09.05.2021 - 07:48 Uhr
WiesauOberpfalz

Verschwundene katholische Vereine in Wiesau: Jugendkraft und Jungfrauen-Vereinigung

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In Wiesau gab es einst mehrere kirchliche Vereine, die früher oder später wieder verschwanden - darunter die Marianische Jungfrauenkongregation. Viele Details sind unbekannt, ein Blick in die Chronik bringt dennoch einiges an Licht.

Diese Aufnahme aus den 1930er Jahren zeigt die Marianische Jungfrauenkongregation mit Pfarrer Franz Perlinger (vorne, Mitte). Das Foto entstand gegenüber dem Gasthaus „Stadt Wien“ und neben Josef Härtls Lebensmittelgeschäft am Wiesauer Kreuzberg.
von Werner RoblProfil

Die Geschichte der kirchlichen Vereine in Wiesau begann 1855 mit einem "Bündnis der Jünglinge und Jungfrauen", wie aus einer Ablassurkunde hervorgeht. Wer die Mitglieder waren und von welchen Leuten diese Gruppierung geführt wurde, weiß man heute nicht mehr. Ein wenig mehr verrät die Ortschronik über die später gegründeten kirchlichen Vereinigungen. Dazu gehören auch die "Marianische Jungfrauenkongregation von der Unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria" sowie die DJK. Beide existieren schon lange nicht mehr.

Verehrung der Gottesmutter

Über die "Marianische Jungfrauenkongregation" erzählt die von der Marktgemeinde Wiesau herausgegebene Chronik (verfasst 1984 von Adalbert Busl und Manfred Steinberger) Folgendes: Ihren Ursprung hatte die Kongregation im "Marienverein der Pfarrei Wiesau", der 1910 ins Leben gerufen wurde. Fünf Jahre später entstand daraus eine Jungfrauenkongregation, deren Vereinsziel die Verehrung der Mutter Gottes war. Geistlich begleitet wurden die Frauen vom örtlichen Pfarrer. Bekanntlich brach vier Jahre später der Erste Weltkrieg aus, der viele Menschen in Not stürzte. Das wirkte sich auch auf die Kongregation aus.

Gefahren der Fabrikarbeit

In den Statuten fest verankert war die besondere Verehrung der Gottesmutter. In Wiesau aber - so erzählt die Chronik - hat sich im Laufe der Zeit aber manches verändert. Die Vereinsregeln wurden der Zeit und den jeweils vorherrschenden Problemen angepasst. Als eine besondere Aufgabe betrachtete man auch den Schutz - so formuliert es die Satzung - "feiertagsschulpflichtiger und entlassener Mädchen". Fürsorglich nahm man sich besonders jener an, welche "den Gefahren der Fabrikarbeit ausgesetzt sind".

Hauptfest am 8. Dezember

Weiter berichtet die Chronik von der Anschaffung einer Fahne, die an besonderen Tagen aus dem Schrank geholt wurde, um den Verein nach außen hin repräsentieren zu können. Ferner wählte man für das jährliche Hauptfest den Festtag "Mariä Empfängnis" am 8. Dezember, wie es in der Wiesauer Chronik unter dem Kapitel-Stichwort "kirchliche Vereine" weiter heißt. Warum die Geschichte der Jungfrauenkongregation endete, deren Chronik vielleicht sogar noch irgendwo schlummert, geht aus bekannten Aufzeichnungen aber nicht hervor.

Nur 15 Jahre lang aktiv

Zu den kirchlichen Vereinen gehörte auch die DJK, die in Wiesau aber nur 15 Jahre lang aktiv war. Die Buchstaben DJK stehen für "Deutsche Jugendkraft". Dieser Ausdruck war keineswegs eine Erfindung der überörtlichen Gründer, die sich 1920 in Deutschland dafür entschieden hatten, einen Sportverband unter dem Dach der Kirche ins Leben zu rufen. "Jugendkraft" - so sagt das Lexikon - war Ende des 19. Jahrhunderts ein alltäglicher und häufig verwendeter Begriff. Der damalige Zeitgeist zeigt sich auch an einem Beispiel aus Italien: Der Turiner Sportverein - dort waren viele Heranwachsende aktiv - gab sich den Namen "Juventus" (lateinisch für Jugend).

1931 gehörten der DJK Wiesau 90 passive Mitglieder, 35 Schüler und 55 aktive Turner an. Vorsitzender war der Wiesauer Chronik zufolge meist der jeweilige Ortskaplan der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Michael.

Finanzielle Belastung

1928 hatte die "Deutsche Jugendkraft" einen rund 5 800 Quadratmeter großen Turn- und Spielplatz im Umfeld der heutigen evangelischen Kirche erworben. Genutzt worden war dieser zuvor von der Wiesauer Spielvereinigung. Für den Kauf des Geländes und die notwendigen Arbeiten zur Neugestaltung musste der Verein 6 000 Reichsmark in die Hand nehmen. "Die hohe Schuldenlast drückte die DJK über viele Jahre", schreibt Heimatforscher Adalbert Busl in der Chronik.

Verboten durch Nazi-Regime

Verboten wurde die DJK schließlich wie so viele andere Gruppierungen von den Nationalsozialisten. Weitere Details aus der Vereinsgeschichte sind der Wiesauer Chronik nicht zu entnehmen. Eines ist aber gewiss: Eine Wiedergründung der DJK erfolgte bis heute nicht.

"Die hohe Schuldenlast drückte die DJK über viele Jahre."

Heimatforscher Adalbert Busl

Erinnerungen an den einstigen Burschenverein Wiesau

Wiesau
Vorläufer der Jungrauenkongregation war der 1910 gegründete „Marienverein der Pfarrei Wiesau.“
Die DJK Wiesau besaß auch eine Vereinsfahne, die, wie das Foto zeigt, beim Besuch eines Gottesdienstes in der Fuchsmühler Wallfahrtskirche mitgeführt wurde. Über den Verbleib der Fahne kann man nur spekulieren.
Die Namen dieses DJK-Sportler-Quartetts sind leider unbekannt. Die Aufnahme entstand am damaligen Sportgelände bei der heutigen Auferstehungskirche.
Das Gruppenbild zeigt den Nachwuchs der DJK. Deren Vorsitzender war der Ortskaplan. Um welchen Geistlichen es sich hier handelt, ist leider unbekannt.

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