23.06.2021 - 17:21 Uhr
Winbuch bei SchmidmühlenOberpfalz

Privates Naturschutz-Projekt: Wiese in Winbuch trägt neue Blüten

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So gern würde Herbert Fleischmann seinen Unterstützern wieder einmal die gemeinsame Blühwiese in Winbuch zeigen. Corona hat das verhindert. Aber die Wiese blüht. Und fast alle Paten, die sie seit 2019 bezuschussen, sind noch an Bord.

Herbert Fleischmann (links) und sein Sohn Markus auf der Blühwiese in Winbuch: Sie freuen sich, dass ihre Idee eines privaten Naturschutz-Projekts durch Unterstützung von "Paten" auch im dritten Jahr noch Blüten trägt.
von Heike Unger Kontakt Profil

Vielleicht klappt es ja heuer mit einem Treffen der "Paten", die dieses Projekt unterstützen. Corona hat dies im vergangenen Jahr verhindert. Aber die Blühwiese in Winbuch (Schmidmühlen/Landkreis Amberg-Sulzbach) konnte die Pandemie nicht ausbremsen: Sie macht ihrem Namen auch im dritten Jahr ihres Bestehens alle Ehre und lockt mit ihren bunten Blüten viele Insekten an. Rund 100 Unterstützer, nicht nur aus dem Raum Amberg-Sulzbach, sondern aus ganz Deutschland, haben eine Patenschaft für ein Stück der Blühwiese übernommen: Durch ihren finanziellen Beitrag haben sie es ermöglicht, dass der Winbucher Landwirt Herbert Fleischmann 2019 aus einem einst intensiv bewirtschafteten Acker eine naturbelassene Blühwiese gemacht hat. Die Redaktion von Oberpfalz-Medien, die auch eine Patenschaft übernommen hat, hat Herbert Fleischmann und seinen Sohn Markus auf der Wiese getroffen, um zu sehen, wie es läuft mit diesem privaten Naturschutzprojekt.

Angeregt durch das Volksbegehren "Rettet die Bienen" wollte der Winbucher Landwirt Herbert Fleischmann auch selbst ein Zeichen setzen und einen Beitrag zu Naturschutz und Artenvielfalt leisten. Er hat einen Acker, auf dem zuletzt Weizen wuchs, in eine Blühfläche verwandelt. Für diese Idee konnte er Paten begeistern, die ihn finanziell unterstützen: Jeder von ihnen zahlt Fleischmann 50 Euro pro Jahr, fünf Jahre lang, damit er diesen Teil seiner Landwirtschaft der Natur überlassen kann. Stilllegungs-Prämien, wie er sie von staatlicher Seite bekommen könnte, wollte der Winbucher ganz bewusst nicht in Anspruch nehmen: Er will sich nicht reinreden lassen. Zumal er manche Auflagen, die mit dieser Art Zahlungen verknüpft sind, für nicht sinnvoll im Sinne des Naturschutzes hält. Aber das müsse und solle jeder für sich entscheiden, fügt er hinzu, ohne das Thema weiter zu vertiefen.

Die Wiese bleibt

Dann erwähnt er doch noch einen Aspekt – denn der ärgert ihn richtig: Nach den derzeitigen Vorgaben für die Landwirtschaft muss er seine Blühwiese nach fünf Jahren wieder bewirtschaften. Ansonsten würde sie ihren Ackerstatus verlieren, was für ihn ein gewaltiger Wertverlust wäre. Wenn sich an diesen Rahmenbedingungen nichts ändert, müsste er also in zwei Jahren die Wiese aufgeben. "Da baust du fünf Jahre etwas auf, damit es wächst – und dann..." Er pausiert nur ganz kurz, holt Luft und fährt dann fort: Dann würde er eben an anderer Stelle eine neue Blühwiese anlegen. Denn er will auf jeden Fall weitermachen mit seinem Artenschutz-Projekt: Das ist ihm längst eine Herzensangelegenheit geworden. Das merkt man, wenn Fleischmann mit leuchtenden Augen von dem Leben schwärmt, das auf der bunten Fläche eingezogen ist. Und wenn er erzählt, wie kostbar die Momente sind, wenn er abends, zum Feierabend, hierher kommt, sich auf einen Baumstumpf setzt und es einfach genießt, da zu sein.

