13.08.2020 - 10:41 Uhr
Wildenau bei PlößbergOberpfalz

Gesundheit geht vor: Susanne Bittner erklärt, warum sie von allen Ehrenämtern zurücktritt

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Nach mehreren Gehörstürzen und Schwächeanfällen schnellten zuletzt auch noch die Zuckerwerte von Susanne Bittner in die Höhe. Die Ärzte raten ihr dringend, kürzer zu treten. Genug zu tun, hat sie trotzdem noch.

Susanne Bittner trat nach neun Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus dem Marktgemeinderat Plößberg aus. Auch alle weiteren ehrenamtlichen Tätigkeiten legte die 52-jährige Wildenauerin nieder.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Fast drei Wochen nachdem bekannt wurde, dass Susanne Bittner aus Wildenau ihre Ehrenämter niederlegt, sitzt sie in ihrer Küche und trinkt am Freitagnachmittag entspannt einen Latte Macchiato. Während des Gesprächs mit Oberpfalz-Medien klingelt einige Male das Telefon. "Das geht schon die ganze Zeit so", sagt die 52-Jährige und lacht. "Durchs Dorf kann ich momentan nicht gehen, ohne dass ich darauf angesprochen werde." Damit meint sie ihren Gesundheitszustand. "Fünf Gehörstürze und drei Schwächeanfälle in den letzten Wochen waren noch nicht genug", sagt sie. Bei einer routinemäßigen Untersuchung Ende Juli stellten die Ärzte fest, dass Bittners Zuckerwerte hochschnellten. "Von den Werten her müsste ich im Koma liegen, meinte mein Arzt", sagt Bittner. "Bei der Blutkontrolle vor einem Jahr hatte ich noch super Werte." Ihre Ärzte rieten ihr dringend, kürzer zu treten. Nicht zum ersten Mal.

Ehrenamt nicht als Stress gesehen

Die Belastung durch den Job, den Haushalt, als Alleinerziehende seit ihr Mann vor zwei Jahren verstarb, durch die vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten, und als Fraktionsvorsitzende der SPD, seien zu viel. "Es war Stress der mir Spaß machte. Eigentlich habe ich es nie als Stress empfunden, aber mein Körper scheinbar", erklärt Bittner. Dabei fühlt sie sich gut. "Die Leute meinen, es geht mir hundeelend, doch es geht mir gut", sagt sie. "So gesund wie seit zwei Jahren habe ich mich selten ernährt." Bittner trinkt nicht, raucht nicht. Seit einem Jahr macht die 52-Jährige Intervallfasten. 25 Kilogramm hat sie abgenommen. Seit sie vor wenigen Monaten eine Migränespritze bekam, ist sie zudem anfallsfrei. Ihre schlechten Blutwerte kann sie sich nicht erklären.

Dem Rat ihrer Ärzte befolgte Bittner letztlich aus zwei Gründen: "Ich bin die einzige die noch für meine Kinder da ist. Ich muss jetzt auf mich selbst schauen und meine Gesundheit in den Griff bekommen." Ein weiterer Faktor, der zum Entschluss führte, sei auch der plötzliche Tod ihrer Erbendorfer SPD-Kollegin Christine Trenner gewesen. Beiden Frauen kannten sich und engagierten sich bei der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) und der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Die Wildenauerin tritt von ihren Posten als SPD-Fraktionssprecherin im Marktrat zurück, zudem von ihren Ämtern als AsF-Vorsitzende des Unterbezirks Weiden-Neustadt-Tirschenreuth und als stellvertretende AWO-Kreisvorsitzende. Auch den Vorsitz der Dorfgemeinschaft Wildenau-Schirnbrunn legt sie ab. Ihre Arbeit im Marktgemeinderat empfand sie immer als ihren Dienst am Nächsten. Ihre Heimat für die Bürger gut mitzugestalten war ihre Motivation, ein offenes Ohr zu haben und nach Möglichkeit eine gute Lösung zu finden, war ihr wichtig. Dabei hatte Bittner, die 30 Stunden in der Woche als Bürokauffrau bei einem Bürotechnik-Unternehmen in Windischeschenbach arbeitet, die Politik nie gesucht. "Ich bin da reingerutscht." Zwar sei ihr Großvater in den 80er Jahren Bürgermeister gewesen und ihre zwei Brüder und ihr Vater kandidierten für die Freien Wähler für den Marktgemeinderat. Alle drei schafften es nicht ins Gremium.

