13.06.2019 - 11:50 Uhr
Oberpfalz

Wertvolle und innige Momente

"Stillen war für mich eine der schönsten Erfahrungen in meiner Zeit als Mutter." Sabine M. (37) gerät geradezu ins Schwärmen, wenn sie sich daran erinnert, wie sie ihre beiden Kinder, die mittlerweile dem Still-Alter längst entwachsen sind, mit wertvoller Nahrung versorgt hat.

Wer sein Baby stillt, gibt ihm wertvolle Nährstoffe, die das Immunsystem stärken.
von Stefan Puhane Kontakt Profil

Viele Frauen werden vermutlich wehmütig, wenn sie diese Zeilen lesen, denn bei ihnen hat die Brusternährung ihrer Kleinen nicht geklappt. Wer beim Stillen an Grenzen stößt, dem kann jedoch oft mit ein paar einfachen Tipps geholfen werden.

Viel Zeit und Energie

Kristina Knorr ist Expertin auf diesem Gebiet, genauer gesagt Stillspezialistin. Dies ist ein geschützter Begriff des Ausbildungszentrums Laktation und Stillen. Im Oktober absolviert sie zudem das Examen zur Still- und Laktationsberaterin IBCLC. So lautet der international geschützte Titel für examinierte Still- und Laktationsberaterinnen, die Abkürzung steht für "International Board Certified Lactation Consultant". Sie hat jede Menge solcher Ratschläge auf Lager.

Die 28-jährige Weidenerin, die als Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) in einer Weidener Apotheke arbeitet, hat in ihre Zusatzausbildung viel Zeit und Energie gesteckt. Sie will "Hand in Hand" mit Hebammen den Müttern in der Region zur Seite stehen, wenn diese bei der natürlichen Ernährung ihrer Kleinen an Grenzen stoßen.

Für die OWZ hat sie für ein paar der häufigsten Probleme Lösungen parat, wenn diese auch das persönliche Gespräch und eine individuelle Beratung nicht ersetzen können.

Auf der Liste der Probleme stillender Mütter ziemlich weit oben stehen Schmerzen aufgrund wunder Brustwarzen. "Das kommt ganz oft vor", weiß Kristina Deubzer. Die Hauptursache ist eine schlechte Stillposition. In der idealen Position ist das Kind der Mutter mit dem ganzen Körper zugewandt, der Mund des Babys muss auf der Höhe der Brustwarze sein. Ohr-Schulter-Hüfte bilden eine Linie

"Meistens verrutscht das Kind beim Stillen oder ist nicht richtig angelegt - und bekommt dadurch dann zu wenig Brustgewebe in den Mund." Die Folgen: wunde Brustwarzen. Eine einfache Korrektur der Position helfe schon, das Problem zu beseitigen.

Ursache beheben

"Stillen darf und sollte nicht wehtun, sonst läuft irgendetwas falsch", betont die Stillspezialistin. Damit Mütter bei diesem Problem weiter stillen können, empfiehlt Kristina Knorr eine Behandlung mit Salben und auch Muttermilch sowie Kühlen mit Kohl. Das Kind sollte dann zunächst an der weniger stark betroffenen Stelle angelegt werden - und wenn es nicht anders geht, sei eine Schmerztherapie mit Tabletten ratsam. "Man muss die Ursache finden und beheben", weiß die Weidenerin.

Geringeres Risiko

"Ich bin mir sicher, dass meine Kinder, die beide frei von Allergien sind, durch das Stillen eine gesunde Basis mit auf den Weg bekommen haben", betont Mama Sabine. Und sie sieht sich in ihrer Meinung bestätigt, wenn sie Probleme dieser Art beim Nachwuchs aus ihrem Bekanntenkreis feststellt. "Viele sind von klein auf allergisch gegen alles Mögliche, und ich bin überzeugt davon, dass das daran liegt, dass sie ihre Milch aus der Flasche bekommen haben."

Das deutlich geringere Risiko für Allergien kann Kristina Deubzer bestätigen. Erhält ein Neugeborenes Muttermilch, erhält es gleichzeitig sozusagen eine "Grund-Immunisierung".

