Update 22.07.2021 - 14:29 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Bürgerentscheid zur Schule in Windischeschenbach am Sonntag: Sanierung oder Neubau oder beides?

Es geht um nüchterne Zahlen, aber auch um hoch emotionale Erinnerungen - und beides lässt sich nicht immer glasklar trennen. Soll die Schule neu gebaut oder saniert werden? Darüber stimmen die Bürger am Sonntag ab.

Über die Zukunft der Windischeschenbacher Schule mit ihrem weißen Altbau aus den 50er Jahren und dem neueren Betontrakt aus den 70er Jahren entscheiden die Bürger am Sonntag.
von Gabi EichlProfil

Der Stadtrat beschließt im April Abriss und Neubau mit nur einer einzigen Stimme Mehrheit. Nur die CSU-Fraktion steht geschlossen hinter dieser Variante. Allein das zeigt, wie umstritten das Vorhaben ist. Freie Wähler und Grüne wollen das komplette Gebäude sanieren, die SPD will teilweise abreißen, teilweise sanieren.

Die für die heutigen Schülerzahlen (245) viel zu große Grund- und Mittelschule war ursprünglich ausgelegt für 1000 Schüler und besteht aus unterschiedlich alten Teilen. Den Bau aus den 50er Jahren will die SPD erhalten. Der besonders schadhafte Betonbau aus den 70er Jahren dagegen kann nach ihren Vorstellungen abgerissen werden. Inzwischen ist auch die SPD nicht mehr gegen einen Neubau.

Nach der denkbar knappen 11:10-Abstimmung im Stadtrat entsteht sehr schnell eine parteiübergreifende Interessengemeinschaft (IG) Bürgerbegehren "Erhalt der bestehenden Schulgebäude“. 1170 Unterschriften werden gesammelt, das entspricht etwa einem Drittel der rund 3500 Wahlberechtigten. Der Titel des Bürgerbegehrens drückt klar aus, worum es den Unterstützern geht: Die Schule soll in all ihren Teilen erhalten werden.

Das langgezogene weiße Gebäude aus den 50er Jahren sei ortsbildprägend, die großen Klassenzimmer bestens geeignet für Präsenzunterricht auch unter Pandemie-Bedingungen. Für den Betonbau aus den 70er Jahren stellen sich die Befürworter einer Sanierung zum Beispiel flexible Lernlandschaften vor.

Die CSU im Stadtrat argumentiert in erster Linie mit den Kosten. Ein Neubau sei um etwa sechs Millionen billiger als eine Sanierung, und nachdem die Stadt seit diesem Jahr wieder Stabilisierungshilfe bekomme, könne man für einen Neubau mit hohen Fördersätzen rechnen. Dabei besteht die CSU nicht zwingend auf einem Abriss der alten Schulgebäude. Sollte sich ein Investor mit einem guten Konzept finden, sei ein Verkauf durchaus vorstellbar. Eine jahrelange Generalsanierung sei jedoch für die Schüler unzumutbar. Ein Neubau nach modernen pädagogischen und technischen Anforderungen sichere den Schulstandort langfristig.

Seither erreichen die Oberpfalz Medien wöchentlich Leserbriefe zu dem Thema. Viele Bürger berichten von persönlichen Erfahrungen und davon, wie wichtig ihnen die alten Schulgebäude seien. Zuletzt äußert sich auch Landrat Andreas Meier als Privatperson, wie er schreibt. Der frühere Windischeschenbacher Bürgermeister stellt sich auf die Seite der Neubau-Befürworter. Er argumentiert mit den Belastungen für die Schüler und der Förderung, die für ein deutlich zu großes Gebäude nicht so hoch wie gewünscht ausfallen dürfte.

Der Bürgerentscheid am Sonntag sollte schnell ausgezählt sein. Vom Ausgang des Entscheids hängt die Zukunft der alten Gebäude ab. Die Befürworter eines Neubaus könnten sich bei einem Mehrheitsvotum für den Erhalt immer noch für einen Verkauf der alten Gebäude entscheiden. Es könnte somit auch auf Neubau bei gleichzeitigem Erhalt hinauslaufen.

Die Argumente der Interessengemeinschaft

Windischeschenbach

Die Argumente von Architekt und Rektorin

Windischeschenbach
Kommentar:

Knurren statt informieren

Über Schönheit lässt sich bekanntlich ebenso gut streiten wie über Kunst und Ästhetik. Schwieriger wird das schon wenn es um Funktionalität geht. Doch auch da gibt es bei einem Thema wie der Zukunft der Windischeschenbacher Schule unterschiedliche Sichtweisen.

Einer (lokal-)politischen Auseinandersetzung unwürdig wird das Ganze, wenn Argumente der Gegenseite kategorisch als falsch abgekanzelt werden und schlagwortartig nur die eigene als einzig richtige Wahrheit in Endlosschleifen aus vielen Mündern herausgestellt wird.

Bei der Plastiktüte ist die Mehrheit aufgrund der Müllvermeidung für eine Abschaffung der Einmalbeutel. Bei den Windischeschenbacher Schulgebäuden hat es den Anschein, als dürfe schon der Gedanke an einen Erhalt samt Ertüchtigung zum Weiterbetrieb nicht laut gedacht werden. Das, was in Windischeschenbach neben Infostand und auch zu findender Sachlichkeit aber leider ebenfalls zu Tage getreten ist, war eher ein Schlacht, denn eine demokratisch, inhaltliche Information für die Bürger.

Steht bei der Entscheidung über Abriss, Neubau, Sanierung der Schulgebäude tatsächlich so viel auf dem Spiel, dass die Auseinandersetzung geführt wird wie die Begegnung mit einer Promenadenmischung, der die Gene eines unguten Mixes aus kläffendem Wadlbeißer und aggressiv knurrendem Kampfhund in sich trägt? Es bleibt spannend, wie die Wähler am Sonntag die Argumente werten und wie die Art der Auseinandersetzung.

Uwe Ibl

Hintergrund:

Der Bürgerentscheid

  • Nach der Stadtratsentscheidung im April werden im Zuge eines Bürgerbegehrens Unterschriften gesammelt; notwendig sind zehn Prozent, erreicht wird etwa das Dreifache.
  • Die Fragestellung eines Bürgerentscheids muss immer so formuliert sein, dass sie nur mit einem Ja oder Nein beantwortet werden kann. In Windischeschenbach lautet sie am Sonntag: „Sind Sie dafür, dass die bestehenden Schulgebäude dauerhaft erhalten bleiben und nicht abgerissen werden?“
  • Ein Bürgerentscheid entspricht einem Beschluss des Stadtrates. Er ist ein Jahr bindend und kann in der Zeit nur durch einen erneuten Bürgerentscheid geändert werden.

 

 

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