26.08.2021 - 18:10 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Winterlinde mit einer Säge amputiert: Dorfkreuz-Restaurierer sind fassungslos

Alois Meller ist traurig: So viele Menschen helfen ihm unentgeltlich bei der Restaurierung des Oberköblitzer Dorfkreuzes. Am alten Standort war es eingerahmt von einer Winterlinde. Ein Unbekannter hat die Säge angesetzt.

Dicke Äste lagen am Boden. Ein unbekannter Täter hat mit einer Säge die Winterlinde neben der Oberköblitzer Kirche verunstaltet.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Schwere Äste mit zehn Zentimeter Durchmesser liegen neben der Winterlinde am Aufgang zur Kirche St. Emmeram, ebenso auf der Wiese am Dorfbrunnen, wo das restaurierte Dorfkreuz seinen neuen repräsentativeren Platz finden soll. Ein bisher unbekannter Täter hat die Linde, die Alois Meller einst gepflanzt hat, auf einer Seite amputiert.

Warum? "Vermutlich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Dorfkreuzes beim Friedhof in Oberköblitz" steht im Pressebericht der Polizeiinspektion Nabburg. Ein bisher nicht bekannter Täter sägte mehrere Äste eines Baumes in der Friedhofstraße ab. Den Tatzeittraum grenzt die Polizei auf die Stunden zwischen Montag, 18 Uhr, und Dienstag, 7.45 Uhr ein. Der Sachschaden am verunstalteten Baum wird auf 500 Euro beziffert.

Der Geburtstagsbaum

"Wer macht so was?", fragt sich Alois Meller. Markante Geburtstage, Jahrestage feiert er. 1997, als er 50 Jahre alt wurde, pflanzten er und Alois Leitl je einen Baum, um das historische Kirchenensemble, Aufgang und Kriegerdenkmal aufzuwerten. Alois Mellers Winterlinde hat schon eine stattliche Größe. "Sie kostete damals 1200 D-Mark", erinnert er sich. Inzwischen ist daraus ein prächtiger Baum geworden. Neben ihm stand bis vor kurzem das alte Oberköblitzer Dorfkreuz.

Alois Meller kümmert sich um die Restaurierung. Er nimmt seinen 75. Geburtstag im April nächsten Jahres zum Anlass. Meller möchte das alte Kreuz, über dessen Geschichte kaum etwas bekannt ist, erhalten. "Für die Restaurierung ist es eigentlich schon fünf nach zwölf", erzählt er und zeigt auf die schadhaften Stellen. Zwei Holzfiguren, der Herrgott und Maria, zieren das Kreuz, über beiden wölbt sich zum Schutz vor Wind und Wetter eine Haube aus Blech. Die Farbe der Figuren ist ausgeblichen, das Holz rissig, die Inschrift platzt ab.

Kreuz und Gedenkstein

Alois Meller hat vor, das Kreuz zu versetzen und es auf den Dorfplatz mehr in den Mittelpunkt zu rücken, sichtbar zu machen. Im Boot ist auch der Obst- und Gartenbauverein, dessen Gedenkstein zum 75-jährigen Bestehen in der öffentlichen Grünanlage beim Gasthaus Zehentbartl inzwischen unter Bodendeckern verschwunden ist. Er soll neben dem Kreuz einen gefälligeren Platz finden. Kreuz und Gedenkstein auf der leicht ansteigenden Wiese, der Dorfbrunnen, vielleicht noch ein Bankerl - das wird den Platz aufwerten.

Das alles kostet auch Geld. Alois Meller hatte eine Idee: Im Wahlkampf hatte er Landrat Thomas Ebeling zu Terminen gefahren. Einen Teil seines Gehalts spendete er vor kurzem der Kinderkrebshilfe Ostbayern. Der 74-Jährige, der mit seiner eigenen Krebserkrankung offen umgeht, wollte damit "denjenigen helfen, die es am meisten brauchen", den Kindern. Er ist heute noch ganz überwältigt von dem Zuspruch, den er auf seine Spendenaktion hin erfuhr. So mancher folgte Mellers Beispiel.

Von dem Fahrer-Gehalt ist noch etwas übrig. Dieses Geld soll in das Dorfkreuz-Projekt fließen. Dafür konnte er Freunde begeistern: Erwin Hartinger und Albert Wildenauer, die ohne viel Aufhebens und ehrenamtlich die Gemeinde unterstützen, beispielsweise bei der Restaurierung des "Missionskreuzes" im Wernberger Friedhof. Paul Neblich, Josef Birner und Werner Fischer vervollständigen das Quintett. In einer Gemeinschaftsaktion wurde das Kreuz abgebaut. Helmut Egl, für seine Schnitzkunst bekannt, besserte so manche Stelle nach und Reinhold Hauer aus Trausnitz macht sich nun an die fachmännische Restaurierung der Figuren.

Offene Türen fand Meller auch bei Bürgermeister Konrad Kiener und Wolfgang Geitner vom Bauamt, als es um die Versetzung des Kreuzes und die Gestaltung der Anlage ging. Für das neue Kreuz schlugen sie widerstandsfähiges Douglasienholz vor. Die Gemeinde hätte auch die Rechnung übernommen, doch es kam anders. Förster Simon Schmidt spendierte zwei Bäume, Hans Zitzler, genannt "Zitz", zog sie mit seinem Schlepper vom Eixlberg und auch der Zuschnitt bei Franz Piehler in Kemnath am Buchberg war umsonst. "Soviel Entgegenkommen, das wird mir langsam unheimlich", meint Alois Meller gerührt.

Man hat sich auch Gedanken über das alte Kreuz gemacht. Es wird nicht entsorgt, sondern am angestammten Platz wieder aufgebaut. Hier soll eine Gedenktafel mit Bildern und Sterbedaten von im Zweiten Weltkrieg Gefallenen aus der Pfarrei angebracht werden - eine Ergänzung zum Ehrenmal.

So viel Hilfe auf der einen Seite, dann die unverständliche Tat auf der anderen Seite: Die Sachbeschädigung ist bei der Polizei angezeigt worden. An den Plänen Alois Mellers und der ehrenamtlichen Helfer wird der Baumfrevel nichts ändern.

Alois Mellers Engagement für die Kinderkrebshilfe

Wernberg-Köblitz

"Langsam wird es mir unheimlich. Alle, die ich frage, sind so hilfsbereit."

Alois Meller

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