30.08.2020 - 12:57 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

"Kunst am Trafo" macht Schluss mit tristem Grau

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Hässlich und grau: Dieses Bild von Trafo-Häuschen bekommt Risse. Einige Exemplare im Landkreis Schwandorf haben sich längst zum Hingucker gemausert. Ihre Schönheit hat auch eine Schutzfunktion.

Der Trafo-Turm in Wernberg ist seit vier Jahren gleichzeitig ein Denkmal für das Kommunbrauhaus, das bis 1958 gegenüber im Kellerweg stand.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Ein großes Loch in der Wand gibt den Blick frei auf einen Braumeister, der im großen Kessel umrührt. Doch die schadhafte Wand ist nur aufgemalt, genauso wie der bunte Rest. Vor vier Jahren waren am Trafo-Häuschen im Kellerweg von Wernberg-Köblitz Sprayer am Werk, ganz offiziell, bestellt von der Bayernwerk AG. Seither erinnert das Funktionsgebäude an ein Kommunbrauhaus, das bis 1958 gegenüber seinen Platz hatte. Es illustriert damit ein Stück Lokalgeschichte, die ohne die "Kunst am Trafo" leichter in Vergessenheit geraten würde.

1310 Trafo-Stationen

Genau 1310 Trafo-Stationen gibt es im Landkreis, darunter 541 sogenannte Turmstationen wie das Bauwerk in Wernberg. Die meisten fallen kaum auf, aber es gibt auch im Landkreis einige, die sich zu einer Schönheit gemausert haben - und nebenbei Werbung für kulturelle Besonderheiten machen. "Die meisten sind keine Türme, sondern sehen eher wie kleine Bushäuschen aus", beschreibt Bayernwerks-Pressesprecher Michael Bartels die "unbestritten notwendigen" Stationen zur Stromeinspeisung. Die gemauerte Variante ist dabei ein Auslaufmodell. "Inzwischen werden kompakte Häuschen mit dem 130-Tonnen-Tieflader an den Standort gehoben", so der Pressesprecher.

Ohne Turm, aber ebenfalls mit viel Farbe präsentiert sich das Trafo-Häuschen im Schwandorfer Ortsteil Fronberg. Die raffinierte Bildaufteilung ermöglicht es dort, gleich zwei Szenen in den Fokus zu rücken: einen Panoramablick auf den Schwandorfer Marktplatz und einen Ausschnitt aus dem Felsenkeller-Labyrinth, dargestellt auf scheinbar halb übereinander liegenden Seiten eines Buches. Das Bild an der schmäleren Wand verweist auf den Blasturm und einen berühmten Sohn der Stadt: Konrad Max Kunz, Komponist der Bayernhymne.

Offen für Wünsche und Ideen

Welche Trafo-Stationen sich für so eine Schönheits-Operation qualifizieren, hängt von verschiedenen Aspekten ab. "Da gibt bauliche und künstlerische Kriterien", berichtet Bayernwerk-Mitarbeiter Bartels. Infrage kommen Bauwerke, bei denen ohnehin ein Umbau ansteht. Ein prominenter Standort ist ein Faktor, aber auch die Wünsche der Kommune zählen. Anlass kann ein Stadtjubiläum sein oder eine bestimmte Jahreszahl. "Manchmal kommen wir mit Vorschlägen auf Bürgermeister zu", informiert Bartels. "Wir haben so etwas auch schon mal über eine Plattform verlost." Letztlich ist es wohl auch Verhandlungssache, welches Objekt in den Genuss von "Kunst am Trafo" kommt.

Mehr zum Klöppel-Trafo in Schönsee

Schönsee

Bei der künstlerischen Gestaltung habe das Bayernwerk gute Erfahrungen mit einer Potsdamer Firma gemacht: Auf das Konto von Art-EFX geht auch das bunte Gesicht der Trafostationen in Schwandorf und Wernberg. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt dabei auf der Sprühdose. "Art-EFX malt kein Graffiti im klassischen Sinne, sondern nutzt die Sprühdose nur als Werkzeug", heißt es auf der Homepage der Firma, die in ihre Signatur auch ein Chamäleon eingefügt hat. Die Kosten für die Bemalung trägt das Bayernwerk, in der Regel handelt es sich dabei um einen "höheren vierstelligen Betrag".

Ganz andere Wege geht man in Schönsee, wo die Technik sich längst einen anderen Schnittpunkt gesucht hat: Aus dem alten Trafo in der Böhmerwaldstraße ist auf Initiative der Stadt ein "Klöppel-Trafo" geworden. Darauf verweist nicht nur eine gläserne Front mit Klöppelspitze, auch das Innenleben trägt dem Immateriellen Weltkulturerbe Rechnung. Garn statt Kabel ziert den Ausstellungsraum mit seinen vier 1,50 Meter breiten Kojen. Corona hat die Ausstellungseröffnung allerdings etwas ausgebremst.

Während diese Prachtexemplare einer Kombination von Kunst und Technik bewundernde Blicke ernten und Zulauf bekommen, geht beim Bayernwerk der Trend eher zu kompakteren Anlagen wie die Intelligente Ortsnetzstationen (IONS). "Da muss gar kein Techniker mehr hin, da kann alles ferngesteuert von der Netzleitstelle aus gewartet werden", beschreibt der Pressesprecher die Vorteile der neuen Generation, die nicht so stark ins Auge fällt.

Schutz vor Vandalen?

Immerhin, das Facelifting der Trafostationen im Landkreis sieht auch nach ein paar Jahren noch ganz frisch aus. Ob es auch vor weniger professionellen Künstlern mit Sprühdosen schützt? Die Mitarbeiter der Potsdamer Firma sind da zuversichtlich. "Die langjährige Erfahrung zeigt erfreulicherweise, dass die Graffiti-Szene unsere Arbeit respektiert und schätzt", heißt es dort. "Eine Garantie können wir jedoch nicht geben."

Hintergrund:

"Kunst am Trafo"

Trafostationen sorgen für den reibungslosen Netzbetrieb und den Transport des Stroms. Seit Jahren präsentieren sich einige Trafos nicht mehr nur als technisches, sondern auch als künstlerisches Meisterwerk. Die Bayernwerk AG stützt sich dabei auf die Expertise der Potsdamer Firma "Art-EFX". In Abstimmung mit ausgewählten Kommunen erarbeiten die Künstler und Netzbetreiber individuelle Konzepte. Jedes Jahr kommen neue Kunstwerke hinzu. Einen Eindruck über die Vielfalt an Möglichkeiten gibt es auch unter www.bayernwerk.de. "Kunst am Trafo" soll dabei ein Gemeinschaftsprojekt sein, das stellvertretend für die partnerschaftliche Zusammenarbeit des Bayernwerks mit den Kommunen im Netzgebiets steht.

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