"Keine Schlafmützen, sondern Christen"

Seit 300 Jahren ist die Pfarrgemeinde Wernersreuth selbstständig. Zum Jubiläumsfest am Ersten Advent reiste auch Bischof Rudolf Voderholzer aus Regensburg an.

Pfarrgemeinderats-Sprecher Stephan Forster (mit Mikro) begrüßte Bischof Rudolf Voderholzer.
von Autor ENZProfil

Pfarrgemeinderatssprecher Stephan Forster und die Ministranten begrüßten den Diözesanbischof mit herzlichen Worten. Dann formierte sich ein Kirchenzug, der unter den Klängen der Blaskapelle Ernestgrün in die Pfarrkirche St. Andreas einzog. Neben den Pfarrgemeinderäten von Wernersreuth und Leonberg, die bis 2016 zur Pfarrei Wernersreuth gehört hatten, waren Abordnungen der Pfarrei Neualbenreuth und der Expositur Ottengrün sowie Vereine aus Wernersreuth und Leonberg dabei. Am Pontifikalgottesdienst wirkten die Konzelebranten Pfarrer George Parankimalil und der Bischöflich Geistliche Rat Hans Junker, ehemaliger Pfarrer von Wernersreuth, mit.

Blick in die Historie

"Die Völker sollen dir danken, Gott", begrüßte Geistlicher Parankimalil die Gläubigen. Er hob hervor, dass der Besuche des Bischofs etwas besonderes sei. Voderholzer sei ein großes Vorbild im Kampf für die heilige Kirche. Auf ihn treffe der Spruch aus Jeremia 3 zu: "Ich gebe euch Hirten nach meinem Herzen; mit Einsicht und Klugheit werden sie euch weiden." Der Bischof freute sich, am ersten Advent in einer lebendigen Gemeinde zu sein. Es sei ein ermutigendes Zeichen, dass hier noch viele zur Kirche stehen. "Schön, dass wir hier ein neues Kirchenjahr gemeinsam einläuten können", erklärte Voderholzer.

Zunächst ging er auf die Bedeutung des 1. April 1719 ein, als die Pfarrei selbstständig wurde. Dabei sei die Geschichte der Kirche viel älter, was man schon an dem wuchtigen Turm sehe. Er erinnerte an die Höhepunkte im Leben der Pfarrei: So wurde zweimal eine Primiz gefeiert. Hinzu kommen viele Ordensfrauen, die von hier aus wirkten. Das zeige, dass das Stiftland ein Land der Gläubigen sei. Am 7. Dezember 1969 besuchte schon einmal ein Bischof, nämlich Rudolf Graber, die Pfarrei. 2003 erhielt die Pfarrkirche eine neue Orgel. "Klein, aber fein" sei die Pfarrei Wernersreuth, so Voderholzer.

"Gott ist die Zukunft"

Die Predigt zur Lesung aus dem Matthäus-Evangelium hatte als zentrales Thema die Ölbergpredigt Jesu, die sich um das Kommen des Menschensohnes in der Endzeit dreht. "Wir freuen uns über eine große Geschichte, aber Gott ist die Zukunft", sagte der Bischof. Es gelte jetzt, die Fackel des Glaubens weiterzutragen. Keiner wisse Tag und Stunde vom Ende seines persönlichen Lebens und der ganzen Welt. Aber es gelte sich vorzubereiten, dass Gott für alle einmal in das Leben treten werde.

Leidenschaftlich trat Voderholzer dafür ein, das persönliche geistliche Leben in der Adventszeit zu erneuern, das Gebetsleben zu intensivieren, das Gewissen zu erforschen, das Bußsakrament zu empfangen und alles im konkreten Leben umzusetzen. Er regte an, Rorate wieder einzuführen. Schon Kinder würden den Unterschied zwischen St. Nikolaus, der ein Bischof war, und dem Weihnachtsmann, der eine Zipfelmütze trägt, erkennen. "Wir sind keine Schlafmützen, sondern Christen, die wachsame Menschen sind", so sein Appell.

