09.09.2020 - 15:52 Uhr
WiesauOberpfalz

Coronakrise trifft Wiesauplast hart

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Der August war der einzige Monat in dem die Mitarbeiter von Wiesauplast keine Kurzarbeit hatten. Im September geht es in Teilbereichen wieder weiter, trotzdem blickt Prokurist Harald Strobl positiv in die Zukunft.

Auch die Wiesauplast wurde schwer von der Coronakrise getroffen. Prokurist und kaufmännischer Leiter Harald Strobl wirft trotzdem im Gespräch mit Oberpfalz-Medien einen optimistischen Blick in die Zukunft
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Das Unternehmen Wiesauplast war bereits vor der Coronapandemie angeschlagen. Dort werden Hightech-Kunstprodukte für den weltweiten Markt produziert. "Der Schwerpunkt liegt in der Automobil-Industrie", sagt Prokurist und kaufmännischer Leiter Harald Strobl. Weiteren hin werden Teile für die Industrie und Medizintechnik hergestellt. "Bereits im vierten Quartal im Oktober 2019 haben wir in Teilbereichen unseres Unternehmens Kurzarbeit angemeldet." Die Maßnahme sollte vor allem Arbeitsplätze sichern.

Als die erste Corona-Welle im Landkreis ankam, hat das auch Wiesauplast einen weiteren Schlag versetzt. "In den Monaten Februar, März und April hat es uns richtig getroffen", sagt Strobl. Zudem gab es drei Coronafälle im Unternehmen und eine Reihe von Verdachtsfällen. "Wir versuchten dann, den Spagat zwischen dem Schutz der Mitarbeiter und der Versorgungssicherheit der Kunden zu gewährleisten." Angefangen habe die Krise indem die Nachfrage aus Asien zurückgegangen sei. "Wir haben noch ein Werk in Mexiko. Wir haben uns dann auf dem Markt in Südamerika konzentriert", erklärt Strobl. Als schließlich dort die Infiziertenzahlen stiegen, zog das Geschäft im asiatischen Raum wieder an. "Auf diese Weise haben wir es geschafft, den Kundenbedarf zu allen Zeiten zu decken."

Vielzahl von Maßmahmen gegen Corona

Im Unternehmen selbst wurden eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt, damit sich Mitarbeiter dort nicht mit dem Virus anstecken. "Wir haben versucht, die Mitarbeiter möglichst voneinander zu trennen." So fand die Schichtübergabe in der Produktion vor allem über Medien statt, auch die Kantine wurde geschlossen. "Wir haben Leute ins Homeoffice geschickt. Büroräume entzerrt und im Unternehmen eine Maskenpflicht eingeführt." Große Besprechungen wurden in der Kantine durchgeführt, wo genügend Abstand eingehalten werden konnte. "Es gab auch ein Besuchsverbot. Keine fremden Personen durften in das Unternehmen."

Wir haben gelernt, dass man nicht zwingend Dienstreisen braucht und mehr digitale Medien nutzen kann.

Harald Strobl, Prokurist und kaufmänischer Leiter Wiesauplast

Harald Strobl, Prokurist und kaufmänischer Leiter Wiesauplast

Wiesauplast war bis Juni komplett in Kurzarbeit. "Im August hatten wir keine Kurzarbeit, da wir wollten, dass Mitarbeiter ihren Urlaub nehmen können", sagt Personalreferentin Eva-Maria Geißler. Ab September werden aber wieder Teilbereiche in Kurzarbeit gestellt. "Unsere Mitarbeiter ziehen da aber auch mit", so Geißler. Mittlerweile ziehe das Geschäft wieder an. "Langsam lockern wir auch unsere Maßnahmen wieder. Natürlich achten wir immer noch auf Trennung, aber nicht mehr so streng wie zu Beginn der Krise", betont Strobl. Ebenso sind Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurückgekehrt. Besonders verhalten zeigen sich die Kunden in Form von Neuaufträgen verbunden mit Investitionen. "Aber wir kriegen Abrufe im Seriengeschäft. Aufträge, die bereits bestehen, sind wieder wesentlich besser als im April. Ich denke aber schon, dass es noch lange dauern wird, bis wir das Niveau vor Corona erreichen werden."

Besser vorbereitet für zweite Welle

Falls eine zweite Corona-Welle käme, glaubt Strobl, dass das Unternehmen darauf nun besser vorbereitet ist. "Wir haben gelernt, dass man nicht zwingend Dienstreisen braucht und mehr digitale Medien nutzen kann." Auch Homeoffice habe gut funktioniert. "Anfangs war ich schon skeptisch, weil ich dachte, es geht dabei auch etwas an der internen Kommunikation verloren", gibt der Prokurist zu. "Ich habe aber letztlich festgestellt, dass die Leute mehr und konzentrierter gearbeitet haben." Des Weiteren werden auch immer noch neue Auszubildende eingestellt. Fertig ausgebildete Leute werden in der Regel auch vom Wiesauplast übernommen. So haben erst drei junge Männer ihre Ausbildung mit den Noten "gut" und "sehr gut" absolviert. "Auch wir haben das Problem mit dem Fachkräftemangel", sagt Strobl. "Wir sind aufgeschlossen, was Einstellungen von qualifizierten Personal anbelangt."

Auch beim ersten Wirtschaftsgespräch des Landkreis Tirschenreuth war Wiesauplast mit dabei

Tirschenreuth
Auch in der Kantine bei Wiesauplast gelten Abstandsregeln. Am Boden sind hierfür extra Markierungen angebracht.
Schon an der Anmeldung in der Hauptzentrale bei Wiesauplast gilt es einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und zu bestätigen, dass man sich in den vergangenen 14 Tagen nicht mit dem Virus angesteckt hat. Die Dame an der Anmeldung wird zusätzlich durch eine Plexiglasscheibe geschützt.
Diese drei jungen Männer haben ihre Ausbildung bei Wiesauplast erfolgreich absolviert. David Häckl (von links) machte eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschucktechnik (Note 2). Felix Fichtner ist Industriekaufmann (Note 2) und Eric Fahncke Werkzeugmechaniker (Note 1). Alle drei werden auch von dem Unternehmen übernommen.
Hintergrund:

Wiesauplast als nachhaltiges Unternehmen

In Wiesau arbeiten rund 300 Mitarbeiter. In dem Zweitwerk in Mexiko sind weitere 270 Personen beschäftigt. Kunststoffe stehen immer mehr im Verruf schlecht für das Klima zu sein. "Wir gehen vorsichtig mit Ressourcen um und beschäftigen uns mit Nachhaltigkeit, Energieeinsparung und Wiederverwertung", erklärt Harald Strobl, der seit 2012 als Prokurist für Wiesauplast arbeitet. Unter anderem gibt das Unternehmen seine Ausschussware und übrige Rohstoffteile, die in der eigenen Produktion nicht mehr verwertet werden können, an andere Firmen zur Weiterverarbeitung ab. "Daraus werden dann andere Produkte gefertigt." Zudem werden vor allem Dinge produziert, die hohen Qualitätsanforderungen entsprechen müssen. "Unsere Teile ersetzen zum Teil Metall, so werden Fahrzeuge auch leichter." Für die Zukunft versucht das Unternehmen auch weitere Branchen mit ins Boot zu holen. "Wir sind sehr wohl aktiv, den Umsatzanteil in anderen Bereichen noch zu steigern." Für Strobl wird aber auch das Thema Mobilität weiterhin gefragt bleiben, egal mit welchem Kraftstoff das Fahrzeug letztendlich betrieben wird.

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