23.01.2020 - 19:41 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Windpark mit Vorbildfunktion

Der Windpark Feistelberg ist für Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ein "Vorzeigemodell für ganz Bayern". Bestenfalls sollen weitere Gemeinden dem Beispiel von Wernberg-Köblitz folgen, wie er beim Ortstermin zu verstehen gegeben hat.

Beim Ortstermin von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger im Windpark Feistelberg entwickelte sich eine rege Diskussion unter den Anwohnern.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Die 10-H-Regelung, die den Abstand eines Windrads zur Bebauung festlegt, steht der Energiewende oftmals im Weg. Denn es ist gar nicht so leicht, einen Platz für die etwa 200 Meter hohen Energielieferanten zu finden, der alle nötigen (Abstands-)Kriterien erfüllt. Der Markt Wernberg-Köblitz hat diese Problematik eine eigene, kommunale Bauleitplanung entgegengesetzt und somit den Windpark Feistelberg ermöglicht, der drei Windräder in Betrieb hat. Sie liefern je 3600 Kilowatt Strom.

Die nächste Bebauung liegt etwa 900 Meter entfernt. Wäre die 10-H-Regelung in Kraft, müssten es aber etwa 2000 Meter sein, also das zehnfache der Höhe eines Windrades. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zeigt sich beim Ortstermin beeindruckt: "Ein Vorzeigemodell für ganz Bayern."

Zum Bau des Windparks Feistelberg

Wernberg-Köblitz

Aiwanger will's wissen

Deswegen wollte es Aiwanger ganz genau wissen: Wie sind die Windräder aufgebaut? Inwiefern nimmt die Windrichtung Einfluss auf die Lautstärke? Besteht erhöhte Gefahr für Vögel oder Fledermäuse? Toni Frank von der Firma Voltgrün, die den Windpark geplant hatte, erklärte, dass die Einhaltung des Artenschutzes ein festes Kriterium sei. Ein Storch und vermutlich auch schon kleinere Vögel seien Opfer der Windräder geworden, durch Schutzmaßnahmen halte sich die Zahl aber in Grenzen. Einer der Bürger fragte, wie es um den Brandschutz stehe. "Brennt dann der ganze Wald ab?" Auch dafür hatte Frank eine Antwort parat, die den Bürger zufrieden stellte: "Die Feuerwehr würde direkt verständigt werden und das Windrad kontrolliert abbrennen."

Keine Änderung der 10-H-Regel

Die 10-H-Regelung zu ändern, sei nicht in Aussicht, sagt Aiwanger. Sein Wunsch wäre es aber, dass die Gemeinden die kommunale Planung in Anspruch nehmen. Eine finanzielle Entschädigung in Form eines Windbürgergelds hält er nicht für die Lösung. Die Bürger würden ja von dem erzeugten Strom profitieren.

Im Blickpunkt:

Rückhalt der Anwohner bröckelt

Natürlich muss bei einem Windparkprojekt, das kommunal geplant wird, der Rückhalt der Bürger da sein, die so gesehen auf ihren 10-H-Abstand verzichten. In Wernberg-Köblitz war das kein Problem. Im Nachhinein jedoch werden hier und da Stimmen von Bürgern laut, die sich gestört fühlen von dem Wummern der Rotorblätter.

Ihrem Ärger machen sie beim Besuch des Ministers Luft. Einem Mann aus Glaubenwies geht der Lärm auf die Nerven. „Ich bin nicht grundsätzlich gegen Windräder, aber wir waren zuerst da.“ Nach seiner Ansicht hätte der Abstand größer sein müssen. „Aber von irgendwas müssen wir doch leben. Atomkraft wollen wir ja auch nicht“, entgegnet ein anderer Anwohner. Egoistisch findet Werner Stich aus Wernberg-Köblitz das Verhalten derer, die über die Windräder schimpfen. „Die Leute sind heute gegen alles. Niemand will vor der eigenen Haustüre etwas machen.“ Aiwanger ist neugierig, wie so eine Bebauung mit 900 Metern Abstand wirkt: Mit dem genervten Glaubenwieser macht er aus, gleich noch bei ihm vorbeizufahren.

Das sagt Aiwanger zum Besuch in Glaubenwies

Wernberg-Köblitz
Eines der Windräder des Windparks.
Ein Blick ins Innere.
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