Im Wald verstecktes Kleinod

Die Allerheiligenkirche bei Wernersreuth ist über idyllische Wanderwege zu erreichen. Gottesdienste finden nur im Sommer statt, trotzdem ist das Gotteshaus ein lohnendes Ziel. Ihr Ursprung ist eine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert.

von Ulla Britta BaumerProfil

Wer von Pfaffenreuth kommend, ob mit dem Auto, Rad oder zu Fuß, auf der Höhe vor Wernersreuth am Flurkreuz rechterhand abbiegt, hat nur ein paar Hundert Meter Wegstrecke, um zu einem Kleinod zu gelangen, das in der Region seinesgleichen sucht. Die Allerheiligenkirche ist nicht etwa nur eine Kapelle oder ein Kirchlein, wie man es in der Oberpfalz häufig in ländlichen, einsamen Gegenden findet. Sie ist ein imposantes Bauwerk wie eine normale Pfarrkirche, aber einsam mitten im Wald.

Einst pilgerten zu ihr die Gläubigen von Wondreb, Leonberg und Mitterteich. Später geriet die Allerheiligenkirche in Vergessenheit. Und weil der Pfarrermangel wie der Fachkräftemangel nicht mehr Aufmerksamkeit für das Kleinod zulässt, wird in diesem schönen Gotteshaus nur noch an den Sommersonntagen alle zwei Wochen Messe gefeiert. Dennoch bleibt die Allerheiligenkirche nicht unbeachtet als Ausflugsziel für Wanderer, Spaziergänger und Gläubige.

Der Weg von der Gemeindestraße aus ist nicht weit und sogar befestigt und auch Wanderwege führen hin. Das Waldstück gleich neben der Lichtung mutet ein wenig wie aus dem Märchen von "Schneewittchen und die sieben Zwerge" an. Die urige Natur weckt Gedanken an mystische Waldbewohner wie Zwerglein, Elfen oder wilde Kauze. Vielleicht war dieser Platz im Mittelalter einer jener Orte, wo die Menschen geheimnisvolle Kräfte verspürten?

Ähnliches im christlichen Sinn sagt die Überlieferung. Geschichtlich ist auf alle Fälle, dass die Allerheiligenkirche von 1658 bis 1660 erbaut worden sei. Damals hieß sie "Heiligenkirche" und war vorher wirklich nur eine Waldkapelle. Errichtet hat die Kapelle der Besitzer der Kornmühle zur Erhaltung seiner Viehherden. Und tatsächlich erfreute sich die Kapelle aufgrund von vielen Gebetserhörungen großer Beliebtheit. Sogar von Erscheinungen soll die Rede gewesen sein. Es gab viel Zuspruch und auch viel Spenden und Opfergaben deshalb für das kleine Gotteshaus.

Während der Reformation würde die Gebetsstätte im Wald zerstört, aber das Vermögen blieb erhalten. Nach Ende des 30-Jährigen Krieges begann der Wiederaufbau. Als Hüter des Waldheiligtums lebten Eremiten aus dem III. Orden des Heiligen Franziskus in der angegliederten Klause, die heute nicht mehr existiert.

Zuerst waren Klause und Kirche aus Holz. Aber das Gotteshaus hatte damals bereits, sehr geräumig, mehrere Altäre und zwei Beichtstühle. Ab 1662 wurden Wallfahrten zur Allerheiligenkirche abgehalten. Dafür wurde sogar ein Stall angebaut, damit die Pferde aus der Prozession eingestellt werden konnten. 1696 wurde das Gotteshaus, aufgrund des Andrangs zu den Gottesdiensten, bereits schon wieder erweitert. Der Barockbau entstand ab 1717, dauerte aber bis 1732.

Viele Landkreishandwerker haben daran mitgewirkt. So stammte der Plan der Kirche von Maurermeister Georg Häring aus Waldsassen, die Maurerarbeiten führte Philipp Mühlmeier aus Bärnau aus, als Zimmerer wurde Sebastian Stier aus Motzersreuth eingesetzt. Die Kirchenstühle, die Türen und die Kanzel stammen von Andreas Witt aus Waldsassen. Eine Weile ruhte der Bau und war zur Hälfte neu und zur Hälfte ein alter Holzverschlag, bis 1729 der Prälat den Weiterbau forderte.

1735 lieferte Orgelbauer Aegid Gartner aus Tachau die erste Orgel. Auch die heutige Orgel kam aus Tschechien, gebaut von Anton Müller aus Eger.

Von der Allerheiligenkirche gibt es aber auch nette Anekdoten: Die bereits damals geschäftstüchtigen Metzger und Wirte nutzten die Beichtfreudigkeit der Gläubigen - bis zu acht Geistliche am Stück nahmen den Ablass ab. Sogar das obere Klausenzimmer wurde als Beichtzimmer umfunktioniert - und es herrschte reges Treiben. Die Metzger brieten im Freien, die Wirte schenkten Bier aus. Das nennt man dann wohl die Pioniere der heutigen Grillkultur.

Leider wurde die Allerheiligenkirche durch die Säkularisation von 1803 hart getroffen und seither stark vernachlässigt. Erst 1879 sorgte der damalige Pfarrer Josef Proels dafür, dass sie restauriert wurde und wieder Gottesdienste stattfanden. Bei weiteren Restaurierungen 1973 fand man sogar Grabstätten der Einsiedler.

Lange Jahre feierte man jedes Jahr im Sommer ein Fest bei der Allerheiligenkirche nach Vorbild der mittelalterlichen Vorfahren. Momentan beschränkt sich die Belebung der Kirche, die ansonsten das ganze Jahr über zugesperrt ist, auf die Gottesdienste jeden zweiten Sonntag im Sommer. Dennoch lohnt sich ein Ausflug, allein wegen der idyllischen Lage der Kirche mitten im Wald.

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