13.07.2020 - 12:54 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Bewährung für rabiaten Motorradfahrer bei Marktredwitz

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Es war eine Begegnung brutaler Art für einen Lastwagenfahrer aus Hof. Nach kurzem Zwist mit einer Motorradgruppe handelte er sich, noch am Steuer sitzend, mehrere Faustschläge von einem Biker ein.

Symbolbild.
von FPHSProfil

Der Vorfall, der mit Faustschlägen endete und jetzt vor dem Amtsgericht Wunsiedel landete, begann am 6. Juni des vergangenen Jahres kurz nach Arzberg auf der B 303. Ein Lkw-Fahrer hatte eine Ladung im dortigen Industriegebiet abgeholt und steuerte sein Gefährt in Richtung A 93. Dann machte er Bekanntschaft mit den Fäusten eines Motorradfahrers.

Vor dem Lastwagen fuhr ein Biker mit einem schweren Motorrad extrem langsam. Offenbar wartete er auf seine Kumpel, die etwas zurückgeblieben waren. Der Lkw-Fahrer sah, dass es keinen Gegenverkehr gab, und überholte. Dass er dabei eine durchgezogene Linie überquerte, hatte wenig Bedeutung vor Gericht. Wohl aber, was folgte.

Der Lkw-Fahrer kam bis zur Einfahrt in die A 93 in Richtung Hof. Dort hatte sich eine Frau, die offenbar das Begleitfahrzeug der Motorradgruppe steuerte, so quergestellt, dass sie die Zufahrt zur Autobahn versperrte. Vor ihr mehrere Biker, die offenbar auf Nachzügler warteten.

Der Mann am Steuer des Lastwagens stoppte und hupte, um anzuzeigen, dass er vorbeifahren will. Nun kam Bewegung in die Motorradgruppe. Mindestens zwei Männer in Kutten stiegen von ihren schweren Harleys. Einer zeigte dem Mann den „Stinkefinger“. Der andere stieg zu ihm an das Führerhaus. Und kaum hatte sich der Lkw-Fahrer versehen, hatte er schon eine behandschuhte Faust im Gesicht.

Obwohl der erste Schlag saß, hatte der Geschädigte noch die Geistesgegenwart, zu seinem Handy zu greifen und den Angriff zu filmen. Weitere Schläge folgten, genau aufgenommen und mehrfach im Gerichtssaal betrachtet. Einer traf den Mann auf das Ohr, an dem er erst kurz vorher operiert worden war. Trotzdem filmte er auch noch die gesamte Motorradgruppe. Damit konnten die Fahrer später von der Polizei ermittelt werden.

Nachdem die Gruppe mit ihren schweren Zweirädern ihre Fahrt in Richtung Bayreuth fortgesetzt hatte, lieferte der Lastwagenfahrer erst seine Ladung in Hof ab, ging dann zu seinem Hausarzt, der ihn in eine Klinik überwies, und zur Polizei, wo er Anzeige erstattete.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Beleidigung und schwerer Körperverletzung. Schwer deshalb, weil anfangs von einem Motorradhandschuh mit verstärkten Kappen die Rede war. Was aber später nicht bewiesen werden konnte.

Der Lkw-Fahrer schilderte als Zeuge vor Gericht den Vorfall auf der B 303 drastisch. Für ihn sei das ein Trauma gewesen. Nicht nur, dass er seine Arbeit nach der Krankschreibung verloren habe. Die Brutalität auf der Straße nehme immer mehr zu, vor allem gegen Lastwagenfahrer. Der Vorfall mit den Bikern sei der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Er könne diesen Beruf nicht mehr ausüben. Deshalb suche er einen neuen Job.

Die Staatsanwältin sah die Schuld des Bikers als erwiesen an. Auch wenn er Helm und Sonnenbrille trug und der Mund bis zur Nase mit einem Tuch bedeckt war, so sei auf dem Film eindeutig zu sehen, wie er nach den Schlägen auf sein Motorrad stieg. Erschwerend werte sie die Spätfolgen für den Lkw-Fahrer. Die Vertreterin der Anklage forderte ein Jahr und zwei Monate Gefängnis mit Bewährung. Durch sein brutales Vorgehen habe sich der Biker als ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs erwiesen. Deshalb sollte sein Führerschein, den er im Februar abgeben musste, noch ein Jahr und drei Monate bei den Behörden in der Schublade bleiben.

Der Verteidiger dagegen war der Ansicht, dass der Biker nicht zweifelsfrei identifiziert worden sei. Die Tatsache, dass er auf ein auf ihn zugelassenes Motorrad gestiegen sei, genüge nicht. Er kritisierte, dass sein Mandant, ein unbescholtener Familienvater, von Anfang an wie ein Krimineller behandelt worden sei. Nur, weil er ein schweres Motorrad fahre und eine Kutte anhatte. Hier schieße die Anklage mit Kanonen auf Spatzen. Außerdem brauche der Mann dringend seinen Führerschein für seinen Job. Deshalb forderte er nach dem Grundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" einen Freispruch.

Dem konnte sich die Richterin nicht anschließen. An der Täterschaft des Angeklagten gebe es keinen Zweifel. Stimme, Dialekt, Gesichtspartie und das Kennzeichen des Motorrads – auf dem Video festgehalten – seien eindeutig. Auch die Beleidigung sei festgehalten, als der Biker gesagt habe „Fresse halten, du Idiot“.

Die Richterin verurteilte den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten. Auch auf seinen Führerschein muss der Mann für weitere zehn Monate verzichten. Immerhin profitiert die Verkehrswacht im Landkreis Wunsiedel von dem Vorfall. Denn an sie muss der Biker 1200 Euro überweisen.

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