20.11.2018 - 16:13 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Arzt muss zahlen

Für den beklagten Arzt und dessen Rechtsanwalt kommt das Urteil überraschend. 35.000 Euro Schmerzensgeld und Ersatz für alle Folgeschäden spricht Richter Peter Werner einer 47-Jährigen nach einer missratenen Hüftoperation zu.

35.000 Euro Schmerzensgeld hat das Landgericht Weiden einer Windischeschenbacherin nach einer missratenen Hüftoperation zugesprochen.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Leise, aber bestimmt sagte der verurteilte Arzt ein Wort auf die Frage, ob er in die nächste Instanz gehen werde: "Sicher." Dann verließ er mit seinem Bayreuther Rechtsanwalt Harry Braunersreuther das Landgericht Weiden.

Unerwartetes Ende

Nach einem ersten Termin der Zivilkammer im Juni hätte eigentlich bereits am 5. September ein Urteil fallen sollen. Der Termin wurde abgesagt, ein zweites Gutachten eingeholt und die Anhörung der beiden Parteien auf Dienstag terminiert. Dass der Zivilrichter dennoch seine Meinung gefällt und auch nach der Aussprache nicht veränderte, hatten der Arzt, der als externer Kooperationspartner in einem kleineren Haus der Kliniken AG Nordoberpfalz operierte, und sein Rechtsbeistand vor Betreten der Zivilkammer des Landgerichts nicht erwartet.

Wegen Schmerzen in den Innenseiten der Oberschenkel, den von Fußballern bekannten Adduktoren, war die Windischeschenbacherin 2014 zum Arzt gegangen - nicht nur zu einem, sondern zu mehreren, da die Ursache der Beschwerden lange unklar blieb. Schließlich landete sie mit Röntgenbildern und MRT-Aufnahmen bei dem Mediziner, der ihr Anfang 2015 ein künstliche Gelenk einsetzte.

"Kaputt ist kaputt", habe der Operateur ihr gesagt, als sie fragte, ob sie nicht zu jung für so einen Austausch sei. Wenn sie schmerzfrei sein wolle, helfe nur ein neues Gelenk. Aber: "Ich habe nicht gesagt, dass ich unbedingt operiert werden möchte - ganz bestimmt nicht." Diese Aussage entlockte Rechtsanwalt Christoph Scharf seiner Mandantin.

Aufgrund der Röntgenaufnahmen sei die Sache klar gewesen, bestätigte der Arzt vor Gericht seine damalige Diagnose einer klassischen Fehlstellung bei beiden Hüftgelenken mit Arthrose links. Eine Arthroskopie sei bei solchen Problemen keine Lösung. Krankengymnastik sei kein Ansatz bei der Patientin gewesen. "Sie war schlank und hat sich viel bewegt." Deshalb sei es richtig, dass er als dauerhafte Lösung nur eine Endoprothese genannt habe.

Nach der Operation hatte die Klägerin Schmerzen, mehr und anders als der erwartete Wundschmerz und schlimmer als bei der Patientin im Nachbarbett. Die Mutter zweier Töchter bekam zwei Beutel Blut und Blutplasma wegen einer Einblutung im Bein. Das war geschwollen, eine Reha erst einige Wochen nach der Krankenhausentlassung möglich. Auch danach blieben die Schmerzen. Der Operateur habe dennoch in Gesprächen mit ihr von einer perfekt sitzenden Hüfte gesprochen.

Ein guter Sommer

Es folgten weitere Arztbesuche, die Diagnose, dass die eingesetzte Pfanne zu groß sei und die Einkerbung des Psoasmuskels in einer Operation. "Dann hatte ich einen guten Sommer." Die Leidenszeit für die Windischeschenbacherin war aber nicht wie erhofft zu Ende. Sie erhielt eine neue Pfanne. Weil der Knochenzement nicht fest wurde, musste sie im Juli erneut unters Messer. "Im Moment geht es mir den Umständen entsprechend gut."

Von einem normalen OP-Verlauf sprach der Orthopäde. Um einen Gefäßschaden auszuschließen, habe man anschließend einen Internisten wegen der Blutungen hinzugezogen. Der Arzt bestätigte Schwellungen bei der Patientin. "Aber sie kam langsam auf die Beine und war soweit okay. Sonst würde ich niemanden nach Hause entlassen." Wegen der Schmerzen habe er ihr bei weiteren Nachuntersuchungen geraten, das Training noch etwas zurückzufahren.

Große Pfanne

"Es kann sein, dass der Muskel etwas an der Pfanne reibt, aber das liegt an der Anatomie." Es sei immer anzustreben, die Hüftpfanne so groß wie möglich zu nehmen, sagte der Operateur. So versuche man Abrieb zu minimieren und einen Wechsel möglichst lange hinauszuzögern.

"Ich werde mir kein weiteres Gutachten mehr anhören", meinte Richter Werner, dem schriftlich eine zusätzliche Expertise vorlag. Eine andere war am ersten Verhandlungstag im Juli vorgestellt worden.

Mit seinem Urteilsspruch sorgte er bei der Windischeschenbacherin für Freude. Neben dem Schmerzensgeld war ihr vor allem wichtig, etwaige künftige materielle und immaterielle Schäden, die auf die Operation zurückzuführen sind, ersetzt zu bekommen. Die Urteilsbegründung liefert der Richter den Parteien schriftlich nach.

Beim Prozessauftakt im Juni kam ein Gutachter zu Wort:

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