Empfang im Kolbe-Haus

Er erinnerte an den Brauch der Barbara-Zweige, an die Weihnachtsdarstellung in der hiesigen Kirche und an die Krippentradition im Stiftland. Der Tendenz zur Zweitkrippe für die Kinder sollte man folgen und all diese Zeichen des Glaubens pflegen. Christus begegne uns auch in den Menschen, die unserer Hilfe bedürfen. Er dankte am Ende dem Chor "Grazie A Dio" aus Leonberg, der den Gottesdienst musikalisch umrahmte. Die Fürbitte sprachen Mitglieder der Katholischen Landjugend Wernersreuth.

Beim Steh-Empfang im Maximilian-Kolbe-Haus dankte Pfarrgemeinderatssprecher Stephan Forster besonders Heimatpfleger Robert Treml, der als Redakteur an der Festschrift zum Jubiläum wesentlich mitgewirkt hatte. Er freute sich, dass nach 50 Jahren wieder ein Diözesanbischof die Pfarrei besuchte. Im Jugendhaus hatte das Katholische Landvolk eine Ausstellung mit religiösem Kunsthandwerk arrangiert.

Robert Treml schlug noch einmal einen Bogen zurück zum Kloster Waldsassen, von wo aus die Geschichte der Pfarrei begann. Leonbergs Bürgermeister Johann Burger erinnerte, dass man immer dann von einer Gemeinde spreche, wenn Menschen eine Gemeinschaft bilden, die eine gemeinsame Auffassung verbindet. Die fundamentalen Grundsätze, füreinander einzustehen und sich für gemeinsame Ziele und das Gemeinwohl verantwortlich zu fühlen, seien leider heute nicht mehr selbstverständlich. Dabei sei das Prinzip der christlichen Nächstenliebe Garant dafür, dass die Idee der Solidargemeinschaft nicht nur zur leeren Hülle wird, sondern Leitgedanke des Zusammenlebens bleibt.

Fehlende Genehmigung

Bürgermeister Klaus Meyer erklärte, dass die Pfarrkirche St. Andreas seit Jahrhunderten das Bild unserer Heimat präge. Er sei dankbar für die Vereins- und Pfarreistrukturen, die die Gemeinde in ganz besonderer Weise bereicherten. Meyer informierte aber auch, dass die Pfarrei Wernersreuth den ehemaligen Pfarrhof und das Jugendhaus Maximilian Kolbe unterhalten müsse. Dies stellte eine enorme Herausforderungen dar. Leider fehle für die Pfarrhof-Sanierung noch die stiftungsaufsichtliche Genehmigung der Diözese. Er bat den Bischof um seine Gebete und vielleicht auch ein bisschen mehr für die rasche Genehmigung. Er sei doch schließlich sozusagen der Chef.

Nach all diesen Worten trug sich Voderholzer in die Goldenen Bücher der Marktgemeinde Neualbenreuth und der Gemeinde Leonberg ein. Im Anschluss nahm er sich Zeit für Gespräche und stand auch gern für Erinnerungsfotos zur Verfügung.

Geschichte der Pfarrei Wernersreuth

Wernersreuth bei Neualbenreuth
Der Kirchenzug bewegte sich zur Pfarrkirche St. Andreas.
Bischof Dr. Voderholzer und Pfarrer George Parankimalil mit den Ministranten im Kirchenzug.
Während des Pontifikalgottesdienstes in der Pfarrkirche St. Andreas.
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer während seiner Predigt.
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zeigte großes Interesse an der Festschrift
Der Steh-Empfang war im Maximilian-Kolbe-Haus.
Bischof Voderholzer erhielt durch Pfarrgemeinderats-Sprecher Stephan Forster (rechts) und Kirchenpfleger Josef Altnöder (links) einen Korb mit regionalen und selbstgebastelten Geschenken
Bischof Rudolf Voderholzer trug sich in das Goldene Buch der Marktgemeinde Neualbenreuth sowie das der Gemeinde Leonberg ein
Gern stand der Diözesanbischof den Vereinen für einen Foto zur Verfügung - hier mit der KLJB Wernersreuth.
Auch für das Familienalbum gab es ein gemeinsames Foto - hier mit Pfarrgemeinderatssprecher Stephan Forster und seiner Frau sowie Bürgermeister Johann Burger aus Leonberg

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