Wernberg-Köblitz
04.10.2019 - 11:00 Uhr

Waaghäuserl macht Platz

Kein Bedarf: Das sanierungsbedürftige Waaghäuserl in Damelsdorf hat ausgedient. Der Marktgemeinderat stimmt einem Abbruch zu. Schon wenige Tage später ist das Bauwerk aus dem Ortsbild verschwunden.

Wie in vielen anderen Dörfern stand an dieser Stelle in Damelsdorf ein Waaghäuserl. Der Abriss, den erst vor wenigen Tagen der Marktrat gebilligt hat, ist auch ein Symbol für die Veränderungen in der Landwirtschaft. Bild: bl
Wie in vielen anderen Dörfern stand an dieser Stelle in Damelsdorf ein Waaghäuserl. Der Abriss, den erst vor wenigen Tagen der Marktrat gebilligt hat, ist auch ein Symbol für die Veränderungen in der Landwirtschaft.

Das Waaghäuserl in Damelsdorf ist kein Einzelfall. Viele dieser meist mit einem kleinen Schuppen überbauten Einrichtungen sind in den vergangenen Jahren verschwunden, die meisten schon lange nicht mehr im Gebrauch, wenn die letzten Spuren aus dieser Ära der Landwirtschaft verschwinden. Ähnlich wie bei so manchem Brauhaus ist dabei mehr als nur ein Eigentümer zu hören. Neun Grundstückseigentümer aus Damelsdorf hatten den Markt Wernberg-Köblitz um Zustimmung gebeten, das marode Bauwerk abzubrechen. Sie wollten dies auch in Eigeninitiative bewerkstelligen.

Daraufhin wurden alle 19 Grundstückseigentümer im Dorf angeschrieben. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Markt grundsätzlich mit dem Abbruch des Häuschens einverstanden ist, das Grundstück gehört ohnehin der Gemeinde. Denn auch seitens der Verwaltung sah man für die Waage keinen Bedarf. Bis zum 13. September wurde den Grundstückseigentümern Gelegenheit gegeben, Einwände gegen den Abbruch vorzubringen. Bei der Marktratssitzung ging man davon aus, dass dem Markt keine Kosten für den Abbruch entstehen, und so stimmte das Gremium einstimmig dafür. Wenige Tage später war der Abriss erledigt.

Dorfwaagen wie die in Damelsdorf waren früher weit verbreitet, ein Teil ist allerdings bereits Ende des 20. Jahrhunderts verschwunden. Die öffentlichen Waagen dienten dazu, Ernteerträge abzuschätzen oder das Vieh beim Verkauf zu wiegen. Letzteres erfolgt längst in den Schlachthäusern. Meist handelte es sich bei der Wiegeplattform um Holzbohlen auf einer Eisenrahmenkonstruktion. Um diese Konstruktion vor Witterungseinflüssen zu schützen, wurde über den Anlagen oft ein kleiner, hölzerner Schuppen errichtet. Vielerorts gab es ehrenamtlich tätige vereidigte Personen, denen die Aufgabe des Wiegens übertragen wurde, sogenannte "Wäger". Im Abstand von zwei Jahren kontrollierte das Eichamt, ob die Gewichtsangaben auch mit den gültigen Norm-Maßen übereinstimmen. Rentabel waren solche Waagen in ihrer Endphase kaum. Meist wurden nur Kleinbeträge fürs Wiegen verlangt, die in keinem Verhältnis zu den Instandhaltungskosten standen. Mit der Zentralisierung der Landwirtschaft hatte das System ohnehin ausgedient.

Nur wenige Waaghäuschen retten sich mit einem musealen Status in die neuen Zeiten. Eine Einrichtung, die das geschafft hat, ist das Waaghäuserl von Krimling (Markt Schwarzhofen). Ein Denkmalpflegeverein hate sich dafür stark gemacht. Tatsächlich ist es vor zwei Jahren gelungen, dem Waaghäusl den Status eines Baudenkmals einzuräumen. Das Häuschen in Krimling gehöre "zu den letzten Viehwaagen der bäuerlich-ländlichen Kulturlandschaft in Bayern und der Viehwirtschaft in der Oberpfalz" und sei damit Zeuge der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte in Bayern und im Bezirk, hieß es bei der offiziellen Anerkennung durch das Landesamt für Denkmalpflege.

 
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