24.02.2021 - 16:04 Uhr
Wurz bei PüchersreuthOberpfalz

Reiterhöfe in der Corona-Krise

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Seit Dezember geht nichts mehr. Alle Reitstunden sind gestrichen. Corona legt den Betrieb auf vielen Reiterhöfen in Weiden und dem Kreis Neustadt/WN lahm – und die Betreiber können es nicht verstehen.

Steffi Mandry und Mario Riedel mit ihren Pferden Bounty, Sunshine, Josie und Sunny.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Josie kommt angetrabt, als sie die Besucher am Zaun stehen sieht. Die Stute spitzt die Ohren und schnuppert neugierig. "Unsere Pferde vermissen die Kinder", sagt Steffi Mandry (24). Seit 9. Dezember 2020 dürfen keine Reitstunden mehr angeboten werden. Auch Einzelunterricht, geführte Ausritte oder Ponyreiten für Kinder sind seit diesem Zeitpunkt verboten. Dazu gibt es vom Landwirtschaftsministerium eine Verordnung. Steffi Mandry aus Weiden kann das nicht verstehen. "Auf dem Reitplatz im Freien hätten wir genügend Abstand", gibt sie zu bedenken. Zusammen mit ihrem Partner Mario Riedel (25) bietet sie nebenberuflich Reitunterricht und Ponyreiten auf der "Deinzer-Ranch" in Matzlesrieth an. Von den vier Pferden, die das Paar besitzt, sind zwei für den Unterricht angemeldet.

Rund 50 Reitschüler kommen in normalen Zeiten regelmäßig nach Matzelsrieth. Vor allem Kinder begeistern sich für das familiäre Angebot. Dass momentan gar nichts möglich ist, bedauert die junge Frau – auch in finanzieller Hinsicht. "Unsere Ausgaben laufen ja weiter", sagt sie. Die monatlichen Fixkosten betragen etwa 800 Euro. Dazu zählen die Stallmiete, Zahlungen für den Hufschmied, den Tierarzt, Futter und die Versicherung. "Wir kommen schon irgendwie über die Runden", sagt das Paar. Steffi Mandry arbeitet in Teilzeit als Hauswirtschafterin bei der Caritas in Floß, Mario Riedel ist in Vollzeit bei Bestattung Bauer in Weiden beschäftigt. Ohne diese Jobs würde es nicht gehen, sind sich die beiden sicher.

Kritik an Politik

Auch auf dem Lipperthof in Wurz fehlen die Reitschüler. Die Familie Reber, die seit Jahren Islandpferde züchtet, ausbildet und immer wieder internationale Meisterschaften veranstaltet, verkraftet den Ausfall des Reitbetriebs noch eher als ein kleiner Zwei-Mann-Betrieb. Dennoch zweifelt Uli Reber so manche Entscheidung der Politik an. "Das haben Leute gemacht, die keine Ahnung haben." Mitarbeiterin Franziska Endres kann sich diesen Worten nur anschließen. Sie kann nicht verstehen, warum es nicht möglich sein soll, Einzelreitstunden anzubieten. Der Reitlehrer wäre auf dem Platz mehrere Meter weg von dem Schüler. "Ich könnte mich sogar ins Häuschen setzen und von dort Anweisungen erteilen", sagt sie.

Die bayerischen Corona-Regeln

Bayern

Unverständnis über die Regelungen herrscht auch in der Reitschule "Happy Horses" in Pressath. "Selbst wenn vier Leute hintereinander reiten würden, wäre immer noch genügend Abstand", sagt Inhaberin Kristen Schraml. "Man reitet ja nicht dicht an dicht, da wären locker sechs bis sieben Meter zwischen jedem Pferd." Einnahmen hat sie zurzeit nur durch die Pensionspferde, die in ihrem Stall stehen. "Sogar der gewerbliche Verleih von Pferden ist verboten", ärgert sich Schraml. Selbst die Mutter mit ihrem Kind, die das Pony selbst putzt und sattelt und dann mit dem Pferd am Zügel eine Stunde ins Gelände geht, darf nicht kommen.

Bevor die Verordnung am 9. Dezember in Kraft trat, die jeglichen Reitunterricht untersagte, war es noch möglich, außerhalb von Reithallen und Reitplätzen bis zu zwei Personen oder Angehörige eines gemeinsamen Hausstands zu unterrichten. Für Franziska Endres vom Lipperthof erschließt sich das nicht. "Im Gelände reite ich nebenher und wäre sogar näher daran, als auf dem Reitplatz", wundert sie sich.

"Halten uns an alle Vorschriften"

Dennoch nehmen die Verantwortlichen am Lipperthof den Infektionsschutz sehr ernst. "Wir halten uns an alle Vorschriften", verweist Endres auf das Hygienekonzept. Für die Schulpferde, die normalerweise für den Unterricht mit wöchentlich 140 Reitschülern zur Verfügung stehen, gibt's zurzeit nichts zu tun. "Wir haben einen Offenstall, daher geht es noch", sagt Franziska Endres. Dennoch müssen auch diese Tiere bewegt werden. Das übernehmen größtenteils die Mitarbeiter des Lipperthofs, die dafür neben ihren eigentlichen Aufgaben noch Zeit finden müssen.

Auch Steffi Mandry und Mario Riedel versuchen, den Pferdealltag so gut es geht, aufrecht zu erhalten. "Wir gehen mit den Pferden halt ohne den Kindern oben drauf in die Natur", erzählt Mandry. "Hoffentlich wird es im Frühjahr besser." Darauf bauen auch die Verantwortlichen des Lipperthofs. "Man merkt schon, wenn die Sonne rauskommt, bekommen wir wieder mehr Anrufe", sagt Franziska Endres. Spätestens bis zu den Osterferien sollte sich die angespannte Coronalage wieder beruhigt haben, hofft sie. "Denn die Ferien bieten immer eine große Einnahmequelle für die Reitschule." Auch Kirsten Schraml hofft auf bessere Zeiten: "Die Kosten werden ja nicht weniger."

Was ist auf den Pferdehöfen erlaubt?

  • Mindestabstände sowie Schutz- und Hygienemaßnahmen müssen in jedem Fall eingehalten werden können.
  • Bei Einstellern soll pro Pferd und Tag nur eine Person auf den Betrieb kommen. Elternteile können ihre Kinder mitbringen, für die sie keine Betreuung haben.
  • In geschlossenen Räumen wie Sattelkammern oder Toiletten ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung verpflichtend.
  • Keine Gruppenbildungen – auch nicht im Freien.
  • Der Betrieb und die Nutzung von Reithalle oder -plätzen zur Bewegung von Tieren ist aus zwingenden Gründen des Tierwohls zulässig.
  • Freizeitaktivitäten dürfen gewerblich nicht angeboten werden, darunter fällt der „gewerbliche“ Verleih von Ponys oder Pferden für Ausritte oder Spaziergänge.
  • Medizinisch notwendige Therapien mit Pferden können stattfinden. Dabei gilt die Maskenpflicht.
Franziska Endres und Uli Reber vom Lipperthof. Infektionsschutz wird in Wurz großgeschrieben, dennoch können sie manche Entscheidung der Politik nicht verstehen.

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