29.11.2020 - 15:29 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Tierquäler? Landwirt spricht über Vorurteile in der Gesellschaft

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Landwirte verschmutzen die Umwelt und quälen Tiere. Das alles sind Vorurteile, die Franz Baierl, Landwirt aus Kötschdorf bei Wernberg Köblitz, so nicht stehen lassen will. Er wünscht sich den Dialog mit den Kritikern.

Ferkel wie auf dem Bild sind das Geschäft von Franz Baierl. Der Landwirt aus der Nähe von Wernberg-Köblitz wehrt sich gegen die Vorurteile, die aus der Gesellschaft kommen.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Franz Baierl ist Landwirt aus Überzeugung. Dabei hat er sich immer als Teil der Gesellschaft gesehen, für die er seine Arbeit verrichtet. Heute aber geht es Baierl wie wohl den meisten Landwirten. Er leidet unter sozialen Vorurteilen, bei denen Landwirten so ziemlich für alles der schwarze Peter zugeschoben wird. Baierl war sich lange nicht sicher, ob er über das Problem überhaupt öffentlich sprechen sollte. "Ich bin eigentlich eher der Typ, der im Hintergrund bleibt", sagt er. Er fürchtet, dass es - egal, was er sagt - am Ende nur heißen könnte, dass Landwirte Tiere quälen, die Umwelt verschmutzen und sonst allerlei Gaunereien im Schilde führen würden. "Wir haben viel untereinander geredet. Und ich habe das Gefühl, dass wir Landwirte uns nach außen immer mehr abgeschottet haben." Auch Baierl hatte Bedenken, an die Öffentlichkeit zu gehen. Er entscheidet sich dazu, mit unserer Redaktion über die Lage zu sprechen. Dabei ist ihm eine Sache wichtig: Er möchte denen, die die Landwirtschaft kritisieren, keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil: Er wünscht sich, dass beide Seiten offen aufeinander zugehen und miteinander reden.

Landwirte brauchen Dialog

Baierl ist konventioneller Schweinehalter. Er züchtet Ferkel, die er dann weiterverkauft. "Ich bin davon überzeugt, dass es unseren Schweinen gut geht", sagt er. Die Tiere liegen ihm am Herzen, er ist auch abends oder nachts bei ihnen, wenn eines davon krank ist. "Die Menschen in der Bevölkerung haben leider häufig ein völlig falsches Bild von uns und unserer Arbeit", sagt er. Ein Problem sieht er darin, dass praktisch jeder über die Landwirtschaft spricht, die wenigsten aber wissen, wie sie konkret funktioniert. "Ich will nicht ausschließen, dass es auch bei uns ich der Branche schwarze Schafe gibt. Die gibt es überall", sagt er. Das Letzte aber, was er und der überragende Großteil seiner Kollegen wollen, ist, die Umwelt zu zerstören. "Wir leben ja selbst von der Umwelt", sagt Baierl.

Als Beispiel nennt er die Diskussion um die Nitrat-Werte im Grundwasser. "Ich gebe Brief und Siegel, dass sich 98 Prozent der Landwirte penibel daran halten, die Richtlinien einzuhalten. Aber es gibt dann wohl einen kleinen Prozentteil, der sich nicht an die Gesetze hält", sagt er. Dass darin ein klares Fehlverhalten liegt, daran lässt Baierl keinen Zweifel. Warum deshalb aber gleich alle über einen Kamm geschert würden, kann er nicht nachvollziehen.

Ihm zufolge braucht es die Möglichkeit, dass Landwirte mit der Gesellschaft sprechen und gehört werden. Baierl: "Wir brauchen etwas, worüber wir uns nach außen darstellen können. Wir haben gemeint, wir können einfach produzieren und haben dabei vergessen, mit den Leuten über unsere Arbeit zu kommunizieren." Gleichzeitig hat er aber auch das Gefühl, dass es die Menschen außerhalb der Landwirtschaft in der jüngeren Vergangenheit kaum interessiert hat, was dort passiert.