Das wirke sich nicht nur auf die Empfänglichkeit für Allergien aus, sondern überdies auch auf die Widerstandskraft gegen Magen-Darm-Erkrankungen, Asthma, Harn- und Atemwegsinfekten und vieles mehr aus. Die Inhaltsstoffe der natürlichen Kost seien vergleichbar mit einer Immunkur.

Wer bewusst "nein" zum Stillen sagt, wird seine Gründe dafür haben. Doch die Mehrzahl der Frauen, die ihren Babys die Brust nicht geben konnten oder können, sind auf Probleme gestoßen, die das Ganze eben unmöglich gemacht haben.

Zu wenig Milch

Einer davon ist, dass Kinder nicht ausreichend zunehmen, wenn die Mutter zu wenig Milch produziert. Der Fehler sei hierbei meist, dass die Kleinen nach der Geburt zu selten angelegt wurden.

"Dadurch kommt die Mutter dann zu wenig in die Milchbildung", erklärt Kristina Knorr. Die Expertin hilft in solchen Fällen und gibt Tipps, um die Milchbildung anzuregen.

Produziert die Mutter dagegen zu viel Milch, komme das Baby oftmals mit dem Schlucken nicht mehr mit und könne so Blähungen erleiden, sagt die 28-Jährige. Salbei-Tee sei hier ratsam, da dieser die Milchproduktion reduziere. Und wieder sei auch die richtige Still-Position entscheidend. "Am besten im Liegen wegen der Schwerkraft, damit das Kind leichter schlucken kann." Alles in allem müsse die Milchmenge dahingehend reduziert werden, dass es für den Säugling passt.

Wenn es mit dem Stillen einfach nicht hinhauen will, fehle es manchmal auch am Grundsätzlichen. "Manche Kinder müssen das Saugen erst lernen - und je eher sie das tun, desto schneller und besser klappt es auch."

"Finger-Feeding"

Mädchen und Jungen, die etwa eine komplizierte Geburt hatten, brauchten dazu länger, weiß die Stillspezialistin. Die Saugtechnik lasse sich aber erlernen, etwa mit "Finger-Feeding". Nach dem Befestigen des "Finger-Feeders" auf einer Spritze legt die fütternde Person einen Finger in den Mund des Babys und schiebt den "Finger-Feeder" an ihrem Finger entlang in den Mund des Babys. Wenn sie spürt, dass das Baby zu saugen versucht, drückt sie auf die Spritze, die dann etwas Flüssigkeit abgibt. So wird der natürliche Saugreflex des Babys geschult.

Übung zeigt, wie's geht

Andere Kinder hätten wiederum Schwierigkeiten, ihren Mund weit genug zu öffnen, um genügend Brustgewebe erfassen zu können. Eine Übung, mit der die Mutter ihrem Baby zeigt, wie's geht: Sie öffnet ihren eigenen Mund und macht einen A-Laut. Mit dem Laut und der Geste machten dies die Kinder beim Stillen nach und könnten so ihren Mund besser und weiter öffnen. (puh)

Thema "Stillen":

Viele weitere wertvolle Tipps

In Teil zwei unseres Ratgeber-Themas „Stillen“, der in der OWZ am Wochenende am 20. Juli folgt, geht es unter anderem um eine Regelung mit dem Arbeitgeber während der Stillzeit sowie um den natürlichen Weg zum Abstillen.

Außerdem erklärt die angehende Still- und Laktationsberaterin Kristina Knorr, warum Bonding so wichtig für Mutter und Baby ist. (puh)

Viele Frauen stoßen beim Stillen an ihre Grenzen. Stillspezialistin Kristina Knorr hat viele Tipps auf Lager, damit es doch klappt.
Intensives Bonding ist auch für Papa und Baby wichtig. Beim Stillen aber haben Mütter die Chance, ein intensives Band zu ihrem Kind zu knüpfen.
"Stillen darf und sollte nicht wehtun, sonst läuft irgendetwas falsch", sagt Kristina Knorr.
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