Neuer Rettungswagen-Standort: Johanniter machen das Rennen

Die Entscheidung ist gefallen: Die Johanniter haben den Zuschlag für den Betrieb des neuen Rettungswagen-Standortes in Wernersreuth erhalten.

In Wernersreuth steht ab 1. Oktober ein Rettungswagen. Der Ort ist in alle Richtungen gut angebunden.
von Martin Maier Kontakt Profil

Bei der Notfallrettung im östlichen Landkreis Tirschenreuth gibt es eine Verbesserung: Schon ab 1. Oktober startet ein Rettungswagen von Wernersreuth aus. Dies hatte der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Nordoberpfalz Anfang 2019 beschlossen. Die Krankenkassen als Kostenträger des Rettungsdienstes hatten bereits im November 2018 ihre Zustimmung erteilt.

Im folgenden öffentlichen Auswahlverfahren hat sich die Johanniter-Unfall-Hilfe, Landesverband Bayern, durchgesetzt. Sie hat den Zuschlag für den Betrieb mit einer Laufzeit von fünf Jahren erhalten. Insgesamt gab es drei Bewerber, wie ZRF-Geschäftsleiter Alfred Rast auf NT-Nachfrage erklärt.

Die Auswahl durch die Verbandsversammlung erfolgte aufgrund verschiedener Kriterien: 50 Prozent machte der Preis aus. In die anderen 50 Prozent flossen die geforderten Konzepte ein. Dazu zählten unter anderem ein Hygienekonzept, die Ausfallsicherheit beim Personal und die Ausfallsicherheit bei den Sachmitteln. Was passiere etwa, wenn der Rettungswagen kaputt ist?

Nach der Entscheidung hätten die anderen Bewerber innerhalb eines Monats Einspruch einlegen können. Dies ist nicht geschehen. Daher hat Rast den Zuschlag für die Johanniter nun öffentlich gemacht. Die offizielle Vertragsunterzeichnung ist am Dienstag, 6. August. An diesem Tag werden die Johanniter auch den genauen Standort in Wernersreuth bekanntgeben.

Der Rettungswagen-Betrieb startet ab 1. Oktober. Der Standort ist täglich von 8 bis 20 Uhr besetzt. "Die Johanniter haben ein Jahr Zeit, das Gebäude richtig zu bauen. Bis dahin läuft aber alles schon im Interimsbetrieb", erklärt Rast. Dies habe auch schon 2017 beim Aufbau des Rettungswagen-Standorts in Griesbach funktioniert. Wichtig sei, dass es im Oktober losgehe.

Laut ZRF-Geschäftsleiter Rast werde "durch das neue Rettungsmittel die Notfallrettung im Bereich der Gemeinde Neualbenreuth erheblich verbessert". Zudem diene es auch als "Backup" für die Stadt Waldsassen.

Laut Gesetz ist die Anzahl der Rettungswachen so zu bemessen, dass Notfälle in der Regel spätestens zwölf Minuten nach dem Ausrücken eines "qualifizierten Rettungsmittels" erreicht werden können. Aufgrund der Rechtsgrundlage, Detailanalysen und Gutachtenergebnisse war der zusätzliche Stellplatz nötig geworden. Letztendlich fiel die Entscheidung auf Wernersreuth. Auch Waldsassen hatte Ansprüche angemeldet. Denn Anfang 2016 war die Rettungswache von der Klosterstadt nach Mitterteich verlegt worden.

Um den Standort in Wernersreuth gab es eine größerer Diskussion

Tirschenreuth

Seit 2017 gibt es einen zusätzlichen Rettungswagen in Griesbach.

Hintergrund:

Große Enttäuschung beim Roten Kreuz

Die Johanniter betreiben im Bereich des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Nordoberpfalz - dazu gehören die Landkreise Tirschenreuth und Neustadt/WN sowie Stadt Weiden - bisher keine Rettungswache beziehungsweise -standort. "Wir freuen uns natürlich, dass wir den Zuschlag bekommen haben. Das ist nun unsere nördlichste Stelle im öffentlichen Rettungsdienst", erklärt Martin Steinkirchner, Regionalvorstand Ostbayern der Johanniter-Unfall-Hilfe, aus Regensburg.

Ganz anders sieht die Stimmung beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) aus, das bisher den bodengebundenen Rettungsdienst im ganzen Zweckverbandsgebiet abdeckt. "Die Entscheidung hat uns sehr wohl überrascht", gibt der Tirschenreuther BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl zu, dem seine Enttäuschung am Telefon anzuhören ist. Er spricht von einer Grundsatzentscheidung, die das Rote Kreuz nicht gutheißen könne.

Man müsse schon hinterfragen, ob marktpolitische Themen das richtige Instrument seien. Schließlich könne das BRK eine gewachsene Struktur anbieten. Schedl geht davon aus, dass es eine Kostenfrage war. "Wir hätten aber nicht günstiger anbieten können. Da habe ich kein schlechtes Gewissen." Trotzdem verspricht der BRK-Kreisgeschäftsführer, mit der Johanniter-Unfall-Hilfe gut zusammenzuarbeiten. "Das ist doch selbstverständlich. Schließlich geht es um Menschenleben und nicht um persönliche Befindlichkeiten."

Leichter hätte sich das Rote Kreuz aber getan, wenn alles in einer Hand geblieben wäre. "Für uns war es allerdings schon immer wichtig, dass wir uns nicht nur über den Rettungsdienst definieren", so Schedl. (rti)

 

 

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