05.11.2019 - 17:51 Uhr
Wondreb bei TirschenreuthOberpfalz

Der Tod schaut hernieder

Der "Wondreber Totentanz" offenbart die Endlichkeit des menschlichen Daseins. In der kleinen Kapelle in dem Ortsteil von Tirschenreuth befindet sich das Kunstwerk, das seinesgleichen sucht.

von Ulla Britta BaumerProfil

Immer den Tod vor Augen: Wer möchte das schon? Dennoch gehört er zum Leben wie die Geburt. Eindrucksvoll wird dies in der Totentanz-Kapelle im Tirschenreuther Ortsteil Wondreb dargestellt. Wer den Blick nach oben richtet, hat immer den Tod im Auge. Die Malereien sind düster, grau in grau. Der Tod steht hinter den Menschen und sitzt mit ihnen am Tisch. Nur die Sonnenstrahlen, die durch die kleinen Kapellenfenster dringen, nehmen der Dramatik der 28 Gemälde den Schrecken. Schaurig-schön oder nur schaurig? Die Malereien erklären vieles über den sterblichen Menschen und die unsterbliche Menschenseele.

Die Kapelle selbst wurde 1669 erstmals in Schriften erwähnt. Bis heute ist nicht sicher, wer die Wandtafeln erschaffen hat. Am wahrscheinlichsten sei die Urheberschaft von Frater Cornelius von Bosche, in einer Zeit von 1710 bis 1721. Zu dieser Zeit hat auch der Wiener Pater und Prediger Abraham a Santa Clara gelebt. Die Texte zum Totentanz sind seinem barocken Werk "Todten Capelle" entnommen. Die Deckentafeln dagegen sind nach Kupferstichen von Christoph Weigel, einem gebürtigen Marktredwitzer, gestaltet. Auftraggeber des Totentanzes soll Abt Amseln aus dem Kloster Waldsassen gewesen sein.

28 Gemälde

Dieser Knochenmann ist schon ziemlich beeindruckend. Kaum kann man den Blick mehr abwenden von der Decke. Der Tod gesellt sich auf diesen 28 Gemälden wie selbstverständlich unter die Menschen: der Tod und der Mensch in "trauter" Zweisamkeit. "Er tanzt mit den kleinen Leuten" lautet unter anderem die Erklärung für eine Bilderserie, die den Tod im Alltagsgeschehen zeigt, mit einem Bauern auf dem Feld oder als schleichender Dieb, der sich zu einer Gruppe Männer heimlich gesellt. Eiskalt wird es, erblickt man den leibhaftigen Tod neben einem Kinderbett. "Der Tod kommt ins Leben mit der Geburt", so die Definition. Wie ein Macho reitet er auf dem Gemälde daneben auf einem kapitalen Hirsch, der hier als Todesbote gilt.

Brandner Kaspar

Spätestens seit dem Theaterstück und Film "Der Brandner Kaspar und das ewige Leben" darf beim Erforschen der Totentanz-Tafeln geschmunzelt werden. Die Bilder "Das ewige Leben lässt sich nicht erkaufen" sowie "Wer mit dem Tod spielt, kann nichts gewinnen" zeigen den Sensenmann mit einem Mann am Tisch sitzend im Spiel, ein anderes Mal reicht der Mann ihm einem Beutel Taler. Der klassische Totentanz muss Vorlage für den humorig-tragischen Theaterklassiker gewesen sein.

So düster die Darstellungen auch daherkommen, jeder Gast der Friedhofskapelle sollte sich in Ruhe einlassen auf diesen außergewöhnlich beeindruckenden Kunstschatz. Und vielleicht bleibt Zeit, um in den Chorstühlen unter den Deckengemälden im Gebet mit Gott über das Leben und den Tod zu diskutieren?

Kunstführer

Nicht nur Einzelpersonen besichtigen den Wondreber Totentanz. Viele Busgesellschaften planen dieses außergewöhnliche Kirchlein, das äußerlich ganz unscheinbar daherkommt, in ihre Stiftland-Tour oder Oberpfalz-Reise ein. Die Historie dazu hat Peter H. M. Rott in einem 16-seitigen Kunstführer zusammengefasst. Dieser ist gegen eine Spende in der Pfarrkirche erhältlich. Unter anderem stammen die Quellen zur Schrift aus einer Facharbeit von Stefanie Scharnagl. Die Wondreberin hat die Arbeit für ihre erste Staatsprüfung zum Lehramt an Grundschulen verfasst.

Informationen über Öffnungszeiten oder die Buchung einer Führungen erteilt das Pfarramt Tirschenreuth-Wondreb, Telefon 09631/2211.

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