21.10.2020 - 14:59 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Kein Dornröschenschlaf in Burgklinik: Therapie soll mehr VIP-Patienten locken

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Vor einem Jahr öffnete die Vincera-Privatklinik auf Burg Wernberg ihre Pforten für betuchte Burn-Out-Patienten. Nun zieht Berthold Müller eine Zwischenbilanz. Mit der Auslastung ist der Geschäftsführer unzufrieden - Corona verhagelte die Bilanz. Ein neues Therapiekonzept soll nun die Wende bringen.

Seit einem Jahr ist in Burg Wernberg eine Burn-Out-Klinik für Privatpatienten untergebracht – hier ein Foto aus dem Frühjahr 2019. Am fehlenden Wellnessbereich liegt es nicht, warum betuchte Patienten ausbleiben, glaubt Geschäftsführer Berthold Müller.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Die Vincera-Privatklinik in der Burg Wernberg ist ein Jahr nach ihrem Start noch nicht voll ausgelastet. Von 25 Therapieplätzen für Patienten mit Depressionen sind aktuell 15 belegt, gibt Berthold Müller gegenüber Oberpfalz-Medien bekannt. Mit der Quote von 60 Prozent will sich der Geschäftsführer "natürlich nicht" zufrieden geben. "Wir sollten eigentlich bei über 20 Patienten liegen", sagt der 64-Jährige, der zugleich als Gesellschafter bei Vincera tätig ist.

Der Grund dafür sei aber nicht etwa in schlechtem Management oder in einem verfehlten Konzept zu suchen – Bedarf an Therapieplätzen auch für Privatpatienten gäbe es genug, glaubt Müller. Schuld an der schlechten Bilanz im ersten Jahr sei vor allem die Coronakrise, erklärt der Klinikenchef: "Unser Start war sehr gut. Wir hatten uns gut entwickelt und lagen sogar über den Planungen. Doch dann kam im März der Absturz."

Betten für Corona-Patienten

Gemeint ist damit vor allem die Allgemeinverfügung der bayerischen Staatsregierung, die auch die Vincera-Klinik in Wernberg-Köblitz dazu zwang, Betten für Corona-Patienten freizuhalten. "Alle medizinisch nicht dringend notwendigen Behandlungen wurden eingestellt und wir mussten an die ILA [Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz in Weiden, Anm.d.R.] unsere freie Bettenanzahl melden", berichtet Müller über den schweren Einschnitt. Nur acht Patienten waren in dieser Zeit überhaupt in der Burg. Obwohl es in der Klinik selbst nie einen Corona-Fall gab, seien viele Patienten verunsichert gewesen und von selbst abgereist – auch, weil der über die Medien bundesweit bekannte Corona-Hotspot Tirschenreuth nicht weit entfernt lag.

Wir bieten gerade für VIP-Patienten ein hervorragendes Konzept und eine exklusive Versorgung.

Berthold Müller, Vincera-Geschäftsführer

Berthold Müller, Vincera-Geschäftsführer

Durch die Coronakrise schrieb die Klinik mehrere hunderttausend Euro Verluste, der Freistaat half deshalb mit einer Ausgleichszahlung. Doch die Hilfe gab es nur widerwillig. "Wir mussten dafür kämpfen, erst als wir auch Abgeordnete eingeschaltet haben, haben wir Unterstützung bekommen", kritisiert Müller. Als Ende Juli die Verpflichtung zum Freihalten von Betten endete, konnte Vincera wieder "normale" Patienten aufnehmen. "Seitdem geht es aufwärts", sagt Müller. "Wir haben gelernt, besser mit dem Virus umzugehen." Auf der Burg gibt es ein umfangreiches Hygienekonzept und genügend Platz - die Hygieneregeln einzuhalten sei dort kein Problem. Auch von den 52 Mitarbeitern, darunter drei Ärzte, musste niemand entlassen oder in Kurzarbeit geschickt werden.

Fehlender Wellnessbereich

Dennoch vermuten manche, dass die Klinik besser ausgelastet sein könnte, gäbe es in der Burg einen Wellnessbereich mit Pool und Spa. Denn Vincera zählt vor allem ein gehobenes Privatkunden-Klientel wie Manager, Ingenieure oder Ärzte zu seiner Zielgruppe - und dort dürfte Wellness als Standard vorausgesetzt werden.