Die Blühwiese in Winbuch: Idylle für Mensch und Natur

Winbuch bei Schmidmühlen

Der kleine Anflug von Ärger über die Agrarpolitik ist vergessen, als Fleischmann auf den kleinen Teich zeigt, den er im vergangenen Jahr auf dem Natur-Gelände angelegt hat: Hier tummeln sich unzählige Libellen, deren leuchtend-blaue Körper in der Sonne funkeln. "Die fühlen sich hier wohl und kriegen viele Junge", freut er sich. Und sie scheinen die Brennnesseln, die neben dem Teich wachsen dürfen, zu lieben. "Da verstecken sie sich", erzählt Fleischmann. Genau das wollte er erreichen: Insekten durch viele Blüten eine Nahrungsquelle zu geben, aber durch Wiese, Teich und Steinhaufen auch Lebensraum für sie und andere Arten von Tieren und Pflanzen zu schaffen.

Vertrocknetes darf bleiben

Beides klappt offenbar ganz gut: Vor allem dort, wo gerade die lilafarbene Phacelia blüht, summt und brummt es besonders munter. Und in der wild wuchernden Wiese hat Fleischmann schon öfter Hasen und Fasane gesehen. Seine Lieblinge sind übrigens nicht die bunten Blüten, sondern das, was vom vergangenen Jahr noch übrig ist – die verdorrten Sonnenblumen und die braun-vertrockneten Disteln der Karde, die über den Blütenteppich hinaus in den weiß-blauen Bilderbuchhimmel ragen. Im Ziergarten würde man solch Verdorrtes sicher entfernen. Hier ist es auf seine Art schön. Und wertvoller Lebensraum: In den vertrockneten Stängeln fänden kleinste Lebewesen Unterschlupf, sagt Fleischmann – eine Art natürliches Insektenhotel.

Eigentlich war der Plan, die Fläche ganz sich selbst zu überlassen. Doch das funktioniert nicht, wie Fleischmann gemerkt hat: Nicht alles, was hier blüht, säht sich von selber wieder neu aus. Und viele Samen erreichen den Boden gar nicht, weil sie im Dickicht hängen bleiben, das sich in Bodennähe entwickelt. Also haben Fleischman und sein Sohn hier ganz vorsichtig mit dem Heuschwader ein bisschen aufgelockert, um das Dickicht zu lichten und Platz für Blüten-Nachwuchs zu schaffen. Auch ein wenig nachgesät haben sie, damit die Insekten auch heuer viele Nektarquellen finden. In etwa zwei Wochen, so schätzt Fleischmann, dürfte die Blütenpracht wohl ihren Höhepunkt erreicht haben. Er will jetzt noch eine Art Holzgeländer aufstellen – "für die Vögel". Das sei eine Idee eines Blühwiesen-Paten gewesen.

Vielleicht bald wieder Patentreffen

Mit ihren Unterstützern, den Paten, sind Herbert Fleischmann und sein Sohn ständig in Kontakt – per Mail oder Telefon. In einer eigenen Whatsapp-Gruppe postet Markus Fleischmann auch immer wieder mal Infos und vor allem Bilder, damit auch die Paten, die weit entfernt leben, auf dem Laufenden bleiben. Vielleicht, so hofft Herbert Fleischmann, erlauben die Corona-Vorschriften in der derzeit entspannten Pandemie-Situation Ende Juli auch wieder ein Patentreffen: Wie er es schon einmal gemacht hat, würde er seine Mitstreiter gerne nach Winbuch einladen – zu Kaffee, Kuchen und einem Besuch auf der Blühwiese. Stolz ist Fleischmann darauf, dass fast alle Paten dabei geblieben sind und ihre Zahlungen fortsetzen oder sogar noch aufgestockt haben. So konnte der Landwirt sein Projekt sogar noch vergrößern und auf der anderen Straßenseite noch eine zweite Blühwiese anlegen.

Mit einer Patin, die sich besonders gut auskennt, war Fleischmann vor einiger Zeit auf dem Gelände unterwegs: Sie habe hier 38 verschiedene Blumensorten entdeckt, berichtet er begeistert. Dass ihn manche wegen seines Projekts immer noch belächeln, stört ihn nicht. "Sicher kann ich damit nicht die Welt retten. Aber es ist ein Anfang", sagt Fleischmann. "Und wenn dann jeder ein bissl was tut", dann könne man wirklich etwas bewegen. "Wir haben jedenfalls mit unseren Paten ein Zeichen gesetzt."

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