Erinnerungen an "Wetten, dass ..?": Oberpfälzer Nase an Nase mit Thomas Gottschalk

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Im Dezember 2014 lief nach mehr als 30 Jahren die letzte Show der Reihe "Wetten, dass ..?" im ZDF. Jetzt, zum 40. Geburtstag der Sendung, teilen zwei Oberpfälzer ihre Erinnerungen an ihre Erlebnisse hinter den Kulissen.

Peter Meyer (rechts) hatte den richtigen Riecher. Um die berühmte Moderatorennase vor den Boxhieben von Axel Schulz in Sicherheit zu bringen, hatte Thomas Gottschalks Management den Projektleiter zu "Wetten, dass ..?" nach München eingeladen.
von Helmut KunzProfil

Vor 40 Jahren wurde "Wetten, dass ..." von TV-Legende Frank Elstner aus der Taufe gehoben. Den Höhepunkt ihres Erfolgs erreichte die Show in den Jahren, in denen sie von Thomas Gottschalk moderiert wurde. Und Peter Meyer aus Öd bei Kirchendemenreuth (Kreis Neustadt/WN.) durfte den Showmaster aus nächster Nähe kennenlernen. Nase an Nase gewissermaßen. Die Sorge um Gottschalks "Supernase" ermöglichte es dem Oberpfälzer, dass er 2002 vier Tage lang die Vorbereitung der Show im Münchener Messezentrum mit seiner Kamera begleiten durfte.

Aus dem Boxkampf wurde nichts

Meyer war Gründer und Leiter des Projekts "Kino für Behinderte" des Allgemeinen Rettungsverbandes (ARV), das damals ziemlich erfolgreich lief. Ein Jahr vor seiner Einladung zu "Wetten, dass ..?", hatte Meyer zu Gottschalks Management Kontakt aufgenommen. Sein Vorschlag: ein Wohltätigkeits-Boxkampf zwischen dem Showmaster und Axel Schulz zugunsten Behinderter auf dem ARV-Gelände.

"Das Management fand das Vorhaben interessant, glaubte aber, dass Gottschalk mit einer krummen Nase nicht mehr hätte moderieren können." Meyer ließ nicht locker. Mit dem Ergebnis, dass er gemeinsam mit einem Mitglied seines Teams, nämlich Alexander Grundler, als erster Filmemacher überhaupt zu den Aufbauarbeiten der damals größten TV-Show Europas eingeladen wurde. "Schon damals klagte Gottschalk im Interview mit mir im Backstage-Bereich, dass das Niveau im Deutschen Fernsehen stark abnehme", erzählt Meyer, der sich nach dem Aus seines Behindertenprojekts von der sozialen Arbeit verabschiedete und seit nunmehr zehn Jahren als gelernter Personenschützer arbeitet. "Gottschalk ist viel tiefgründiger, als er im Fernsehen rüberkommt."

Wegen Britney Spears verdrängt

Man könne sich als Fernsehzuschauer gar nicht vorstellen, welche Logistik hinter solch einer gewaltigen Show stecke. Allein für die Unterbringung der Künstler, Techniker und Mitarbeitern seien hinter der Bühne rund 50 Container aufgereiht gewesen. "Unser Container stand wegen Grundlers Behinderung unmittelbar neben der Bühne. Dann kam aber Britney Spears, deren prachtvoll ausgestatteter Wohncontainer etwas weiter weg neben den Containern der anderen Stars stand. Weil sie näher an die Bühne ran wollte, haben sie uns rausgeschmissen und unsere Bleibe für Britney neu eingerichtet. Das hat mich schon geärgert."

"Für mich hatte diese gigantische Erfindung von Frank Elstner Weltklasseniveau. Obwohl so einfach gestrickt, hatte man früher die ganze Woche darüber geredet", erinnert sich Meyer. "Man musste diese Show einfach gucken, um hinterher mitreden zu können. So etwas kennt man heute gar nicht mehr." Warum dieser grandiose Erfolg damals? "Das lag an den vielen internationalen Gästen. Als die unter Markus Lanz, den ich auch sehr schätze, nicht mehr gekommen sind, war es vorbei."

Auch dem Weidener Alexander Grundler werden diese vier Tage immer in Erinnerung bleiben. "Heute noch danke ich Peter Meyer, dass er mir dieses Erlebnis ermöglicht hat. Für mich war das eine Art Persönlichkeitstraining, von dem heute noch zehre." Seine anfängliche Schüchternheit sei im Studio schnell verflogen. "Ich habe mich zügig an die Arbeitsabläufe dieser Produktion gewöhnt. Oft begannen die Arbeiten erst am späten Vormittag und dauerten meist bis tief in die Nacht hinein." Grundler saß als Lichtdouble für Armin Müller-Stahl und den Schlagzeuger der Joe-Cocker-Band neben Gottschalk auf der Couch. Was ihn besonders begeistert hat? Regisseur Alexander "Sascha" Arnz, der Perfektionist. Auch die Tatsache, dass die Ausstattung mit heutigen Maßstäben kaum mehr zu vergleichen sei. "Die Kulissen waren nicht nur irgendwelche LED-Leinwände, wie bei heutigen TV-Shows, sondern handwerklich hochwertig angefertigt. Die Herstellung zog sich in München auch über drei, vier Tagen hin."

"Ich erinnere mich noch, dass Gottschalk zwischen den Takes oft ganz locker auf den Stufen der Showtreppe saß und mit dem einen oder anderen - auch mit mir - freundliche Worte wechselte. Er war dem Team immer sehr zugewandt. In der Live-Sendung explodierte er aber dann mit seiner Spontanität und zog rhetorisch eine ganz andere Show ab als vorher bei den Proben. Eine Rampensau." Einmal habe Gottschalk zu ihm gesagt: "Weißt Du, wenn Du hier als Lichtdouble arbeitest, ist das gut so. Dein Handicap spielt dabei für mich nicht die geringste Rolle." Für Grundler bemerkenswert: "Zum damaligen Zeitpunkt gab es das Thema Inklusion noch gar nicht."

Hirschau

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