Im Hof der Zoigl-Wirtschaft "Beim Gloser" ist kein Platz mehr frei. Claudia Roth ist pünktlich. Launig präsentieren die beiden Bezirksvorsitzenden Tina Winklmann und MdB Stefan Schmidt die Kandidaten, die "alle gegen die Angstmacherei und gegen den rechten Populismus antreten". Die Kemnather Band "Soundgeflecht" spielt keine Blasmusik.
"Demokratieverächter"
Die Stimmung ist bestens, aber die prominente Rednerin dieses Nachmittags, die Grünen-Spitzenpolitikerin Claudia Roth, schlägt ernste Töne an, warnt vor einem Untergraben des liberalen Rechtsstaats in Deutschland, aber auch in Europa, in dem "Demokratieverächter" wie der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán ("ein Dauergast der CSU") tönten, sie wünschten nicht, "dass die weiße Hautfarbe in Ungarn mit der von anderen Menschen vermischt wird".
Roth stellt die Humanität als Maßstab politischen Handelns in den Vordergrund. Es könne kaum zur Normalität werden, dass Menschen im Mittelmeer ertränken. Grüne Politik - "das Gegenmodell" - stehe auch für ein europäisches Bayern, das sich die christliche Nächstenliebe auf die Fahnen geschrieben habe. Nicht umsonst seien inzwischen auch die Kirchen zunehmend irritiert angesichts der Diktion der derzeitigen Staatspartei. "Wir sind ein Einwanderungsland und wir brauchen dringend dieses Einwanderungsgesetz", sagt sie.
Wer nicht wählen geht...
Die Bedeutung eines jeden Wahlgangs sucht sie am Beispiel des britischen Brexits zu erläutern. Damals seien nur etwa 30 Prozent der jungen Menschen zur Abstimmung gegangen, dagegen 90 Prozent der älteren Generation. Nach der Abstimmung sei die Jugend aus allen Wolken gefallen und habe beklagt, die Alten hätten "unsere Zukunft verzockt". Für Roth ein Beispiel dafür, was passieren könne, wenn man sein Wahlrecht nicht ausübe.
Die Bundestagsvizepräsidentin hätte doppelt so lange gesprochen, wie sie es tatsächlich tut, aber ihr Bundestagskollege Stefan Schmidt verweist auf die fortgeschrittene Zeit. Ein paar Worte zum Klimawandel lässt sie sich jedoch nicht nehmen, zumal vor ihr ein Banner hängt mit dem Satz: "Es gibt keinen Planet B."
Bienen und Insekten seien das eine, aber es stürben bereits Vogelarten aus; die Gletscher in den bayerischen Alpen schmölzen inzwischen schneller als die im Himalaya. "Wir können keine Sekunde Zeit verlieren", sagt sie.
Lebensstil hinterfragen
Die Grünen müssten auch den Mut haben, "über unseren Lebensstil zu reden", und dies wohlwissend, dass das "fürchterlich in die Hose gehen kann" beziehungsweise in der Wahlkabine abgestraft werden könne. Die eigenem Bekunden nach leidenschaftliche Wurstesserin will niemandem die Salami vom Brot nehmen, aber sie appelliert, darüber nachzudenken, wie sehr das eigene Verhalten, die eigene Mobilität verantwortlich seien für die Situation, in der die Welt sich befinde.













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