12.02.2021 - 11:07 Uhr
WiesauOberpfalz

Corona-Pandemie macht dem Stiftländer Heimatverein Wiesau schwer zu schaffen

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Der Kappenabend vor rund einem Jahr war die vorerst letzte Veranstaltung, die der Stiftländer Heimatverein Wiesau organisierte. Nach Monaten der Zwangspause plagen nicht nur Vorsitzenden Gerhard Brabec Sorgen.

Die Trachtenjugend ist der Stolz des Stiftländer Heimatvereins. Im Frühjahr 2019 begleiteten sie den Maibaum zum Marktplatz.
von Werner RoblProfil

„Der Kontakt zu den Mitgliedern fehlt uns allen. Wir vermissen die Tracht, die Veranstaltungen, Musik und Tänze“, beschreibt der Vorsitzende des Stiftländer Heimatvereins Wiesau, Gerhard Brabec, die aktuelle Situation. In normalen Zeiten wäre jetzt das Vereinsheim mit Girlanden und Luftschlangen geschmückt. Mit zu den Höhepunkten in Wiesau gehören die Kappenabende zum Faschingsausklang und das Starkbierfest in der Fastenzeit. Beide Veranstaltungen finden nicht statt, der Starkbierabend wird nach 2020 heuer sogar zum zweiten Mal abgesagt.

Der Blick auf die coronabedingt leeren Seiten im Belegungsplan des Vereinsheims an der Bahnhofstraße spiegelt die derzeitige Situation im Verein. Bis auf Weiteres bleiben die Türen dort verschlossen. „Regelmäßig schaue ich dort nach dem Rechten“, erklärt Brabec. Neulich begleitete ihn dessen Enkel. „Beim Hineingehen fragte er: Wann kommen denn die anderen und die Kinder?“ Brabec gesteht, dass ihn die Frage sehr beschäftigte. „Mit viel Herzblut pflegen wir den Vereinsnachwuchs, der – wie wir alle – zum Stillstand verdonnert ist“, macht Brabec deutlich.

Über die Sozialen Medien könne der Kontakt zu vielen Vereinsmitgliedern zwar aufrecht erhalten bleiben, fügt der Vorsitzende hinzu. „Wir erreichen aber längst nicht alle", fährt er fort. Die Senioren, die Brabec sehr am Herzen liegen, hätten mit Internet, Video-Plattformen, Whatsapp und Facebook nichts am Hut. Daher bleibe ihm nichts anderes übrig, als zum Telefonhörer zu greifen, um den Kreis zu schließen. „Wenn der persönliche Kontakt auf Eis liegt, muss man halt die Vielfalt der Technik nutzen", meint der Vorsitzende.

In den Arm nehmen

Viele Mitglieder äußern einen großen Wunsch: „Wenn nur endlich wieder was los wäre.“ Brabec betont: „Die Klage ist doch auch verständlich. Man möchte den Leuten wieder in die Augen schauen und sie in den Arm nehmen dürfen.“ Und Gerhard Brabec fügt hinzu: „Auch mir fehlt der gesellige Plausch und das kurzweilige Miteinander.“ Das Vereinsleben bleibe auf der Strecke.

„Im Vereinsheim läuft seit Monaten nichts“, sagt der Vorsitzende des Stiftländer Heimatvereins. Dabei hatte man, um den Betrieb an der Bahnhofstraße aufrecht erhalten zu können, rechtzeitig vorgesorgt. „Es stand ja alles! Wir waren gerüstet“, unterstreicht Brabec. „Wir hatten ein Hygienekonzept ausgearbeitet. Regelmäßig wurden die Bereiche im Vereinsheim desinfiziert." Zudem seien Desinfektionsmittelspender aufgestellt worden.“ Laut Brabec wähnte man sich auf der sicheren Seite. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien aber zuckt er mit den Schultern. „Die Mühe war völlig umsonst. Der harte Lockdown machte die Hoffnungen wieder zunichte.“

„Je später die normale Zeit zurückkehrt, umso schwieriger wird es, den Heimatverein und seine Mitglieder zu reaktivieren.“

Vorsitzender Gerhard Brabec

Gerhard Brabec gesteht: „Ich bin enttäuscht und sehr besorgt.“ Der Vorsitzende ist sich im Klaren: „Je später die normale Zeit zurückkehrt, umso schwieriger wird es, den Heimatverein und seine Mitglieder zu reaktivieren.“ Die Kontakte auf Gau-Ebene ermöglichen Videokonferenzen. „Ich beteilige mich an den Online-Sitzungen, um wenigstens auf dem Laufenden zu bleiben." Die Gespräche an den Tischen könnten sie aber nicht ersetzen.

Der vereinsinterne Informationsaustausch erfolge derzeit über die Sozialen Medien oder per Telefon. „Wir können uns zu keinen Vorstandssitzungen treffen, weil es derzeit nicht erlaubt ist. Wir sind zum Stillstand verurteilt, ob wir wollen oder nicht.“ Gerhard Brabec weiter: „Ein wenig Pause tat sicher gut. Aber langsam reicht's.“