Landwirte machen Regeln nicht

Die Ferkelzucht in Bayern ist auf dem Rückzug. Sowohl die Coronakrise als auch besonders der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest haben die Erzeuger massiv unter Druck gesetzt. Betriebe werfen reihenweise das Handtuch. Auch Baierl hat mir diesen Problemen zu kämpfen, seine Ferkel sollen aber auf keinem Fall darunter leiden. Er sagt: "Wenn es unseren Schweinen nicht gut geht, dann könnten wir mit ihnen auch kein Geld verdienen." Die Spielregeln für den Verkauf können die Schweinezüchter aber nicht selbst festlegen, sondern sind den Gesetzen des Markts unterworfen - der Preis basiert auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Baierl ist davon überzeugt, dass sich seine Tiere bei ihm wohl fühen. Mehr tun, damit es den Schweinen noch besser gehe, könne man natürlich. Baierl wäre dem alles andere als abgeneigt. Er spricht von Wohlfühloasen und mehr Auslauf. Das Manko: "Das ist aber bei den aktuellen Preisen in keinster Weise durchsetzbar", sagt der Landwirt und fügt an: "Ich würde meiner Sau gerne 20 Quadratmeter Auslauf zu geben." Die Frage letztlich sei, ob Verbraucher auch dazu bereit wären, langfristig dafür mehr für ihr Fleisch zu bezahlen. "Diese Mehrkosten, wenn ich einen Stall plane und mir dann hinstelle, die habe ich ja nicht nach nur einem Jahr verdient. Ich bräuchte eine Abnahmesicherheit zum höheren Preis von mindestens 15 oder vielleicht sogar 20 Jahren. Aber das bietet mir keiner", sagt Baierl.

Landwirte brauchen Verbraucher

Er ist skeptisch, ob die Verbraucher sich dann auch tatsächlich für das teurere Produkt entscheiden würden. Zumal die Branche nie sicher davor sei, dass Fleisch aus dem Ausland den Markt überschwemmt und damit den Preis drückt. "Aktuell haben wir durch die Coronapandemie und die Afrikanische Schweinepest ein großes Problem. Es werden immer wieder Ferkel geboren, weil die Mutterschweine vor Monaten gedeckt wurden. Wenn wir die Ferkel nicht verkaufen können, wissen wir nicht, was wir damit tun sollen", sagt Baierl.

Die Lösung, die Tiere zu töten und zu entsorgen, ist für Baierl keine. Die trächtigen Mutterschweine kann er natürlich nicht dazu zwingen, mit dem Werfen aufzuhören. "Ich glaube, das ist auch ein Punkt, den die Menschen in der Bevölkerung oft gar nicht wahrnehmen. Das Letzte, was ich will, ist, ein Tier großzuziehen, das ich am Ende in die Tierkörperbeseitigung fahren muss,", sagt Baierl.

Baierl zufolge wäre auch eine Umstellung auf Bio-Schweinehaltung keine wirkliche Alternative. Nur für rund ein Prozent aller Schweine in Bayern gibt es einen Markt, der Bioprodukte abnimmt. "Wenn wir das wirklich alle machen sollten, müsste sich der Verbrauch massiv ändern", sagt er. Denn Bio-Fleisch im Supermarkt werde unter Produktionswert verkauft. Bio-Landwirtschaft rechne sich nur durch die Bezuschussung von staatlicher Seite. Ebenfalls ein Punkt, von dem Baierl glaubt, dass nur wenige Menschen darüber Bescheid wissen. Die Wahrnehmung der Verbraucher müsse sich ändern. Baierl: "Fleisch gilt als alltägliches Lebensmittel. Das Bewusstsein ist da gar nicht so ausgeprägt. Der Verbraucher kauft in der Regel das günstigste Angebot."

„Ich glaube, das ist auch ein Punkt, den die Menschen in der Bevölkerung oft gar nicht wahrnehmen. Das Letzte, was ich will, ist, ein Tier großzuziehen, das ich am Ende in die Tierkörperbeseitigung fahren muss.“

Franz Baierl, Landwirt und Ferkelzüchter

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Landwirte als Dienstleister

Baierl versteht sich als Dienstleister, der das macht, was die Gesellschaft von ihm erwartet. Er hofft, dass sich die verhärteten Linien zwischen Landwirten und ihren Kritikern dadurch abbauen lassen, dass beide Seite aufeinander zu gehen, miteinander reden und die tatsächlichen Umstände nicht ignorieren.

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