16.03.2021 - 12:00 Uhr
WiesauOberpfalz

Theatergruppe bietet historische Spaziergänge durch Wiesau

Die Theatergruppe Shalom Amitié lädt im Sommer zu historischen Führungen durch das alte Wiesau ein. Das kreative Ensemble glaubt daran, dass bis dahin trotz Corona wieder Theater an der frischen Luft möglich sein wird.

Herbert und Silke Schicker (Bild), beide Darsteller in den historischen Führungen, wettern in einer kleinen Szenenprobe vor der Tür des "Stefflwirts" über Bier, Mitterteich, Gott und die Welt. Das Wiesauer Gasthaus ist Schauplatz einer Szene.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wenn der Sommer kommt, sind in einigen Orten im Landkreis Tirschenreuth auffällig viele Menschen unterwegs, die aufgrund ihres Outfits besser in frühere Zeiten passen würden. Dabei handelt es sich unter anderem um die Darsteller im Geschichtspark Bärnau oder die Schauspieler der historischen Führungen in der Kreisstadt Tirschenreuth. Letztere bekommen bald Konkurrenz. Sollten es baldige Lockerungen der Corona-Beschränkungen möglich machen, will ab kommendem Sommer auch die Wiesauer Theatergruppe Shalom Amitié zu solch unterhaltsamen Freiluftveranstaltungen einladen.

Zwölf Szenen

Silke und Herbert Schicker proben bereits fleißig. Immerhin sind zwölf Szenen geplant. Die Schickers, um Missverständnissen gleich vorzubeugen, dürfen trotz Kontaktbeschränkungen gemeinsam proben, wo immer sie möchten. Sie sind ein Paar. Den anderen Darstellern hat Regisseur Bernhard Neumann "Hausarbeiten" in Form von "Text lernen" aufgegeben. Alle hoffen auf rasche Lockerungen, damit die Szenen endlich gemeinsam erarbeitet werden können. Mit den restlichen Vorbereitungen steht das Ensemble in den Startlöchern: Beginn der Veranstaltungen soll am Parkplatz beim Friedhof sein; die letzte Szene spielt beim "Stefflwirt". Was dazwischen liegt, ist gerade in Arbeit.

Die Vorbereitungen laufen trotz Lockdowns und Ausgangssperre auf Hochtouren. Die Mitglieder von Shalom Amitié haben Corona einfach "ausgeblendet" und mit den ihnen erlaubten Mitteln etwas Neues für ihren Verein auf die Beine gestellt. Die Idee, erzählt Bernhard Neumann, sei im vergangenen Sommer entstanden, als Vereinstreffen möglich waren.

„Das Ganze basiert auf der Wiesauer Chronik von Manfred Steinberger und Adalbert Busl.“

Regisseur Bernhard Neumann

Aufgeteilt in zwei Gruppen, werden zwei Führerinnen und jeweils fünf Darstellerinnen und Darsteller unterwegs sein. Autor des Drehbuchs ist Regisseur Neumann. „Das Ganze basiert auf der Wiesauer Chronik von Manfred Steinberger und Adalbert Busl“, erklärt er. Ideen zur Umsetzung habe Christina Götz beigesteuert, die auch mit Regie führt. „Und das Endprodukt wurde von Adalbert Busl auf Herz und Nieren geprüft“, sagt Neumann, der wahre Historie im Theaterspiel zeigen möchte.

Einige Überraschungen

Zum Inhalt möchte er vorab nicht zu viel verraten. Was er preisgibt: Dass es insgesamt vier größere Schauspielszenen geben wird. In einer würden sich zum Beispiel zwei Ratschkathln treffen, die sich über neu erlassene Strafen eines Richters beschweren. „Zum Beispiel kostete Ausbuttern an Allerheiligen, was verboten war, 30 Kreuzer Strafe“, erzählt der Regisseur, der anfügend von einigen schauspielerischen Überraschungen berichtet.

Treffen können sich die Darsteller wegen der Corona-Beschränkungen erst einmal nicht. Alle hoffen auf die zweite Aprilhälfte, wo erste Proben geplant sind. „Vielleicht können wir dann in Kleingruppen starten. Bis dahin halten wir uns mit Videokonferenzen fit“, so Neumann. Ihn freut’s, dass die Darsteller hellauf begeistert sind von dieser Art Theater. Keiner habe gedacht, dass Wiesau eine derart interessante Historie zu bieten habe und dass es so viele lustige, spannende und wissenswerte Geschichten gebe.

90-minütiger Streifzug

In den Stücken geht es hauptsächlich um die Zeit bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. „Richter, Frühmesser und Saubären – ein historischer Spaziergang durch Wiesau“, so lautet der Titel. Es soll ein 90-minütiger Streifzug durch den alten Ortskern von Wiesau werden. An immerhin 14 Stationen erfahren die Teilnehmer Interessantes und Wissenswertes über die Wiesauer Geschichte. Lustige und sagenhafte Szenen bringen Leben in die etwas verstaubte Geschichte. „Vielleicht“, sagt Neumann und schmunzelt wissend, „haben einige das Glück und treffen auf eines der sagenumwobenen Hankerln.“

Das Ensemble will unterschiedliche Interessenten gewinnen: Vereine, gemischte Gruppen, Festgesellschaften, Freunde und andere können jederzeit eine Führung buchen. Wer 24 Leute zusammenbringt, bekommt einen Pauschalpreis. Natürlich gibt es ein angepasstes Hygienekonzept, das auch auf der Homepage (www.theater-wiesau.de) einsehbar ist. Mitmachen kann nahezu jeder, der reine Fußweg beansprucht nur 20 Minuten. Auf dem Weg befinden sich einige Treppen, ansonsten befestigte Fußwege. Und die leidenschaftlichen Theaterspieler haben sich vorgenommen, beim Freilufttheater endgültig jeder Katastrophe zu trotzen: In der Vorankündigung heißt es, die Führungen finden immer statt, auch bei Unwetterwarnungen.

Termine und Vorbestellung

Die historischen Führungen sind am Samstag, 12. Juni, um 16.30 Uhr, am Sonntag, 13. Juni, um 16.30 Uhr, am Freitag, 2. Juli, um 18.30 Uhr und am Samstag, 3. Juli, um 16.30 Uhr angesetzt. Wer Karten vorbestellen möchte, kann dies für 10 Euro (Kinder und Schüler ab 8 Jahren 5 Euro, Gruppen mit 24 Personen 149 Euro) über die Ticket-Hotline 0172/4228902 oder per E-Mail (silke.schicker[at]freenet[dot]de) tun. Hier sind auch die Gruppenführungen buchbar.

Die Theatergruppe Shalom Amitié präsentiert sich auf einer neuen Homepage mit über 1000 Fotos

Wiesau

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