18.05.2018 - 11:10 Uhr

Kinderschutzbund: Angebote noch zu wenig genutzt: Wohlfühlpaket für Familien

Ein paar Kleinkinder wuseln im bunten Spielzimmer umher. Andere sitzen am Tisch und kneten Salzteig. Es ist gemütlich, in der offenen Betreuung des Kinderschutzbundes.

Der kleine Alexander beobachtet die Tauben, die draußen über die Vils fliegen. 	Bilder: Petra Hartl (3)
Der kleine Alexander beobachtet die Tauben, die draußen über die Vils fliegen. Bilder: Petra Hartl (3)

So ruhig wie an diesem Tag ist es in der Kinderbetreuung des Kinderschutzbunds selten. "Meistens haben wir sieben bis neun Kinder hier. Maximal zwölf nehmen wir auf", sagt Brigitte Breitfelder, Vorsitzende des Vereins. Die fest angestellte Kinderpflegerin Olga Golcer (im Wechsel mit ihren drei Kolleginnen) und eine ehrenamtliche Helferin spielen und basteln mit den Kindern, während Mama und Papa beispielsweise in Ruhe in der Innenstadt einkaufen, einen Arzttermin haben oder einfach mal in Ruhe einen Kaffee trinken gehen. Die offene Kinderbetreuung geht ohne Anmeldung, ganz spontan.

Mehr als nur aufpassen

Von 7.45 bis 12.15 Uhr (Montag bis Freitag; Samstag von 10 bis 13 Uhr) können die Kinder von eineinhalb bis sieben Jahren für sechs Euro in Betreuung gegeben werden. "Um halbzehn frühstücken wir gemeinsam, dann spielen und basteln wir. Es gibt auch eine Kuschelecke und einen Außenbereich", erzählt Breitfelder. Die Eltern seien auch stets eingeladen, mit dazubleiben. "Wir passen nicht nur auf, wir bieten den Kindern auch was", betont die Kinderpflegerin Golcer. Das ist dem Kinderschutzbund sehr wichtig. Mit einer Krippe oder einem Kindergarten sei die offene Betreuung aber nicht gleichzusetzen, alleine schon, weil keine Anmeldung erforderlich ist. Die Arbeit des Vereins ist um einiges vielschichtiger, als es zunächst scheint. Neben der offenen Betreuung, bietet er beispielsweise auch ein Elterncafé an. Dort können sich Mamas und Papas austauschen und einen Kaffee zusammen trinken, während die Kinder spielen. Dieses hat jeden zweiten Samstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Außerdem können getrennte Eltern mit geteiltem Sorgerecht, denen es nicht möglich ist das Kind zu Hause zu übergeben, dies dort in entspannter Atmosphäre tun und nicht "irgendwo an einer Tankstelle." Das erspart allen Beteiligten Stress und Unbehagen.

Ein Pate für die Familie

Auch wenn es in der Familie Gewalt oder andere Übergriffe gab, hat jedes Kind das Recht beide Elternteile zu sehen. Auch für begleiteten Umgang sorgen die Mitarbeiter des Kinderschutzbundes. Kommen die Eltern, oder ein alleinerziehendes Elternteil, im Alltag nicht mehr zurecht, werden Paten vermittelt, die ihnen unter die Arme greifen und sie auch mental und emotional unterstützen. Eine Psychologin schaut darauf, welcher Pate am Besten zu welcher Familie passt.

"Im Moment haben wir 23 ausgebildete Familienpaten, davon sind zwei Männer. Neben deutsch haben wir auch Leute die englisch, russisch und syrisch (seit vergangenem Jahr) sprechen", sagt die Vorsitzende. Diese Form der Unterstützung sei eine "direkte Hilfe. Wir müssen die Menschen da abholen, wo sie sind." Manchmal stoßen die Paten auch an ihre Grenzen. Im Notfall schalten sie dann das Jugendamt ein. Zunächst jedoch werden die Paten "gefühlt mehr akzeptiert, weil sie nicht vom Amt kommen".

Mit dem Jugendamt arbeite der Kinderschutzbund eng und sehr gut zusammen. Teilweise wird er sogar von diesem beauftragt und dadurch auch bezahlt. Außerdem finanziert sich der Kinderschutzbund durch Mitgliedsbeiträge, Bußgelder aus Gerichtsurteilen und Spenden, die aber sehr zurückgegangen seien, bedauert die Vorsitzende. Derzeit steht die Organisation, ihnen voran Brigitte Breitfelder, vor einem Problem: Vor kurzem sind vier der ehrenamtlichen Mitarbeiter weggefallen, weil sie über 80 sind. "Es ist vollkommen klar, dass das in dem Alter mit der Kinderbetreuung nicht mehr so geht."

Ehrenamtliche wichtig

Das Problem sei, dass mittlerweile auch die meisten Rentner auf einen Nebenverdienst angewiesen sind und es sich schlichtweg nicht leisten können, umsonst zu arbeiten. "Ich habe auch schon Muttis angesprochen, die könnten ihr Kind ja hierher mitnehmen, doch die haben meist selbst sowieso noch einen Nebenjob. Das ist ein generelles Problem." Breitfelder, die selber als Pensionistin ehrenamtlich arbeitet, würde sich sehr wünschen, dass sich mehr Freiwillige melden und dass sie die finanziellen Mittel hätte, die ehrenamtlichen auch mit einer Aufwandsentschädigung zu bezahlen. Auch die Paten bekommen nur diese und das, obwohl sie jeden Tag sehr wichtige Arbeit leisten. "Die Ehrenamtlichen sind so extrem wichtig, das kann ich gar nicht oft genug betonen."

Auch wünscht sich die Ambergerin, dass noch mehr Eltern ihre Angebote wahrnehmen. Nicht nur Familien mit Problemen können von der Unterstützung profitieren. Manchmal ist es einfach nur schön, sich auszutauschen oder Erledigungen zu machen. Der Kinderschutzbund bietet auch Babysitter-Kurse und Vermittlung für Schüler an, organisiert Fach-Vorträge oder hat einfach ein offenes Ohr. "Jeder kann mal zu uns reinschnuppern. Keiner ist böse, wenn sich derjenige dann umentscheidet", versichert Breitfelder.

Die Ehrenamtlichen sind extrem wichtig.Brigitte Breitfelder, Vorstandsvorsitzende des Kinderschutzbundes Amberg-Sulzbach

Für Eltern und Kind

Das vielfältige Angebot des Kinderschutzbundes Amber-Sulzbach:

Offene Betreuung

Begleiteter Umgang

Familienpaten

Familienberatung

BEKI - Selbsthilfegruppe für Kinder, die "aus dem Rahmen fallen"

Elternkurse: dient dem Austausch zwischen Eltern

Trennungskinder-Beratung

Elterntreff

Besuchscafé

Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche

Babysitterkurse (anv)

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Weitere Informationen:

www.kinderschutzbund-amberg.de

 
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