Darauf angesprochen, gibt sich Geschäftsführer Müller gelassen: "Wir haben eine wunderschöne Sauna im Keller. Zudem bieten wir gerade für das VIP-Klientel ein hervorragendes Konzept mit exklusiver Kulinarik." Damit spielt der 64-Jährige auf das gehobene Essen von Küchenchef Robert Morgan an, der zuvor jahrelang in Sternerestaurants gekocht hatte und nun die Burn-Out-Patienten auf der Burg versorgt.

Mehr Prominente als Zielgruppe

Auch die Dimension der Burg sei attraktiv, erläutert Müller: "Ein weiterer Pluspunkt ist die besondere Raumstruktur, die ihresgleichen sucht. Die meisten Patientenzimmer haben Suite-Größe, manche sind sogar mit einer kleinen Wohnung vergleichbar und liegen sehr abgeschieden." Dies ermögliche höchste Vertraulichkeit und werde gerade bei Prominenten geschätzt. Denn genau hier sieht der Vincera-Chef noch Potenzial. "Wir hätten gerne noch mehr VIP-Patienten auf der Burg, die auch bekannt sind."

Die in der Vincera-Zentrale in Offenburg von Medizinern neu entwickelte Ressourcenorientierte Erhaltungstherapie (RET) soll dazu ihren Beitrag leisten (siehe Infokasten). Mit der 12-monatigen RET, die in Wernberg-Köblitz als landesweites Pilotprojekt getestet wird, hat Vincera laut Müller einen klaren Wettbewerbsvorteil. Langfristig sollen damit auch mehr Patienten gewonnen werden.

Skiflug-Weltmeister Sven Hannawald als Vincera-Botschafter beim Physio-Training auf Burg Wernberg.

Wechsel auf Chefarzt-Posten

An der wissenschaftlichen Begleitung der neuen Therapie wirkt auch Interims-Chefarzt Alexander Knipel mit. Knipel hat den Posten von seinem Vorgänger Alexander Taube übernommen, weil dieser aus privaten Gründen umgezogen ist. "Ich gehe davon aus, dass wir im nächsten Jahr eine finale Besetzung haben werden", sagt Berthold Müller zu den Personalwechseln auf dem Chefarzt-Posten.

Der 64-Jährige hofft nun, dass sich der Trend zu mehr Patienten, wie es ihn seit dem Sommer gibt, weiter fortsetzt. Doch die Corona-Lage verschärft sich aktuell wieder drastisch. Eine erneute Verfügung, Bettenkapazitäten frei zu halten, würde die Burgklinik schwer treffen. Müller bereitet dies Sorgen: "Diese Teilchen, die in der Luft sind, machen uns das Leben schwer."

Sebastian Wächter ist als Mentaltrainer für Burn-Out-Patienten Teil der neuen RE-Therapie in der Vincera-Klinik Burg Wernberg.

Im Herbst 2019 bekam die Burg Wernberg eine neue Funktion als VIP-Klinik

Wernberg-Köblitz
Ressourcenorientierte Erhaltungstherapie (RET):

Neue Depressions-Therapie als Pilotprojekt in Wernberg

Seit September läuft in der Vincera-Klinik auf Burg Wernberg die erste Pilotphase für eine neue Therapie gegen Depressionen. Laut Vincera-Geschäftsführer Berthold Müller ist die sogenannte Ressourcenorientierte Erhaltungstherapie (RET)„innovativ und in dieser Form einmalig in Deutschland“. Neu ist, dass in die Behandlung Coaching-Elemente integriert werden, die mit der eigentlichen Therapie nichts zu tun haben. Burn-Out-Patienten werden so nach der sechs- bis achtwöchigen stationären Behandlung weiter begleitet durch wöchentliche Sitzungen und Coachings, wofür der Patient zwei Tage lang in die Klinik zurückkehrt. So soll erreicht werden, dass geheilte Patienten, die in ihren Alltag und die Berufswelt entlassen werden, nicht neue Krankheitssymptome entwickeln und die Rückfallquote niedrig bleibt.

Die RET-Therapie kommt nur für ausgewählte Patienten infrage, da sie mit einer vergleichsweise langen Dauer von zwölf Monaten hohe Motivation und Durchhaltevermögen erfordert. Am Pilotprojekt in der Burg Wernberg nehmen aktuelle fünf Patienten teil. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und nach Abschluss ausgewertet. Die Ergebnisse sollen dann auf alle Vincera-Kliniken angewendet werden.

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