24.01.2021 - 10:22 Uhr
WiesauOberpfalz

Lange Diskussion um neuen Friedhof in Wiesau

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Bereits bei der Gemeindevisitation stellt das Bezirksamt Tirschenreuth 1874 fest: „Der Friedhof in Wiesau ist zu klein und überfüllt.“ Was darauf folgt, ist ein bemerkenswertes Kapitel der Ortsgeschichte.

Der neue Friedhof am Kreuzberg ist angelegt, um für viele Grabstellen Platz zu schaffen. Das Bild entstand nach 1931.
von Werner RoblProfil

Nur schulterzuckend nahm man die amtliche Anmerkung, die der Gemeinde in Sachen Friedhof vorgelegt wurde, zur Kenntnis. Weder Wiesau noch das Bezirksamt reagierten weiter. Die Angelegenheit schien wieder vergessen.

Um 1900 wurde das Bezirksamt erneut auf die Sache aufmerksam und bedrängte Wiesau abermals, den kirchlichen Friedhof zu erweitern. Gefordert wurde jetzt auch ein Leichenhaus. Was folgte, waren jahrelange Verzögerungen seitens der Gemeinde. 1920 rollte man jedoch die Ärmel hoch, um die Planung für den neuen Friedhof mit drei Alternativ-Standorten wenigstens einmal anzustoßen. Bei der Gemeindeversammlung vier Jahre später wurden daraus schon vier mögliche Grundstücke. Zudem bot Pfarrer Joseph Wänninger den Pfarrgarten an.

Die neue Ruhestätte wurde zum Dauerthema - auch im Gemeinderat. Je länger es dauerte, umso mehr Grundstücksvorschläge kamen hinzu. Ebenso wurde eines nahe König-Otto-Bad ins Auge gefasst. Postwendend folgte der Widerspruch aus dem Kur- und Heilbad. Untermauert wurde das Veto durch ein Gutachten des Bezirksarztes Dr. Möges: Ein Friedhof gehöre nicht in die Nähe einer Kuranlage. Möges sprach von einem „Heilquellen schädigenden Einfluss“.

Ungeschützte Lage

Die Zeit verging. So manche der ins Auge gefassten Flächen wurden als ungeeignet wieder verworfen. Bereits im Rennen war ein Grundstück der Kirchenstiftung nördlich der Kreuzbergkirche. Pfarrer Joseph Wänninger zeigte sich von der Idee aber nur mäßig begeistert. Dagegen sprachen auch die unzureichende Wasserversorgung und die mangelnde Infrastruktur am Kreuzberg, die den Standort nicht gerade attraktiv machten. Um die Negativdiskussion endgültig auf die Spitze zu treiben, beklagte man auch die exponierte und vom Wetter ungeschützte Lage. Bei Beerdigungen, vor allem im Winter, seien witterungsbedingt Erkältungen und Erkrankungen zu befürchten. Der Gedanke Verwirklichung am Kreuzberg wurde gezielt schlechtgeredet und danach verworfen. Die erregte Stimmung im Ort, wie sie auch in einem Schreiben an den Bürgermeister geschildert wurde, setzte den „Dampfkessel“ weiter unter Druck.

Heftiger Streit

Empfohlen wurden jetzt auch andere Grundstücke, die sich nach und nach auf zehn mögliche summierten. Bei der Bürgerversammlung im Juni 1925 kam es zu einem heftigen Streit. Sieben der zehn Flächen wurden von der Liste gestrichen. Übrig aber blieben der Kreuzberg und zwei Äcker rechts beziehungsweise links der Schönfelder Straße. Ein Ende der Diskussion war trotzdem nicht in Sicht, denn man war immer noch nicht zufrieden und suchte nach weiteren Alternativen.

„Trotz besserer Überzeugung will ich mich, um dem Gemeinderat aus der Verlegenheit zu helfen, der Errichtung des Friedhofes auf dem Kreuzberg nicht entgegenstemmen.“

Pfarrer Joseph Wänninger

Zu den Favoriten gehörten nunmehr neue Flächen zwischen Mühlhof und Kornthan, für die man sich schließlich entschied. Der Ankauf war beschlossene Sache. Nur eine Woche später widerrief man die Entscheidung. Grund war der plötzliche Wille und das Einlenken des Pfarrers, der jetzt doch den Pfarracker am Kreuzberg freigab. Aus einem Schreiben des Seelsorgers geht hervor: „Trotz besserer Überzeugung will ich mich, um dem Gemeinderat aus der Verlegenheit zu helfen, der Errichtung des Friedhofes auf dem Kreuzberg nicht entgegenstemmen.“ Joseph Wänninger forderte aber für die in Wiesau verstorbenen Geistlichen ein unentgeltliches Grab und einen separaten Glockenturm. Das Geläut der Kreuzbergkirche dürfte für Beerdigungszwecke nicht verwendet werden.

Man votierte dann endgültig für den Friedhof am Kreuzberg. 1926 folgte die Genehmigung für die neue Anlage. Nach jahrzehntelangem Tauziehen konnte endlich die Maßnahme angeschoben werden. Ein Jahr später wurden der Friedhofbau begonnen und ein Gebäude errichtet. Angepflanzt wurde 1930. Die ersten Gräber wurden an der Kirche angelegt. Das schmiedeeiserne Kreuz an der Nordseite wurde 1931 aufgestellt. Den alten Kirchen-Friedhof hatte man inzwischen aufgelassen. Begeistert von der neuen Ruhestätte aber war die Bevölkerung lange Zeit nicht.

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Wiesau
Eine Treppe führt an der Westseite zum Friedhof beziehungsweise zur Kreuzbergkirche hinauf. Das Foto ist nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden.
Ein Foto aus den 1960er Jahren.
1980 wurde die Aussegnungshalle mit einem Nordflügel erweitert.
Die Granittreppe führt heute noch zur Anlage hinauf.
Wiesen und Felder prägten das Landschaftsbild an der Kreuzbergkirche, bevor man sich entschloss, dort Ruhestätten anzulegen.
Der neue Friedhof kurz nach der Fertigstellung. Die ersten Gräber sind bereits zu sehen.
Der ehemalige Gottesacker an der Pfarrkirche war von einer Mauer umgeben. Hier ein Bild aus den 1920er Jahren.
Nachdem die Standortfrage „neuer Friedhof am Kreuzberg“ gelöst war, machte man sich an die Arbeit, die alten Grabstätten sukzessive aufzulösen.

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