02.07.2020 - 15:47 Uhr
WinklarnOberpfalz

Winklarn: Mit Sauger gegen Eichenprozessionsspinner

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Nichts war es mit einer Pause am lauschigen Rastplatz unter Eichen am Badeweiher in Muschenried. Der Grund: Eichenprozessionsspinner. Am Montag ging's für die haarigen Raupen allerdings ab in den Sauger.

Baumpfleger Walter Preis hat auf seiner Hebebühne einen Asbestsauger dabei. Mit ihm entfernt er die Raupen des Eichenprozessionsspinners aus der Eiche bei Muschenried.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Eichenprozessionspinner sorgte in Muschenried für die Sperrung des Rastplatzes am Badeweiher. Damit ist jetzt Schluss: Am Montag rückten Walter Preis und Markus Menath den Raupen mit Sauger und Brenner zu Leibe. „Jetzt wird noch gemäht, dann können wir die Absperrung entfernen“, sagte Bürgermeisterin Sonja Meier. Sie ließ sich vor Ort von den Fachleuten über die Aktion informieren.

Bei Baumpflegearbeiten Ende Mai hatten die Mitarbeiter der „Baumpflege-Zentrale“ die Raupen in den Eichen nahe des ehemaligen Badeweihers entdeckt. „Der Rastplatz ist bei Wanderern und Radlern beliebt“, sagte Meier. Auch bei Spaziergängern, die hier am Weiher ein Päuschen einlegen und die Natur genießen wollen. Wegen der Gefahr durch die Härchen der Raupen (siehe Hintergrund) wurden die Bänke gesperrt. Die Härchen schützen die Raupen vor Fressfeinden, brechen leicht ab und können durch den Wind verteilt werden. Der Regen in der Nacht zum Montag kam da ganz gelegen, er dürfte einige Härchen aus den Eichen gespült haben.

Kompletter Schutz

„Wir saugen die Nester und die Raupen ab“, erläuterte Preis, ehe er dick vermummt mit der Hebebühne in die Kronen der Eichen fuhr. Preis trägt bei der Aktion einen Ganzkörper-Schutzanzug und eine Filtermaske. Sei Kollege dichtet die Handschuhe mit Klebeband ab. Vor zwei Wochen, erzählte Preis, habe er trotz aller Vorsicht einen Schwung Härchen abbekommen. Juckende Pusteln waren die Folge. „Letztes Jahr erwischte es einen Kollegen, der lag 14 Tage flach“, berichtete Menath.

Der Eichenprozessionsspinner

„Wir sind seit vier oder fünf Wochen fast nur wegen der Raupen unterwegs“, erzählte Preis. Wo sich die Spinner auf Eichen nahe Siedlungen, Spielplätzen oder Parkbänken tummeln, kommen die Profis zum Einsatz. Die Raupen landen in einem Asbest-Sauger, werden dann als Sondermüll entsorgt. Einzelnen Tieren oder Gespinsten rückt Preis mit einer Lötlampe auf den Pelz. Das tückische an den abgebrochenen Härchen: „Das Gift bleibt bis zu sieben Wochen aktiv“, weiß Menath. Deshalb ist Sorgfalt bei der Entfernung gefragt.

Markus Menath (links) packt seinen Kollegen Walter Preis dicht ein. Die Härchen des Spinners können Pusteln, Brennen, aber auch schwere allergische Reaktionen und Atembeschwerden hervorrufen.

Sauber gemäht

„Rund um die Bäume wird noch sauber gemäht, das Schnittgut entfernt. Dann können wir heute Abend die Absperrung entfernen“, sagte die Bürgermeisterin. Vom Bauhof rückte da schon die Mähmaschine an. Im Gebiet der Marktgemeinde gebe es noch ein paar Raupen-Nester, allerdings in der freien Flur, erzählte Meier. Da reichen dann Warnschilder. Dann dürfen die Raupen dort weiter in ihren Prozessionen ziehen. Die Bäume überstehen die Schäden in der Regel, wenn sie nicht mehrere Jahre hintereinander massiv befallen werden.

Walter Preis und Wolfgang Menath von "Die Baumpflege-Zentrale Burglengenfeld" erläutern Bürgermeisterin Sonja Meier (von links), wie sie gegen die Spinner vorgehen wollen.

Einsatz im Baum

Absperrung in Winklarn

Winklarn

Fälle auch in Gaisthal

Gaisthal bei Schönsee
Hintergrund:

Giftige Haare

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter. Seinen Namen verdankt er seinen Raupen, die im "Gänsemarsch" wie in einer Prozession vornehmlich in Eichen auf Nahrungssuche gehen. Die Raupen fressen die Blätter der befallenen Bäume. Tagsüber ziehen sich die Raupen in Gespinste zurück. Etwa ab dem dritten Larvenstadium entwickeln die Raupen Brennhaare mit Widerhaken, die ein Gift namens Thaumetopoein enthalten. Dieses kann beim Menschen Raupendermatitis, verbunden mit Hautreaktionen wie juckende Quaddeln, aber auch schwere Allergien und Atembeschwerden auslösen.

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