16.02.2021 - 10:36 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Dank sei Corona: Asche aufs Haupt statt auf die Stirn

Die Redensart "Asche auf mein Haupt", die so viel bedeutet wie einen Fehler reumütig zugeben, ist heuer wortwörtlich zu sehen. Denn in diesem Jahr hat Corona auch Auswirkungen auf die traditionelle Liturgie am Aschermittwoch.

Pfarrer Hubert Bartel von St. Emmeram in Windischeschenbach streut einer Gläubigen Asche aufs Haupt.
von fsbProfil

Gemäß dem Vorschlag der vatikanischen Gottesdienstkongretation soll der Ascheritus heuer "wortlos und ohne Berührung" gespendet werden. Der Priester spricht für alle Anwesenden gut vernehmlich die Formel "Kehrt um und glaubt an das Evangelium" oder "Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst." Dann setzt er die Maske auf und lässt bei all jenen Gläubigen, die mit Maske zur Aschenauflegung herantreten, oder die auf ihrem Platz stehen und denen er sich nähert, die Asche auf das Haupt eines jeden rieseln. Diese Form ist bei uns neu, in anderen Ländern aber durchaus üblich. Normaler wird ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet.

Pfarrer Hubert Bartel von St. Emmeram in Windischeschenbach befürwortet diese Form der Ascheauflegung unter Beachtung der Hygienemaßnahmen - FFP2-Masken und ausgestreckte Arme als Abstand - und stellte sie vorab vor. Auch Pfarrer Thomas Kohlhepp von der Pfarreiengemeinschaft Mantel-Neunkirchen ist überzeugt, dass man dabei, da weder eine Berührung noch ein Ansprechen stattfinden, vor dem Virus geschützt sei. In einem Lebensmittelgeschäft oder im Supermarkt komme man sich viel näher – und man müsse sich beim Thema "Corona "auch mal erden, sagt der Geistliche. In Pirk wird Pfarrer Jaison Thomas nach dem Evangelium Asche auf das Haupt seiner Schäflein streuen. Die kommen aber aufgrund der Pandemie zurzeit nicht so zahlreich in die Gottesdienste, vor allem die älteren Leute und junge Familien. Man verzichtet zwar in der Pirker Pfarrei auf ein Aschetütchen zum Mitnehmen, wie in einigen anderen Pfarreien heuer üblich, bietet aber ein Gebetsblatt mit gezeichnetem Aschekreuz an, das im Eingangsbereich zum Abholen bereitliegt.

Pfarrer Alfons Forster in Michldorf will den Gläubigen und sich selbst einen so nahen Kontakt ersparen. Statt einer Ascheauflegung wird am Ende des Gottesdienstes ein Bußelement mit geistigem Impuls und Besinnungstext bei Orgeluntermalung angegliedert. Außerdem wendet er sich zu Beginn der Fastenzeit mit einer Videobotschaft im Internet an seine Pfarrangehörigen, um mit möglichst vielen von ihnen in Kontakt zu bleiben.

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Im Gottesdienst wird an diesem Tag die Asche gesegnet, die aus verbrannten Palmzweigen vom Palmsonntag des Vorjahres bereitet worden ist. Schon seit dem Mittelalter gibt es die Tradition, sich ein Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen zu lassen. Damit soll der Mensch an seine Vergänglichkeit erinnert und zur Umkehr aufgerufen werden. Zugleich steht es für die Hoffnung der Christen auf Auferstehung. Asche gilt als Symbol der Trauer und Buße und zudem, da sie in der Antike auch Waschmittel war, als Sinnbild für die Reinigung der Seele.

Eine Videobotschaft zur Fastenzeit von Pfarrer Alfons Forster

Michldorf bei Leuchtenberg
Hintergrund:

Aschermittwoch

  • Der Aschermittwoch ist der Beginn der 40-tägigen österlichen Bußzeit, die bis zum Karsamstag dauert. Hierbei werden die Sonntage nicht gezählt.
  • Die Zahl 40 geht auf die vierzigtägige Gebets- und Fastenzeit von Jesus nach der Taufe im Jordan zurück und findet sich in vielen weiteren Bibelstellen
  • Bereits im Altertum gab es den Brauch, sich die Asche der verstorbenen Verwandten auf Kopf und Gewand zu streuen, um so seiner Trauer Ausdruck zu verleihen
  • Im Alten und auch im Neuen Testament finden sich viele Texte über die Bestreuung mit Asche als Zeichen der Buße

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