19.02.2021 - 14:31 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Gerhard Kranz und Joachim Fertsch: Würfeln und pusten bei "Wetten dass?"

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Sie stehen mit Boris Becker und den Backstreet-Boys auf der Bühne: 1985 und 1996 jubelt der Landkreis über "seine" Wettkönige Gerhard Kranz und Joachim Fertsch. Zum 40. Geburtstag der Kultserie "Wetten dass?" sind sie in Plauderlaune.

Gerhard Kranz (hinten Mitte, mit David auf den Schultern), war in prominenter Gesellschaft. Rechts neben ihm steht Tennisstar Boris Becker, links im Bild sind Schauspieler Georg Thomalla und Sängerin Margot Werner zu sehen.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Ein Samstagabend 1985: Pünktlich um acht sitzt die Familie vor dem Fernseher. Gleich kommt "Wetten, dass..?", die Spielshow von Frank Elstner, der in eine Welt voller unglaublicher Wetten und Prominenz entführt, Saalwette inklusive. Auf dem Bildschirm erscheint der goldene Strahlenkranz und der Schriftzug "Eurovision", die Fanfare erklingt. So war Fernsehen, als Gerhard Kranz aus Wernberg-Köblitz, dem erstem Bewerber aus dem Landkreis Schwandorf, der Sprung in die Sendung "Wetten dass?" gelang. 1996 legte Joachim Fertsch aus Teunz nach. 2014 lief die letzte Show, die heuer 40. Geburtstag hätte. Gerhard Kranz und Joachim Fertsch haben alle Zeitungsausschnitte und Bilder aufgehoben. Wie war das, als sie vor Millionenpublikum in Basel auf der Bühne standen?

Peter Meyer begleitete die Vorbereitungen der Show

Weiden in der Oberpfalz

"Man hatte ja nur drei Programme und gehörte noch nicht zur Streaming-Generation", lacht Gerhard Kranz, heute 60 Jahre, mit Blick auf die fünfjährige Rosina, eines der fünf Enkelkinder. Kranz, seit 50 Jahren Mitglied bei der Wernberg-Köblitzer Wasserwacht, erinnert sich an die Badetouren am Trausnitzer Stausee, als er das Schlauchboot schneller mit dem Mund aufblies, als andere es mit dem Blasebalg gekonnt hätten. Das Ganze wurde perfektioniert, die Wette eingereicht. "Ob ich es heute noch mal machen würde? Damals war ich jung und unbedarft", meint der Wernberg-Köblitzer schmunzelnd.

"War ich nervös"

Einige Wochen hörte er nichts, dann ging es Schlag auf Schlag. Zwei Redakteurinnen kamen bei dem Elektriker, der später Prokurist und Produktionsleiter bei der BHS Weiherhammer wurde, vorbei. Kranz führte seine Wette noch in Mainz, sozusagen auf "fremden Terrain", vor. Dann der große Auftritt: "Mein Gott, war ich nervös". Ski-Ass und Modemacher Willi Bogner formulierte die Wette, "dass Gerhard Kranz ein 280-Liter-Schlauchboot schneller mit dem Mund aufblasen kann, als der mehrfache Weltmeister im Radfahren, Urs Freuler, mit dem Blasebalg". Top, die Wette galt. 67 Prozent der "Ted-Zuschauer" tippten damals auf Kranz, inklusive Willi Bogner. "Wenn er verloren hätte, hätte er einen Skikurs für Blinde abgehalten", erzählt Kranz.

Frank Elsner stellte dem Publikum seinen "Kandidaten aus Bayern" vor. Und da lagen sie dann, die beiden roten Schlauchboote, mit Druckmesser und roten Lämpchen. Der Wernberg-Köblitzer holte tief Luft – und Urs Freuler schon bei der ersten Kammer ein. Auch bei der zweiten Kammer hatte er mehr Kraft in der Lunge als Urs im Bein. Frank Elstner knüpfte gleich Kontakte "für das Bootaufblasen im nächsten Urlaub", schmunzelt Kranz.

Die Sache mit dem Strafzettel

Mit dem Wettsieg war aber noch nicht Schluss. Nach der Saalwette lag das Gespann Bogner/Kranz punktgleich mit Chansonsängerin Margot Werner und ihrem "Patenkind", dem zehnjährigen Schwammerlkenner David. Das Stechen gewann Bogner, der Sieger des Abends hieß Gerhard Kranz. Auf der Bühne stand er Schulter an Schulter mit Tennislegende Boris Becker. Kranz hatte beim Finale den kleinen David auf den Schultern, mit dem er sich das Preisgeld brüderlich teilte: "7000 Mark waren das damals". Zum 50. Geburtstag haben Frau Brigitte und die drei Kinder den Auftritt noch einmal in einem Video-Zusammenschnitt aufleben lassen. "Übrigens hat sich Jahre nach dem Auftritt ein Polizist an mich als Wettkönig erinnert", erzählt Gerhard Kranz lachend: Als er ihm einen Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens ausgestellt hat.

