05.08.2019 - 17:30 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Letztes Aufbäumen der Windkraft?

Zügig sind bei Feistelberg drei Betontürme durch die Bäume gewachsen: Im Herbst sollen die Windräder ans Netz gehen. Es ist das einzige Windkraftprojekt, das derzeit im Landkreis und wohl auch in ganz Bayern realisiert wird.

Noch in diesem Jahr sollen die Windräder auf dem Feistelberg – im Bild einer der drei Türme – ans Netz gehen.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Irgendwie gewinnt man den Eindruck, dass die Marktgemeinde Wernberg-Köblitz gegen den Strom schwimmt. Hehre Klimaschutzziele der Politiker, Friday-for-Future-Demos: Die Realität sieht anders aus. Die 10-H-Regelung hat die Windkraft in Bayern ausgebremst. Neben den ohnehin großen Tabu-Vorrangflächen für Mensch und Natur hat das Land Bayern bekanntlich eine weitere Hürde gesetzt. Artikel 82 der Bayerischen Bauordnung schreibt seit Ende 2014 vor, dass Windräder einen Abstand ihrer zehnfachen Höhe zu Siedlungen halten müssen. In Zahlen heißt das: Bei 200 Meter hohen Windrädern muss ein Abstand von zwei Kilometern Abstand eingehalten werden.

Bebauungsplan aufgestellt

Als kleine Nische hat der Freistaat den Kommunen die Freiheit gelassen, selbst Bebauungspläne aufzustellen, um in ihren Gebieten Windkraft zu ermöglichen. Das hat die Marktgemeinde Wernberg-Köblitz getan. Zum einen, um durch regenerative Energien den in der Kommune über dem Landesdurchschnitt liegenden Co2-Ausstoß zu senken, und zum anderen, um die planerischen Vorgaben in der Hand zu haben. So konnte Windkraft dort konzentriert werden, wo die Gemeinde und Planer es für sinnvoll hielten. Die Grundstücksbesitzer zogen mit. Es gab eine Infobörse des Planers Voltgrün, Auslegungen, Bürgerbeteiligungen, Genehmigungsverfahren. Im Januar unterzeichneten dann die Vorstände des Energieversorgungsunternehmens Rewag den Kaufvertrag zusammen mit den Voltgrün-Geschäftsführern.

Je 3600 Kilowatt

Für die Rewag ist es das zweite Projekt. Bereits im Spätsommer 2015 wurde ein Windpark bei Deindorf (Wernberg-Köblitz) mit zwei Anlagen in Betrieb genommen. Das neue Projekt auf dem Feistelberg ist ebenso vom Typ Nordex N 131. Die Nabenhöhe beträgt 134 Meter, die elektrische Leistung je 3600 Kilowatt. Die Investitionskosten belaufen sich auf über 20 Millionen Euro.

Laut Christian Anwander, einer der Voltgrün-Geschäftsführer, hat Ventur im Frühjahr mit dem Bau im Areal an der Grenze zum Nachbarlandkreis Neustadt/Waldnaab begonnen. Anfang August werden die drei Türme stehen. Ende August/September folgen die restlichen Teile, Rotorblätter und Kanzel. Im Oktober/November sollen die Anlagen ans Netz gehen. Zehn Tage läuft der Probebetrieb. Windhöfigkeit und Genehmigungsverfahren: "Es hat gepasst", fasst Anwander zusammen. "Jeder wusste über das Projekt Bescheid, es wurde offiziell vorgestellt, die Pläne lagen aus". Es habe keine Einsprüche gegeben.

Elf im Landkreis

Laut Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamtes, sind im Landkreis derzeit fünf Anlagen in Pamsendorf (Stadt Pfreimd) , eine in Penting (Neunburg vorm Wald) und zwei in Deindorf (Wernberg-Köblitz) am Netz. Zusammen mit den drei Türmen, die sich derzeit auf dem Feistelberg im Bau befinden, gibt es im Landkreis dann elf Windräder.

Seines Wissens ist derzeit auch nichts Neues geplant, meint er zu Bestrebungen, die hinsichtlich einer Anlage in Woppenhof im Gespräch waren. Bedingt durch 10-H seien die Spielräume sehr gering geworden. Es gebe Veränderungen in der EEG-Förderung und Ausschreibungsverfahren, in welchen sich Projektanten um Fördermittel bewerben müssten. Effizienz und Windhöffigkeit seien ausschlaggebend. Anlagen an der Nordsee hätten da wohl die besseren Karten. Christian Anwander sieht darin nicht das Problem. Die Mittel seien da. Doch Projekte würden erst gar nicht eingereicht, da die infrage kommenden Flächen extrem geschrumpft seien und sehr viele Vorhaben beklagt würden. Die andere Seite der Medaille zeigen Voltgrün und Rewag am Beispiel Feistelberg auf. Der Windpark wird voraussichtlich eine Strommenge von etwa 26 Millionen Kilowattstunden im Jahr erzeugen. Das entspricht dem Jahresbedarf von rund 7300 Einfamilienhäusern. Mit der regenerativen Energie werden 13 500 Tonnen Co2 im Jahr eingespart.

Info:

Historischer Tiefpunkt

Christian Anwander, einer der Geschäftsführer der Regensburger Firma Voltgrün, bezieht sich auf die Bilanz des Bundesverbandes Windenergie. Im ersten Halbjahr 2919 wurden in Deutschland so wenige Windräder gebaut wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. 86 Anlagen sind neu hinzu gekommen – ein Rückgang von 82 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Abzüglich der zurückgebauten Windräder ist die Zahl der Neuanlagen auf 35 zusammengeschrumpft. Ein historischer Tiefpunkt. In Bayern komme weniger als ein Prozent Fläche infrage, und „es wird sehr viel beklagt“: Bundesweit aktuell mehr als 300 Windräder aus Gründen des Natur- und Artenschutzes.

Noch in diesem Jahr sollen die Windräder auf dem Feistelberg – im Bild einer der drei Türme – ans Netz gehen.
Noch in diesem Jahr werden die Windräder auf dem Feistelberg – im Bild einer der drei Türme – ans Netz gehen.
Das Material wurde zügig angeliefert. Der Bau der Betontürme ging flott voran.
Das Material wurde zügig angeliefert. Der Bau der Betontürme ging flott voran.
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