Eine Pfarrei mit zwei Kirchen und drei Kapellen

Die Pfarrgemeinde Wernersreuth begeht am ersten Advent das 300-jährige Bestehen ihrer Selbständigkeit. Das Jubiläumsfest bildet Anlass für einen Blick in die Geschichte.

Die Pfarrkirche St. Andreas von Wernersreuth in der heutigen Erscheinung.
von Autor TMLProfil

Das Jubiläumsfest bildet einen denkwürdigen Anlass in der Geschichte der Pfarrei. Zum Jubiläum erscheint auch eine eigene Festschrift samt Kirchenführer mit der Geschichte der beiden Kirchen und der drei Kapellen. Das Pfarrdorf Wernersreuth ist zu Recht stolz auf seine lange, historische Tradition. Diese beginnt bekanntlich schon um 1140, als Markgraf Diepold III. von Vohburg dem jungen Kloster Waldsassen zwei Orte "Wernherisrute" übertrug. Als Siegelzeugen wirkten dabei ua. die Pfarrer von Wondreb, Beidl und Tirschenreuth mit, woraus sich die frühe kirchliche Struktur im Stiftland ergibt.

Kirche sehr baufällig

Somit fungierte Wondreb als Urpfarrei, doch muss schon im Mittelalter in Wernersreuth eine erste, bescheidene Filialkirche entstanden sein, wovon heute noch der massive, gotische Turm in der Art einer Wehrkirche kündet. Er wurde später "aufgestockt". Da Wondreb um 1438 neben dem Pfarrer auch noch einen Hilfspriester besaß, gilt dies als Hinweis, dass dieser Kaplan die beiden Filialkirchen in Wernersreuth und Großkonreuth zu betreuen hatte. 1508 werden bereits die beiden Kirchen der Filiale Wernersreuth, also die Pfarrkirche St. Andreas und die nahegelegene Allerheiligenkirche Maria-Magdalena im Visitationsprotokoll namentlich aufgezählt.

In der Folgezeit mussten die Gläubigen der Pfarrei Wondreb, wie auch die Pfarrkinder der beiden Filialkirchen die Umwälzungen der Reformation und die Gräuel des 30-jährigen Krieges überstehen. 1639 wird die Wernersreuther Kirche als sehr baufällig geschildert; dabei dürfte sie wohl in den folgenden Jahrzehnten unter Verwendung des alten Baubestandes wieder hergestellt worden sein.

Eine hoffnungsvolle Ära

Mit der Rückkehr der Zisterzienser ins Stiftland 1661 begann wieder eine neue, hoffnungsvolle Ära. Dabei setzte das Kloster nun alles daran, wieder seinen einstigen Status zu erlangen, insbesondere auch wieder seine früheren, inkorporierten Pfarreien zurückzubekommen. Unter dem zweiten Abt des wiedererstandenen Stifts, Pater Anselm Schnaus (1670 - 1724) kam es dann nach längeren Verhandlungen mit Rom, München und Regensburg unterm 2. März 1719 endlich zu einem Vergleich, wonach das Kloster die Pfarrsitze von Tirschenreuth, Schwarzenbach, Leonberg und Leonberg zurückerhielt und mit Patres aus dem Stift besetzen konnte, die Pfarreien Beidl und Falkenberg dagegen von Weltgeistlichen versehen werden, in Wernersreuth aber auf Kosten des Klosters eine eigene Pfarrei errichtet werden sollte, die fortan ebenfalls ein Weltgeistlicher zu betreuen hatte.

Häufige Pfarrerwechsel

So kam es, dass Vicarius Antonius Plodeck als Seelsorger der am 1. April 1719 selbständig gewordenen Pfarrei Wernersreuth nunmehr seine Tätigkeit aufnahm. Noch im gleichen Jahr erhielt er mit Pfarrer Johann Anton Schmidt einen Nachfolger. Im 18. und 19. Jahrhundert gab es einen häufigen Pfarrerwechsel; erst im 20. Jahrhundert blieben die Geistlichen länger am Ort, so namentlich Pfarrer Bartholomäus Ammer und BGR Pfarrer Max Wutz. Insgesamt wirkten in Wernersreuth in den vergangenen 300 Jahren 31 Seelsorger.

Mit der Aufstufung zur selbständigen Pfarrei erbaute das Kloster in Wernersreuth 1719 auch einen eigenen Pfarrhof, der sich bis heute in der Dorfmitte anstelle des vormaligen Hirtenhauses erhebt. Er befindet sich heute im Privatbesitz. 1912 ließ die Pfarrei einen neuen, modernen Pfarrhof erbauen.

Die Allerheiligenkirche

Mit der Geschichte der Pfarrei Wernersreuth untrennbar verbunden ist auch die barocke Allerheiligenkirche in der Nähe des Ortes, wo alljährlich im Juli das Magdalenenfest gefeiert wird. Zu dieser Kirche gehörte einst auch die an der Stirnseite angebaute Einsiedler-Klause, die seit 1658 bis 1803 von Eremiten bewohnt wurde, 1810 aber auf Abbruch versteigert wurde und verschwand. In den zur Pfarrei gehörigen Dörfern befinden sich drei schmucke Kapellen.

Die zur Pfarrei gehörige barocke Allerheiligenkirche bei Wernersreuth.
Historische Ansicht von Wernersreuth auf einem Ölgemälde von H. Zettl um 1935.
Infobox:

Seit 2016 eine Pfarreien-Gemeinschaft

Gegenwärtig bilden der Unterhalt der beiden Kirchen, des Pater-Kolbe-Hauses und auch des im Eigentum der Pfarrei stehenden Friedhofs die steten Aufgabengebiete der Kirchenverwaltung, wobei die beiden Kirchen im 20. Jahrhundert mehrfach restauriert wurden und aktuell schon seit längerem auch wieder eine umfassende Sanierung der Pfarrkirche ansteht. Auch der kirchliche Friedhof und das Jugendhaus mussten jüngst baulich verbessert werden. Dabei umfasst die Pfarrei Wernersreuth mit ihren vier Dörfern und einigen weiteren Gehöften derzeit noch 323 Katholiken.

Seit 1. September 2016 bildet die Pfarrei Wernersreuth zusammen mit der Pfarrei Neualbenreuth und der Expositur Ottengrün eine Pfarreiengemeinschaft. Der zuständige Seelsorger dafür ist Pfarrer George Parankimalil in Neualbenreuth. Ihm obliegt es, das pfarrliche Leben vor Ort zu gestalten und den Glauben zu bezeugen, so dass die Gottesdienste und kirchlichen Funktionen auch in der kleinen Pfarrei Wernersreuth weiterhin vollzogen werden können.

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