28.07.2020 - 13:32 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Zwei geschickte Handlanger Gottes

Viele Mühe, Geduld und Liebe steckt in der Arbeit von Erwin Hartinger und Albert Wildenauer. Nun erhält das restaurierte Friedhofskreuz den kirchlichen Segen.

Sie freuten sich nach der Segnung des Friedhofskreuzes und der Gedenktafel über ein gelungenes Werk: (von links) Pfarrer Markus Ertl, das Ehepaar Hartinger, Museumsleiter Peter Lichtenberg, das Ehepaar Wildenauer und Bürgermeister Konrad Kiener.
von Autor SHEProfil

Bei der Renovierung des Friedhofskreuzes wurden die beiden OWV-Mitglieder Erwin Hartinger und Albert Wildenauer vom Bauhofes und Handwerksbetrieben der Marktgemeinde tatkräftig unterstützt. Nun wurden das imposante Kreuz und die Gedenktafel nach einer Heiligen Messe an der Kalvarienkapelle – trotz der Corona-Beschränkungen – unter Anwesenheit zahlreicher Gläubiger gesegnet.

Viel zu teuer

Bürgermeister Konrad Kiener führte aus, dass im Jahre 2017 das Kreuz nicht mehr standfest war und somit Besucher des Friedhofes gefährdete. Ein Kostenvoranschlag einer Renovierungsfirma war für die Marktgemeinde viel zu teuer. So kam die Bitte an die erfolgreichen „Wiederinstandsetzer“ Erwin Hartinger und Albert Wildenauer, sich die Sache anzuschauen. Im Dezember 2019 wurde das Kreuz vom Bauhof abgebaut und eingelagert, damit das Holz vor der Bearbeitung austrocknet.

Eingerahmt im alten Teil des Wernberger Friedhofs: Das Kreuz mit Gedenktafel für die Gefallenen.

Anfang 2020 begann dann die Restaurierung mit Unterstützung der Schreinerei Geitner, der Firmen Hans Ebenburger und Bernhard Wild, dem Kirchenmaler Andreas Richter und der Marktgemeinde mit Wolfgang Geitner und dem Bauhof. Im Juni konnte dann das Kreuz wieder aufgestellt werden. Dazu kam jetzt noch eine Gedenktafel, die an die im Ersten Weltkrieg Gefallenen erinnert.

Diffizile Arbeit

Erwin Hartinger berichtete über die zum Teil diffizilen Arbeiten. So musste das 100 Jahre alte Eichenholz mit einer großen Zahl an Holzersatzteilen versehen werden, um die Risse und Spalten im morschen Holz in Originalkontur wieder herzustellen. Inzwischen forschten Josef Eimer und Hans Bäumler auch über die Geschichte des Kreuzes nach: Gestaltet wurde es von Felix Müller, Bildhauer und Maler aus Neukirchen am Brand, wo seit dem Jahre 2000 in einem Museum für seine Werke eine Erinnerungsstätte geschaffen wurde.

Rückkehr nach der Restaurierung

Wernberg-Köblitz

Der Leiter dieses Museums, Peter Lichtenberger, berichtete über das Leben und Werk von Felix Müller. Der Künstler Felix Müller gestaltete das Wernberger Kreuz in seiner Anfangszeit mit stilistischer Nähe zum Expressionismus. Dadurch geriet er ins Visier der Nationalsozialisten, für die das entartete Kunst war. Von 1948 bis zu seinem Tod im Oktober 1997 lebte und arbeitete Müller in Neukirchen am Brand, schuf 5000 Graphiken und über 100 Gemälde, Kruzifixe und Skulpturen sowie Gemälde aus der fränkischen Landschaft. Im Sommer 2000 wurde in Neunkirchen am Brand das Felix-Müller-Museum eingerichtet.

Hintergrund:

Der Wernberger Friedhof

Im Jahr 1932 errichtete die Marktgemeinde Wernberg einen eigenen Friedhof. Der damalige Bürgermeister Michael Sir beauftragte den Regierungsbaurat Sydikus damit, ein besonderes Friedhofskreuz zu errichten. Dies wurde es auch, dank dessen Freundschaft zu dem jungen, unbekannten Bildhauer Felix Müller aus Laubendorf in Mittelfranken. Der Granitsockel wurde vom Flosser Steinmetz Schmucker angefertigt, der sich am rechten unteren Teil mit seinem Namenszeichen „J. Sch.“ verewigte.

Am 30. April 1933, einen regnerischen Sonntag, fand die Einweihung durch den Köblitzer Pfarrer Josef Coduro, der privat ein Gegner des neuen Wernberger Friedhofs war, statt. Die erste Grabstätte fand hier ein siebenjähriges Kind. Interessant der erste Erwachsene, der am 21. Mai 1933 beerdigt wurde: Ein Oberweichenwärter, der 23 Kinder hinterließ. Für Bürgermeister Michael Sir war es die letzte Amtshandlung. Er musste einen Tag später sein Amt niederlegen. Die Zeit des Nationalsozialismus war gekommen.

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