16.06.2019 - 11:43 Uhr
Wurz bei PüchersreuthOberpfalz

Wurz feiert 950-jähriges Bestehen

1069 – König Heinrich IV. übergibt dem Bamberger Bischof Hermann das Gut "Wrzaha". Wurz ist gegründet. 950 Jahre später wird groß gefeiert.

von Walter BeyerleinProfil

Der schattige Garten des ehemaligen Pfarrhofes war am Samstagnachmittag Schauplatz für den Auftakt der Feierlichkeiten zum 950. Jubiläum des Püchersreuther Ortsteiles Wurz. Die Dorfstraße vor dem Eingang war herausgeputzt. Hochgewachsene Blumenstöcke sorgten für Farbtupfen. Im Pfarrgarten waren die Tische festlich geschmückt.

Drei Salutschüsse vom „Löherl“ aus verkündeten den Besuchern den Start zum ersten Festnachmittag. Bürgermeister Rudolf Schopper freute sich über den Besuch zahlreicher Bürger und über die Anwesenheit der Ehrengäste Landrat Andreas Meier, Altbürgermeister Lorenz Enslein, Bürgermeister Markus Ludwig aus Störnstein und Pfarrer Manfred Wundlechner. Schopper fand besonders herzliche Worte für die Hausherrin Rita Kielhorn.

Leistung der Vorfahren

Das Püchersreuther Gemeindeoberhaupt nannte die 950-jährige Geschichte des Ortsteiles eine lange, jedoch nicht verlorene Zeit, weil dort mehrere Tausend Bürger ihre Heimat hatten. Alle Vorfahren hätten ihren Beitrag geleistet, den Ortsteil stetig wachsen zu lassen. Dem Besucher präsentiere sich ein sauberes Ortsbild dank vieler Initiativen der Einwohner. Unternehmen mit Weitblick hätten sich angesiedelt, die Kultur finde in den Sommerkonzerten oder bei Auftritten in der "O´Schnitt-Halle" eine Heimat. Der Ortsteil habe einen Wandel erlebt, der sich besonders in der Landwirtschaft zeige, sagte Schopper. Als Grundstein für das jetzige Aussehen des Ortsteils nannte der Bürgermeister die „gelungene“ Dorferneuerung.

Irene Fritz von der Kulturwerkstatt Kalmreuth stellte die Jugendkunstschule Weiden vor, dazu auch die Schüler einschließlich Lehrer aus dem Nachbarland, die sich am Projekt „Wandmalerei“ beteiligt hatten.

Süßer Genuss

Die Gäste trugen sich ins Goldene Buch der Gemeinde Püchersreuth ein. Einen absolut „süßen Abschluss“ gab es in der Scheune des Pfarrhofes. Dort hatte Svetlana Völkl die von ihr gefertigte Jubiläumstorte aufgebaut, die bei allen Besuchern auf größte Bewunderung stieß. Landrat Meier, Svetlana Völkl, Bürgermeister Schopper und Rita Kielhorn schnitten „Hand in Hand“ die Torte an.

Das mittelalterliche Ensemble Tryzna aus Stettin begleitete den Nachmittag mit entsprechenden Klängen. Dazu gehörte auch ein viel beachteter Einzug durch das große Tor in den Pfarrgarten.

Info:

Hartes Leben im Mittelalter

Rita Kielhorn verlas den Wortlaut der historischen Schenkungsurkunde, verbunden mit der Erkenntnis, dass es im Jahr 1069 bereits eine Kirche in Wurz gab. "Wrzaha" war im Gau Nortgowe, in der Grafschaft Heinrichs, gelegen. Die Schenkung überließ zugleich den Landsleuten dieses Allods das sogenannte Maß „Wolfscheffel“.

Das Leben zur damaligen Zeit im Ort lasse sich nicht mehr nachverfolgen, es stehe vielmehr nur fest, dass Hunger zum regelmäßigen Leben gehörte. Sogar kleine Kinder sollen damals aus Hunger verzehrt worden sein. Ein Umstand, der bei den Besuchern auf höchste Verwunderung stieß. Diese Tatsache sei von einem Historiker so beschrieben worden und lasse möglicherweise eine Verbindung zum Märchen von „Hänsel und Gretel“ erkennen.

Kielhorn schloss ihren umfassenden geschichtlichen Bogen zum Zweiten Vatikanischen Konzil, sprach über die Entwicklung der Landwirtschaft, über die wirtschaftliche Situation in China und kam letztlich unter dem Lachen der Besucher zur Erkenntnis, dass von all dem Wurz unberührt und ein „kleines Dorf“ geblieben sei. Es habe die „Stürme der Zeit“ überlebt und könne jetzt mit Oberpfälzer Zoigl feiern, der Teil des immateriellen Kulturerbes sei.

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