11.07.2020 - 17:42 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Bebauungspläne nicht mehr zeitgemäß

Ein Garagendach mit Wellastbest zu decken, war früher keine Seltenheit. Heutzutage kann sich das niemand mehr vorstellen. Doch manche alten Bebauungspläne schreiben dies noch vor. Auch in Windischeschenbach gibt es noch solche Pläne.

Dächer mit Wellasbest waren in den 70er Jahren keine Seltenheit. Heutzutage würde niemand mehr auf die Idee kommen. dieses Material zu verwenden.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Zwei Punkte in der Stadtratssitzung hatten veraltete Bebauungspläne zum Thema. Es handelte sich um die Pläne für Windischeschenbach-Nord und für den Bebauungsplan "Eggerten". Der Bebauungsplan Windischeschenbach-Nord besteht seit 1979. Eine erste Änderung gab es 1981 und eine zweite 1987. "Seitdem hat sich der modische Zeitgeist grundlegend gewandelt", sagte Bürgermeister Karlheinz Budnik. Auch eine energieeffiziente Bauweise steht nun mehr im Fokus, als in den 70er Jahren.

Die Bauverwaltung legte dem Stadtrat die Empfehlung ans Herz, den Bebauungsplan in diesem Fall komplett aufzuheben. Windischeschenbach-Nord umfasst grob das Gebiet zwischen Forellenstraße, Bergstraße, hinüber zur Steinwaldstraße und Pfarrer-Hof-Straße. Auf diesem Areal gibt zwar noch einige Baulücken, aber die meisten Flächen sind bereits bebaut. Bauherren, die in diesen Lücken bauen wollten, mussten oft eine Ausnahmegenehmigung beantragen, weil ihre modernen Vorstellungen von den alten Plänen abwichen. Eine Aufhebung käme sowohl der Verwaltung als auch dem Bauherren zugute, der sich dadurch Geld sparen könnte. Gibt es für einen Innenbereich keinen Bebauungsplan, dann müssen sich weitere Vorhaben in die bereits vorhandene Bebauung einfügen.

Dem Stadtratsneuling Markus Herrmann (Freie Wähler) wollte dies nicht so recht einleuchten. Er beantragte, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen, weil er befürchtete, dass sich in den Baulücken Gewerbebetriebe ansiedeln könnten. Windischeschenbach-Nord sei schließlich als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen worden. Diese Bedenken konnte der Bürgermeister zerstreuen. "Die Vorgaben das Baugesetzbuchs und der Bayerischen Bauordnung gelten nach wie vor", sagte er. Auch eine künftige Bebauung müsse sich in die Umgebung einfügen. Ist diese von Wohnbebauung geprägt, könne auch kein Gewerbe, das nicht der Versorgung der Bewohner dient, angesiedelt werden. Zudem sei auch die Immissionsschutzgesetzgebung zu beachten.

"Es gib in Windischeschenbach mehrere Bereiche, für die nie ein Bebauungsplan aufgestellt wurde, etwa dort, wo schon vor oder kurz nach dem Krieg gebaut wurde", informierte der Rathauschef. Herrscht hier Wohnbebauung vor, so ist eine Gewerbeansiedlung im Grunde nicht möglich.

Stadtbachmauer in Windischeschenbach marode

Windischeschenbach

„Es macht für mich keinen Sinn, wenn Bauherren eine Befreiung beantragen müssen, weil sie zum Beispiel keine Eindeckung mit Wellasbestzementplatten wollen, die in den 1970er Jahren vorgeschrieben waren", gab Budnik zu bedenken. "Wir wollen die Bauherren schließlich nicht knebeln, sondern unterstützen", sagte er und ließ über Herrmanns Ansinnen abstimmen. Lediglich Annette Dietl entschied sich ebenso wie Herrmann selbst für die Vertagung des Punktes. Der Stadtrat stimmte schließlich für die Aufhebung des Bebauungsplan. Dagegen waren Annette Dietl, Karl Gaach und Markus Herrmann (Freie Wähler) sowie Anne Droste von den Grünen.

Etwas anders stellt sich die Situation beim Bebauungsplan "Eggerten" dar. Hier hat das Landratsamt der Stadt geraten, den Plan zu ändern. Eine Aufhebung wäre nicht in Frage gekommen, da sonst eines der Grundstücke im Außenbereich liegen würde. Nach Rücksprache mit dem Landratsamt soll der Plan nun im beschleunigten Verfahren geändert werden. Dieser Beschluss fiel einstimmig.

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