15.03.2021 - 17:34 Uhr
WiesauOberpfalz

Kreidezeit adé: Das Klassenzimmer der Zukunft

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Homeschooling und Wechselunterricht stellen Schüler und Lehrer in der Coronazeit vor neue Herausforderungen. Eine ganz besondere Tafel aus Franken kann Abhilfe schaffen – ganz ohne Kreidefinger. In Wiesau ist sie schon im Einsatz.

Systemadministrator Stefan Staufer zeigt die Einsatzmöglichkeiten des neuen fahrbaren galneoscreens am Beruflichen Schulzentrum Wiesau.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Noch vor ein paar Jahren klang es nach Zukunftsmusik, während der Coronazeit wurde es Notwendigkeit in vielen Schulen: Eine digitale Tafel mit Kamera, die den Unterricht zu den Schülern nach Hause bringt. Bedienung per Touchscreen, Anschluss von Laptop und Co. einfach ohne Software möglich. Schon lange vor dem Virus hatte der Tüftler Uwe Wende aus Eckental (Kreis Erlangen-Höchstadt) den richtigen Riecher für die Technik der Zukunft. Seine interaktiven Screens und Boards erleben in der Krise einen Aufschwung.

Wende im Klassenzimmer

Auch in der Oberpfalz, im Beruflichen Schulzentrum Wiesau, sind über 40 interaktive Tafeln im Einsatz. Das Schulzentrum arbeitet dabei mit zwei verschiedenen Arten: Touch-Displays in unterschiedlichen Größen und Tafeln, die mit einem Beamer ausgestattet sind. Andreas Büttner, Abteilungsleiter Gewerblich I, erzählt vom Schulalltag: "In meinem Bereich kommen die Displays zum Beispiel beim technisch Zeichnen zum Einsatz. Ein großer Vorteil der Displays ist, dass das Arbeiten an der Tafel komfortabler ist. Sowohl die Eingabe über Stifte als auch mit dem Finger funktionieren präziser. Auch die Bildqualität in 4-K-Auflösung ist natürlich super. Details sind so in größerer Entfernung besser sichtbar, die Beamer stoßen da an ihre Grenzen." Finanziert wurden die Tafeln laut Schulleiter Thomas Metzler über Fördermittelpakete von Bund und Ländern.

So teuer sind die interaktiven Tafeln

Immerhin schlägt ein galneoscreen – eine Wortschöpfung von Uwe Wende – mit rund 5000 Euro plus Steuer in einer Schule zu Buche. Das ist etwas weniger als ein Display mit gleichwertiger Ausstattung für die Industrie kostet. Für Unternehmen liegt der Preis bei rund 8500 Euro. Doch was hat es eigentlich mit dem Namen auf sich? "Eigentlich wollte ich es 'galileoscreen' nennen", sagt Wende, "doch ich hätte von den Italienern die Namennutzungsrechte kaufen müssen – und das ist unfassbar teuer". Eines Tages sieht Wende dann eine Dokumentation über den Airbus 320 neo, dann hat er eine Eingebung: Das Kunstwort 'galneo' wird geboren.

So funktionieren 'galneoscreens'

Das Besondere an den Tafeln mit dem außergewöhnlichen Namen ist ihre leichte Bedienung. Das System entsteht vor rund neun Jahren aus einem Alltagsproblem heraus. Vor seiner Selbstständigkeit arbeitet Uwe Wende bei einem Ingenieurbüro für Telekommunikation. Dort stellt er eins fest: "Systeme, wie unsere Bildschirme und Displays, gibt es schon länger. Doch sie alle brauchen eine Software und damit eine Treiberinstallation, Konfiguration und Kalibrierung." So kompliziert diese Wörter klingen, so verzweifelt waren dann auch oft Kunden bei der Bedienung: "Ich war genervt. Wir haben so viele Stunden in der Hotline verbracht, um den Kunden zu erklären, wie das funktioniert."

Bei den galneoscreens ist das anders: Es ist keine Software nötig. Einfach Laptop anstecken und los. Wie ein Fernseher gibt der Bildschirm alles wieder, was man auf dem Endgerät hat, das man damit verbindet. So funktioniert auch der Einsatz in Schulen problemlos. Das sind aktuell auch die meisten Kunden von Uwe Wende: "Pandemiebedingt sind es im Moment mehr Schulen, die Screens kaufen, da die Schulen ja quasi in die 'Zwangsdigitalisierung' müssen."

Vor- und Nachteile in der Coronakrise

Zwar sei der Trend natürlich schon vor Corona grundsätzlich zur Digitalisierung gegangenen, die Coronakrise habe für das Unternehmen aus Franken aber schon einen Aufschwung bedeutet: "Man hat natürlich an einigen Stellen Umsatz gemacht, wo man sonst wahrscheinlich nicht so schnell welchen gemacht hätte."

Dass die Screens in der Praxis nicht zwangsläufig ein Vorteil im Distanzunterricht sein müssen, erklärt Lehrer Andreas Büttner: "Das ist lehrer- und fachabhängig. Nicht in allen Fächern lassen sich die Displays gleich gut einsetzen. Auch gibt es Lehrer, die sich gerne vor der Tafel filmen, andere nicht." Oft sei sogar das Gegenteil der Fall: "Die Tafeln werden jetzt häufig nicht genutzt, denn es sind ja keine Schüler da, die damit arbeiten." Während des Präsenzunterrichts könnten die Tafeln aber auch für zusätzliche Aktivitäten gut genutzt werden: "Egal, ob für ein Quiz, Abfragen, Arbeit mit dem Webbrowser oder mit den Apps. Das Gute ist, dass man die Screens auch ohne Computer verwenden kann."

Die Zukunft

Die Zukunft der galneoscreens soll vor allem größer aussehen. Momentan würden sich Wende und sein Team die Zähne an einer Bildschirmgröße über 98 Zoll ausbeißen. "Das Problem ist hier das Gewicht und der Preis. Ein 98 Zoll Bildschirm mit 2,50 Meter Diagonale wiegt bereits 120 Kilo." Ansonsten ist in der Auflösung nicht mehr viel möglich. Verbesserungen in der Bedienlogik dagegen schon. "Das Ziel ist es, irgendwann nicht mehr ein Produkt, sondern eine Lösung für die Klassenzimmer anzubieten." Tafeln und Boards, die mit Weißfläche und Beamer arbeiten, wird es laut Wende in absehbarer Zeit nicht mehr geben. "Das passiert jetzt nicht heute oder morgen, aber das ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß."

So lief das Homeschooling Anfang 2021

Amberg

Interaktive Tafeln an der Grundschule Mantel

Mantel
Hintergrund :

DigitalPakt Schule 2019 bis 2024

  • Der Bund stellt für den Freistaat im Rahmen des DigitalPakts Schule 778 Millionen Euro bereit. Von diesen Mitteln stehen in Bayern 700 Millionen für schulische und regionale Maßnahmen zur Verfügung.
  • Weitere 39 Millionen Euro sind für landesweite Maßnahmen vorgesehen, beispielsweise für die Entwicklung digitaler Lehr-Lern-Infrastrukturen.
  • Noch mal 39 Millionen Euro sind für Maßnahmen reserviert, bei denen mehrere Bundesländer zusammenarbeiten.
  • Die Fördergelder werden entsprechend der Schüler- und Klassenzahl einer Schule auf die Kommunen und privaten Träger verteilt.

Quelle: Bayerisches Kultusministerium

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