18.02.2021 - 14:23 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Rentner beißt vor Gericht auf Granit

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Da das neue Gebiss zwickt, kann ein Mann nur Suppe essen, denn der Zahnarzt macht Urlaub: Nun weist der Richter zwar die Klage auf Schmerzensgeld ab – trotzdem gibt es ein Happy End.

Weil er viel Ärger mit seinen dritten Zähnen hatte, ging ein Rentner aus dem Landkreis Wunsiedel vor Gericht.
von FPHSProfil

Das Verhältnis von Arzt und Patient sollte eigentlich vor allem von Vertrauen geprägt sein. Das gilt verstärkt für den Zahnarzt, dem der Patient auf dem Zahnarztstuhl ja komplett ausgeliefert ist.

Nun, dieses Vertrauen hatte ein Rentner aus dem Landkreis Wunsiedel durchaus zu dem Mann, der schon seit Jahren sein Gebiss repariert hat. Offenbar aber doch nicht genug. Woran es nun lag, ob der Mann zu selten die Praxis aufsuchte und der Mediziner ihm nicht eindringlich genug ins Gewissen redete, was die konsequente Zahnpflege betraf, blieb bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Wunsiedel im Dunkeln, weil es rechtlich nicht relevant ist. Fakt ist, dass das Gebiss des Mannes alles andere als vorzeigbar war. Und auch mit der Gebrauchsfähigkeit stand es nicht zum Besten.

Tabula rasa

Maßgeblich für die Absicht des Mannes, in einem etwas besseren Licht dazustehen, war die Tatsache, dass er im reifen Alter noch einmal ein Kribbeln im Bauch spürte: Er hatte eine neue Frau kennengelernt. Und diese Frau genoss nicht nur das Leben mit ihm, sondern vor allem auch ein gutes Essen in einem gemütlichen Lokal. Da stört ein schlechtes Gebiss. Es war zu Zeiten, als das noch ohne Einschnitte möglich war, im Sommer 2019. Also begab sich der Mann zu seinem Zahnarzt, damals noch ein Mann seines Vertrauens. Und machte Nägel mit Köpfen. Genauer gesagt, Tabula rasa im Mund. Er ließ sich alle Zähne im Unter- und Oberkiefer ziehen, im Vertrauen auf ein makelloses Gebiss, das nicht nur die Optik, sondern auch den Biss verbessern sollte.

Was hatte der Mann nicht alles auf sich genommen. Das Ziehen der Zähne, verschiedene Anproben, den bürokratischen Aufwand mit der Krankenversicherung, viele Besuche in der Praxis.

Doch das neue Gebiss saß noch nicht. Konnte es auch gar nicht, weil die Wunden der alten Zähne noch nicht so ganz verheilt waren. Das Gebiss schmerzte. Der Mann hielt das nicht aus. Ein Provisorium, bis die Wunden richtig verheilt waren, angeboten vom Zahnarzt seines nun nicht mehr so großen Vertrauens, schlug der Mann aus. Aber die Schmerzen wollte er auch nicht in Kauf nehmen. Also nahm er ganz einfach das Gebiss aus dem Mund.

Zu allem Unglück hatte der Zahnarzt auch noch seinen wohlverdienten Jahresurlaub angetreten. Volle vier Wochen. Also konnte der Mann nicht einmal um Rat fragen oder Nachbesserungen in der Praxis fordern. Die dramatischen Folgen: Entgangener Essensgenuss, keine gemütlichen Stunden mit der Lebensgefährtin in schönen Lokalen und weniger Treffen mit der Angebeteten, weil ein Mann ohne Zähne halt doch kein ganzer Mann ist.

Also zog der Rentner einen Advokaten zurate mit dem Ziel, für die entgangenen Freuden des Lebens ein Schmerzensgeld von seinem Zahnarzt einzuklagen. Zum einen zweifelte er mit juristischer Hilfe die handwerkliche Sorgfalt des Mediziners an. Und zum anderen hätte der ihn besser beraten und auch über seinen Urlaub verständigen müssen. So hat der Kläger die Sache vor dem Zivilgericht des Amtsgerichts in Wunsiedel vorgetragen.

Klare Ansage

Eine Verständigung fand nicht statt. Der Richter machte dem Kläger – auch der beklagte Zahnarzt war mit juristischem Beistand erschienen – aber gleich zu Beginn unmissverständlich klar, dass er wenig Chancen auf Erfolg sehe. Es entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, dass das Anpassen eines Gebisses Zeit brauche und auf kaum abgeheilten Narben schwierig sei. Da wäre vielleicht doch ein Provisorium besser gewesen für die Übergangszeit. Wollte der Rentner aber nicht. Warum auch immer.

Den Antrag, einen Gutachter zuzuziehen, der das Gebiss begutachten sollte, lehnte der Richter ab und wies die Klage auf Schmerzensgeld ab.

Ein Gutes aber hatte das Ganze doch. Die Lebensgefährtin blieb trotz zahnloser Zeit bei dem Mann, was auf wahre Liebe schließen lässt. Auch dem Zahnarzt vertraut der Mann offenbar wieder. Denn zum Gerichtstermin kam er mit tadellosem Gebiss – angefertigt von dem beklagten Zahnarzt. Indirekt hatte der Kläger dem Beklagten in einem Sozialen Medium sogar noch ein Lob ausgesprochen: Denn da postete der Rentner ein neues Foto von sich, lachend mit einem Gebiss, das inzwischen auch hält.

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Das lastete der Rentner dem Zahnarzt an:

  • Mangels Beißwerkzeug konnte er sich nur noch von Suppe ernähren.
  • Die Gewichtsabnahme von neun Kilogramm würde manch anderen freuen – für den Rentner war es hingegen ein Nachteil.
  • Sogar das Rauchen, das er sich schon vor Jahren abgewöhnt hatte, habe er wieder angefangen, so der Kläger.

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