„Die Stille“

Brabecs Sorgen teilt auch die Akkordeon-Spielerin und Sprecherin der „Hutzamusi“, Sylvia Lang. Auch sie sehnt sich nach einem Ende der Pause. „Was macht eine Musikgruppe ohne Proben und Auftritte? Nicht allzu viel!“ Lang schiebt ein „Leider“ hinterher. Dann berichtet sie, dass sie vor wenigen Tagen – per Whatsapp - ein Notenblatt verschickte. Darauf zu sehen waren die Notenlinien, vorneweg jeweils ein Violinschlüssel. Statt Viertel-, Achtel- und ganzen Noten folgte aber eine Aneinanderreihung vieler Pausenzeichen. Um das Stück mit dem Titel „Die Stille“ einzuüben, braucht man keine musikalischen Kenntnisse. „Das mit vielen Pausen gefüllte Notenblatt ist auch ein Symbol unserer großen Pause und Stille“, betont die Wiesauerin. Der Versuch, auf einer Video-Plattform via Internet zu proben, scheiterte an der instabilen Internet-Leitung. Sylvia Lang zieht ein ernüchterndes Fazit: „Es macht einfach keinen Spaß, wenn die Übertragung ruckelt oder sich komplett verabschiedet.“

Das Fehlen der Auftritte und der Termine im Vereinsheim macht sich auch in der Vereinskasse bemerkbar. Davon aber spricht Lang nicht. Was ihr persönlich fehlt, ist die Musik und das Drumherum. „Die vielen Verpflichtungen und Proben sind für alle – besonders in der Vorweihnachtszeit – oft eine große Herausforderung“, wirft Lang einen Blick auf den oft eng getakteten Terminkalender vor der Pandemie. Vor Corona eilte man kurz vor Weihnachten "von einer Besinnlichkeit zur nächsten“. Lang spricht von einem regelrechten Marathon. „Genau das aber vermissen wir, seit wir zur Untätigkeit verurteilt sind. Ich möchte fast behaupten, dass es uns an Advent langweilig war. Ganz ohne Auftritte und Veranstaltungen geht’s halt doch nicht. Alle sehnen sich wieder nach der gewohnten Normalität.“

Sylvia Lang kommt auch zu dem Schluss, dass die Pandemie alles anders machte. Die Ansicht untermauert sie mit einem Beispiel: „Eine unserer Zitherspielerinnen meinte, sie müsste ihr Instrument hervorholen, um sich auf das Spielen am Heiligen Abend daheim vorzubereiten. Die Zither blieb aber stumm.“ Für die Stimmung am Heiligen Abend sorgte eine CD. Es ist einfach nicht mehr, wie es war.“ Alles sei anders. „An Weihnachten spürte man das besonders.“

Anregungen für die Zeit nach Corona holen sich die Wiesauer Musikanten derzeit von den Oberpfälzer Volksmusikfreunden. Wie so viele ist auch Sylvia Lang überzeugt, dass es einmal wieder aufwärts geht. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien sagt Sylvia Lang: „Aus diesem Grund und in der Hoffnung, dass wir bald wieder gemeinsam proben können, haben wir uns rechtzeitig das neue Notenheft besorgt.“

Erinnerungen an schöne Zeit

Probleme plagen natürlich auch die Volkstanz-Gruppe des Stiftländer Heimatvereins. Den aus Kindern und Jugendlichen bestehenden Kreis leitet Sylvia Langs Tochter Franziska. Zudem ist Franzi, wie sie genannt wird, auch Vortänzerin. „Tja“, hebt die junge Wiesauerin an, „im Bereich Volkstanz lief's bis zum Ausbruch der Pandemie bestens.“ Jetzt aber verschicke man nur noch Fotos, um an die schöne Zeit vor Corona zu erinnern. Plattformen in den Sozialen Medien nutzt auch die Trachtler-Jugend. Die sympathische Volkstanzgruppe möchte aber mehr, als nur im Internet kommunizieren. „Wir freuen uns schon riesig auf den Tag, an dem wir uns wieder sehen können.“

Der Garant für eine erfolgreiche Arbeit einer Volkstanzgruppe sei doch die Freundschaft, erklärt Franziska Lang. „Das Zusammenkommen gehört einfach dazu.“ Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erinnert sich Franziska lang an die letzte Zusammenkunft: „Als wir uns vor Monaten, nach einer gefühlt sehr langen Zeit, wieder einmal treffen durften, kamen wir vor lauter Ratschen gar nicht erst zum Tanzen. Aber das ist leider schon sehr lange her.“ Weiter berichtet sie: „Manchmal höre ich im Radio ein Lied und überlege mir dann, was man darauf tanzen könnte. Dann beginne ich, mich alleine im Kreis zu drehen, um schon mal einige Schritte auszuprobieren.“ Franziska Lang fehlt die Tanzgruppe sehr.

Im Dialog bleiben

Betreut werden die Jugendlichen auch vom Gauverband, um, so Lang, „im Dialog zu bleiben und den Nachwuchs bei Laune zu halten“. Dazu sagt Franziska Lang auch: „Wir freuten uns über die Wichtel-Weihnachtspost aus den Reihen des Gau-Nachwuchses. Gerne nehmen wir auch an den Wettbewerben teil, die uns vom Trachten-Gau angeboten werden. Mit etwas Glück und Geschick kann man auch etwas gewinnen.“ All das sei schon schön und gut. „Trotzdem ist es nur eine halbe Sache. Wenn wir endlich wieder tanzen dürften, wäre uns das viel lieber.“

Die Trachten-Jugend bleibe trotz der Widernisse positiv gestimmt. „Wir schmieden bereits Pläne für den Sommer. Zudem freuen wir uns schon riesig auf das Zeltlager, das hoffentlich wieder in gewohnter Größe in Grafenwöhr stattfinden wird. Falls dies nicht möglich ist, haben wir ja immer noch den Vereinsgarten. Zur Not werden wir dort - wie schon letztes Jahr – im kleinen Kreis die Zelte aufzuschlagen."

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