Windischeschenbach
22.02.2019 - 11:14 Uhr

Poledance: Bei der Stange bleiben

Dass Poledance so ein negatives Image hat, ärgert Annelies Rettinger. Die 24-Jährige hat sich in den Sport verliebt, weil er so vielseitig ist.

Akrobatik, Ästhetik und Kraft: Diese Elemente vereint der Poledance-Sport. Bild: exb/Anja Barthen
Akrobatik, Ästhetik und Kraft: Diese Elemente vereint der Poledance-Sport.

Die Stange an der linken Schulter und die Hände über dem Kopf schwingt Annelies Rettinger mit den Beinen nach oben. Kopfüber hängt sie an der Stange, macht Drehungen. Dann lässt sie die Stange mit den Händen los, hält sich nur noch mit den Beinen. Poledance ist eine Mischung aus Kraftsport und Akrobatik. Körperspannung und Gelenkigkeit sind gefragt.

Die Leute reagieren allerdings sehr unterschiedlich auf Annelies Hobby. Viele mit Bewunderung: „Voll cool! Das muss doch total anstrengend sein. Diese Körperbeherrschung! Das stell’ ich mir schwierig vor.“ Aber es kommen auch unpassende Kommentare – „An dieser Stelle ist das Gespräch für mich dann oft beendet“, sagt sie.

Schlechtes Image

Für einige Menschen hat Poledance nach wie vor etwas Verruchtes an sich. Für die 24-Jährige ist es ein Sport wie jeder andere. Das schlechte Image sei schwer aus den Köpfen herauszubekommen, erzählt Annelies. Für sie macht es aber kaum einen Unterschied, ob man nun – wie beim klassischen Turnen – an einer waagrechten Stange turnt, oder beim Poledance an einer senkrechten. Beides sei Leistungssport.

Mittlerweile macht die junge Oberpfälzerin seit viereinhalb Jahren Poledance. „Ich bin eigentlich ein totaler Sportmuffel.“ Während des dualen BWL-Studiums in Ravensberg probierte sie den Sport trotzdem aus und war begeistert. Annelies landet in einem professionellen Poledance-Studio, dessen Inhaberin deutsche Meisterin und Trainerin ist. „Die Frau ist ein einziger Muskel“, sagt Annelies beeindruckt. Aber als Anfängerin tastete sie sich damals langsam heran: Mit ersten „Spins“ (Drehungen) und Übungen, bei denen man lernt, sich einfach an der Stange halten.

Drei Tage Muskelkater

Nach der Schnupperstunde hatte die junge Frau drei Tage Muskelkater. „Mit hat alles wehgetan, aber ich dachte nur ,Wow, was das bringt!‘“ Auch durch die gute Anleitung und Hilfestellung der Trainerin fühlte sie sich richtig gut aufgehoben. Die Oberpfälzerin hatte schnell Erfolge – auf „Climbs“ (Hochklettern und oben halten) folgten die ersten einfachen Figuren. Für Annelies stand fest, in jedem Fall weiterzumachen. Als Annelies mit dem Studium fertig ist, zieht sie aus beruflichen Gründen in den Markt Küps im oberfränkischen Landkreis Kronach. „Es war Zufall, dass es dort auch ein Tanzstudio gibt“, sagt die 24-Jährige. Als Fortgeschrittene ist sie dort im Training total frei. „Entweder übe ich eine Figur an der Pole oder die Trainerin studiert mit uns allen eine Choreographie ein.“ Wenn sie keine Figur übt, verbessert Annelies am Boden ihre Akrobatik.

Aktuell trainiert Annelies ein bis zwei Mal pro Woche. „Ich bin bei weitem noch kein Profi“, sagt sie. „Erst dachte ich ,So gut wie die anderen will ich das auch können‘. Dann hab ich’s endlich geschafft und war super stolz.“ Auch eine Portion Durchhaltevermögen gehöre dazu. Passiert ist ihr noch nichts. „Blaue Flecken gehören dazu.“ Das komme allerdings vom Halten an der Stange. An diese Belastung gewöhne sich der Körper schnell. „Zu Beginn hat mir von den Climbs der Fuß wirklich wehgetan, nach einigen Malen gar nicht mehr.“

Verschiedene Elemente

Annelies mag Poledance, weil der Sport viele Elemente vermischt und für alle geeignet ist. „Das ist auch so ein Klischee, das nicht stimmt. Dass man dafür knochendürr sein muss.“ Der ganze Körper werde trainiert. Vor allem die Arme und Schultern. Bei den Choreographien zu einem Lied wird auch an der Stange getanzt. „Das hat die Sportart ja im Namen: Poledance – Tanzen an der Stange.“ Technik und Umsetzung lerne man ganz schnell.

Zwar sind die Gruppenstunden teils sehr teuer – Interessierte zahlen je nach Studio zwischen 10 und 25 Euro pro Stunde – aber das investiert die Oberpfälzerin gerne. „Klar, das muss man sich auch leisten wollen“, kommentiert die 24-Jährige, die im Onlinemarketing tätig ist. „Die horrenden Preise kommen daher, weils so wenig anbieten.“

Poledance sei eben was ganz anderes, als das, was die meisten machen. „Ich mach das nicht, weil ich mich präsentieren will. Ich mach das für mich.“ Hemmungen hat die junge Frau nicht, über ihr Hobby zu reden, dennoch ist es nicht das erste, das sie erwähnt: „Ich stelle mich nicht vor und sage: ,Hallo, ich bin die Annelies und ich mache Poledance.‘“ Sie erzählt lieber von ihren beiden Shetlandponys Luna und Liesl – mit denen geht sie joggen, spazieren, reiten oder unternimmt Kutschenfahrten. Und zwei Mal in der Woche trainiert sie eben Poledance.

 
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