Bevor 1996 Joachim Fertsch aus Teunz zum Zug kam, musste der Diplom-Mathematiker zunächst Enttäuschungen wegstecken. Mentalwetten aus dem mathematischen Bereich erschienen dem Sender "fürs Publikum zu kompliziert", erinnert sich der 58-jährige Vater von vier Töchtern. Doch dann kam die zündende Idee beim Kniffelspiel im heimischen Wohnzimmer. Der Würfelspieler baute ein Türmchen, das heißt, beim Hochheben des Bechers lagen zwei Würfel übereinander. Nun brach der kühle Rechner durch, kam die Fliehkraft ins Spiel. Und auch auf den Becher kommt es an, der durch rhythmisches Schütteln Ordnung unter den Würfeln schaffen, sie zum Turm stapeln soll. "Das Holz vom Apfelbaum eignet sich am Besten", weiß Fertsch. Ein alter Drechsler aus Thanstein fertigte das gute Stück an. Mit Übung und nochmals Übung schaffte es Fersch, das Kunststück auf der Küchenplatte zu perfektionieren. Für die Sendung sollten es neun Würfel sein, es ist ihm aber auch schon ein großer Wurf mit 15 Steinen gelungen.

Udo Jürgens gratuliert

25 Jahre nach dem großen Auftritt erzählt er noch vom Fiasko mit der falschen Plattenoberfläche. Sein Bruder brachte kurzerhand die heimische Küchenplatte nach Brüssel. Dann der Auftritt mit Thomas Gottschalk, Frank Elstners Nachfolger. "Vor über 15 Millionen Zuschauern", schwärmt Fertsch. Sein Wettpate war kein geringerer als Marius Müller-Westernhagen. Tina Turner und die Backstreet Boys waren mit dem Teunzer auf der Bühne. Er gewann nicht nur souverän seine Wette, die Zuschauer kürten ihn mit 63 Prozent auch zum Wettkönig. "Gute Wette, guter Manager" lobte Roberto Blanco den Oberpfälzer. "Auch Udo Jürgens hat mir gratuliert", schwärmt Fertsch noch heute von dem "tollen Gefühl im Rampenlicht. Das was bis dahin Gottschalks beste Sendung".

Und plötzlich kannten ihn alle: "Ich konnte kaum mehr einkaufen gehen", lacht er . "Ich hab das aber auch genossen". Fertsch wurde zur Bundeswehr, zu Faschingsfeiern und Hochzeiten eingeladen, war mit seiner Wette ein begehrter Entertainer. Und selbst, als er im Sommer im Freibad war, hat sich ein Badegast an die Wette erinnert. Fertsch, beruflich als Controller bei Witron tätig, fügte den Wettauftritt übrigens auch in Bewerbungsschreiben an. "Das interessiert immer, da kommt man ins Gespräch". Wenn es eine Neuauflage der Sendung gäbe, er würde sich wieder bewerben. Ideen hätte er genug.

Hintergrund:

Die Kandidaten und ihre Wetten

  • Gerhard Kranz aus Wernberg Köblitz verfügt mit 7,5 Liter über ein 60 Prozent größeres Lungenvolumen als üblich. Er brauchte am 21. September 1985 nur etwas über drei Minuten ins 280-Liter-Schlauchboot blasen, dann hatte er seinen Gegenkandidaten – Urs Freuler mit Blasebalg – abgehängt.
  • Joachim Fertsch aus Teunz schaffte es in der Sendung am 9. November 1996, neun Würfel durch gezieltes Schütteln eines hölzernen Bechers mit Technik und Berechnung zu einem Türmchen übereinanderzustapeln. In Bestform gelang ihm das auch schon "inoffiziell" mit 15 Würfeln.
Zeitungsausschnitt und das Foto von Gerhard Kranz mit Moderator Frank Elsner sind 35 Jahre alt. Enkelin Rosina kann kaum glauben, dass das auf dem Bild ihr Opa ist.
Joachim Fertsch aus Teunz räumte mit seinem Würfelspiel ab. Auch Udo Jürgens gratulierte.

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