15.07.2020 - 11:46 Uhr
Wutschdorf bei FreudenbergOberpfalz

Vogel-Nachwuchs im Bücherregal: Bis auf einen Nesthocker alle ausgeflogen

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Diese Geschichte hat ein Happy End. Fast. Denn nur einer der vier Jungvögel, die ein Rotschwänzchen in der Pfarrbücherei Wutschdorf ausgebrütet hat, sitzt dort noch in dem Nest im Bücherregal.

Ob ihm die Musketiere beim Abflug helfen können? Als Rastplatz auf jeden Fall. Der letzte verbliebene Jungvogel in der Pfarrbücherei Wutschdorf macht hier gerade noch Flugübungen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Anfang Juli hatte Ute Beigel, die Leiterin der Pfarrbücherei Wutschdorf (Freudenberg/Amberg-Sulzbach), zum ersten Mal von ihren Überraschungs-Gästen berichtet: In einem Bücherregal der kleinen Bibliothek hatte ein Rotschwanz sein Nest gebaut und seine Jungen ausgebrütet. Beigel hatte anfangs gemeint, fünf Küken gezählt zu haben, tatsächlich waren es aber nur vier. Offensichtlich waren die Alttiere über das gekippte Fenster in die Bücherei "eingezogen".

Rotschwanz brütet in der Pfarrbücherei Wutschdorf

Wutschdorf bei Freudenberg

Inzwischen sind drei der gefiederten Knirpse ausgeflogen, erzählte Beigel am Mittwoch. Zwei von ihnen hatten offenbar keine Probleme, durch das gekippte Fenster ins Freie zu kommen. Der dritte Jungvogel bekam ein bisschen Hilfe: Um ihm dem Abflug zu erleichtern, öffnete die Ute Beigel ihm dann das Fenster ganz.

Es wurde eng im Nest

Damit sitzt jetzt nur noch ein Vögelchen im Nest. Dort sei es mit der Zeit, als die Jungen größer wurden, schon ziemlich eng geworden, meint Ute Beigel. Der Nachwuchs habe sich aber weiterhin "sehr gut benommen", sei eigentlich sehr ruhig gewesen. "Die einzigen, die sich aufgeregt haben, waren die Eltern", berichtet Beigel lachend. Allerdings habe es gar nicht so viel Grund zur Aufregung gegeben – der große Neugierigen-Ansturm auf die Bücherei sei ausgeblieben. Und die Besucher, die kamen, hätten sich sehr zurückgehalten, um die Vögel nicht zu stören.

Den "einen oder anderen Klecks" musste sie zwischendurch auch wegputzen, aber das sei schon in Ordnung gewesen: Beigel freut sich, dass diese kuriose Geschichte nun offenbar ein gutes Ende nimmt. Der jetzt noch verbliebene Nesthocker werde auch immer noch von den Altvögeln versorgt. "Die Eltern kommen noch mit Würmern im Schnabel." Vielleicht ist er einfach noch nicht so weit, meint die Bücherei-Leiterin – der Kleine habe auch noch Babyflaum auf dem Kopf. Und er übt fleißig. "Er flattert von einem Buch zur Vorhangstange." Die Altvögel seien auch immer in der Nähe, die Wutschdorferin sieht sie oft im Nussbaum nahe der Bücherei. Und würde sich freuen, wenn dort bald auch die flügge gewordenen Kleinen öfter mal vorbei schauen würden.

"Ein typischer Nistplatz"

Vom Landesbund für Vogelschutz, Kreisgruppe Amberg-Sulzbach, hatte die Redaktion erfahren, dass es tatsächlich Rotschwänzchen sind, die sich in der Pfarrbücherei eingenistet haben. Dass sie sich in Gebäuden niederlassen, sei gar nicht so ungewöhnlich: Diese Vogelart ziehe gerne in Bauten wie Fabriken oder auch Garagen. "Eigentlich ein typischer Nistplatz, von der Nischenform her", meinte Experte Rudi Leitl dazu: "Hausrotschwänze können bei entsprechendem Verhalten der Menschen sehr zutraulich werden. Bei meiner Mutter brüten seit vielen Jahren auch welche und die fressen fast aus der Hand."

Hausrotschwänze können laut Leitl "auch relativ gut mit Räumen umgehen", wie man auch am beispiel Wutschdorf sehen könne: Die Altvögel hätten anscheinend kein Problem, ein gekipptes Fenster als Zu- und Ausgang zu nutzen. Leitl weist in diesem Zusammenhang auf einen Mangel an Nistplätzen hin. Bei den Rotschwänzchen könne man aber "leicht mit einer Halbhöhle abhelfen". Diese Art sei zudem als Insektenfresser sehr nützlich: "Rotschwänzchen fressen überwiegend die Insekten und deren Larven, von denen es viele gibt." Der Hausrotschwanz sei "seit langem ein Kulturfolger, der menschliche Gebäude als Ersatz für Felsennischen nutzt und somit seine Verbreitung stark ausdehnen konnte".

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