Ihre Mutter habe Bittner damals überredet, bei der Kommunalwahl 2006 anzutreten. "Ich hatte damals zwei kleine Kinder zu Hause", war sich die junge Mutter damals unsicher. Sie kandidierte als Parteilose für den Marktrat und schaffte es auf einen Listenplatz. Später trat sie der SPD bei und rückte 2011 für ihren Mentor Roland Pfefferlein, der aus dem Gremium ausschied, nach.

Die Kandidatur für das Bürgermeisteramt 2014 hatte sich Bittner lange überlegt. Zunächst erkrankte ihr Sohn an Dyskinesie, einer Störung eines Bewegungsablaufs. Innerhalb von zwei Monaten wurde der Teenager ein Pflegefall, bevor er an Weihnachten plötzlich geheilt war. "Ein Wunder, für das meine Kirche gebetet hat. Auch die Ärzte konnten sich die Genesung nicht erklären." Kurz darauf erkrankte ihr Ehemann an Krebs. Zwei Jahre nach der Diagnose starb er im März 2018. Trotz der Schicksalsschläge erreichte sie als Bürgermeisterkandidatin 32 Prozent und engagierte sich die vergangenen sechs Jahre als Dritte Bürgermeisterin. "Ich bin ein Macher. Gott hat mich nicht ohne Grund so offensiv und impulsiv gemacht". Bekannt war sie für ihre Hartnäckigkeit in Diskussionen.

Gerade weil sich die 52-Jährige besonders engagierte, war die Nachricht ihres Rücktritts aus dem Marktrat ein Schock - besonders für die SPD-Fraktion. Am Donnerstag vor drei Wochen schmiedete sie noch voller Energie Pläne mit ihren SPD-Marktrat-Kollegen, am Freitag gab Bittner nach dem eindringlichen Arztgespräch bekannt, dass sie ihr Mandat niederlegt. "Sie können natürlich jederzeit auf mich zurückgreifen." Sie wünscht sich, dass die neuen Markträte mit eigenen Aufgaben schnell im Gremium Fuß fassen. Besonders auch Familie und Freunde waren bestürzt und machten sich Sorgen. Zudem erfährt die Freie Christin viel Unterstützung von ihrer Kirchengemeinde. Bei "GoChurch" ist sie weiterhin als Seelsorgerin aktiv.

Last von Schultern gefallen

Mit ihrer Entscheidung ist die Bürokauffrau glücklich. "Ich war sogar selbst überrascht, wie schnell die Last nach der Entscheidung von meinem Schultern gefallen ist." Jetzt widmet sie sich in ihrer Freizeit mehr den Hobbys, die sie nicht so sehr beanspruchen, wie etwa Malen, Lesen und Gitarre spielen. Bittner ist guter Dinge, dass sie ihre Gesundheit in den Griff bekommt.

Neue Angebote, sich ehrenamtlich zu engagieren, hätte die Wildenauerin schon wieder und versichert: "Ich bin noch für die Leute da." Es sei durchaus möglich, dass Bittner bei der nächsten Wahl wieder für den Marktgemeinderat antritt, schließt die 52-Jährige nichts aus. Aktuell vermisst sie diese Arbeit allerdings kein bisschen.

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Der Tod ihrer Erbendorfer SPD-Kollegin Christine Trenner machte Susanne Bittner sehr betroffen

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