart Manfred Senft an seinem Haus in Obermurach 58 hinterlegt. Der Besucher schließt die Anlage selbst auf und zu und bringt den Schlüssel wieder zurück. Wer die Stufen zum Burgturm hinauf steigt, kann einen der schönsten Panoramablicke über den Oberpfälzer Wald genießen. Mit dem „Rittersteig“ führt ein romantischer Pfad rund um die Burganlage. Immer am ersten Sonntag im August findet ein zünftiges Burgfest für die Bevölkerung statt. Die Anlage bietet auch das Ambiente für Theateraufführungen.

Zurück zum Museum: In der ersten Etage ist eine Ausstellung zur Hinterglasmalerei zu sehen. Es handelt sich dabei um Exponate der „Winklarner Schule“. Unter diesem Namen sind die Mitglieder der Familien Roth, Ruff und Wellnhofer aus dem sieben Kilometer entfernten Markt Winklarn zusammengefasst, die von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Hinterglasmaler tätig waren. Ihre Werke zeigen vor allem religiöse Motive. Die Votiv- und Andachtsbilder gewähren einen Blick in das Leben früherer Generationen.

Das „Dr.-Max-und Margret-Schwarz-Zimmer“ erinnert an den größten Mäzen der Stadt Oberviechtach. Margret und Max Schwarz hinterließen der Stadt ein Millionenerbe in Form einer Stiftung. Als Testamentsvollstreckerin setzten sie Erika Odemer aus München ein, die 2002 zur Ehrenbürgerin der Stadt Oberviechtach ernannt wurde.

Das von Apotheker Karl Foißner 1966 gegründete Doktor-Eisenbarth- und Heimatmuseum war ursprünglich am Marktplatz 12 untergebracht. Im Jahre 2000 entschied sich die Stadt für den Ankauf der ehemaligen Marktmühle im Mühlweg 7 und den Umzug des Museums in das sanierte Gebäude. Dabei konnte sie auf Mittel der „Dr.-Max-und Margret-Schwarz-Stiftung“ zurückgreifen. Der damalige Bürgermeister Wilfried Neuber ist heute Vorsitzender des 2004 gegründeten „Museumsvereins Oberviechtach e.V.“ , der für die organisatorischen Abläufe und die museumspädagogische Ausrichtung zuständig ist.

Das Museum Sengerhof in Neualbenreuth

Bad Neualbenreuth

Zu den Beiträgen der Serie "Museen der Oberpfalz"

Service:

Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum: Öffnungszeiten und Kontakt

  • Das Museum hat von Mai bis Oktober jeweils am Dienstag und Donnerstag von 10 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr sowie am Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Ganzjährig sind Gruppenführungen (Dauer eine Stunde) möglich. Anmeldung unter Tel. 09671/30716
  • Vor dem Gebäude stehen Parkplätze zur Verfügung.
  • Der Eintritt beträgt für Familien drei, für Erwachsene zwei und für Kinder einen Euro.
  • Die Adresse: Mühlweg 7. Nähere Informationen gibt es auf www.eisenbarthmuseum.de
Service:

Weitere Tipps in der Region

  • Nach dem Museumsbesuch empfiehlt sich eine Wanderung auf dem Gold-Lehrpfad. Nähere Informationen im Rathaus, Telefon 09671/30716.
  • Im Gasthof „Hammerschänke“ in Lukahammer 9 steht der „größte Bierkrug der Welt“. In 700 Arbeitsstunden schuf die Dorfgemeinschaft „Eigelsberg“ 2001 den Krug mit einer Höhe von 3,80 Metern und einem Fassungsvermögen von 4718 Litern. Die Erbauer wurden mit dem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde belohnt.
  • Für eine weitere Einkehr empfiehlt sich die Landgasthof-Pension „Zur Taverne“ in Lind 12, (Telefon 09671/2532). Der wunderschöne Biergarten Dobmeier mit altem Baumbestand (einer der schönsten im Landkreis Schwandorf) befindet sich in Pullenried.
  • Auch die Lokale in der Oberviechtacher Innenstadt laden zu einer Pause ein.

 

 

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