18.02.2019 - 11:37 Uhr
Zant bei UrsensollenOberpfalz

Heimatgeschichte: Warum Zant a finsters Nestl ist

Ob das Zantner Bergstüberl schon einmal so gefüllt war? Über 50 Heimat-Interessierte drängten in die Gaststube von Brigitte und Gerd Dzalakowski, um historische Fotos aus der Umgebung zu sehen.

Die meisten Fotos aus dem Nachlass eines Ambergers stammen von der Josefi-Kirchweih in Zant im März 1964. Hans und Gertraud Fehlner waren anscheinend kurz vorher am Kirwastand von Max Specht aus Hohenkemnath.
von Josef SchmaußerProfil

Heimatpfleger Josef Schmaußer aus Hohenkemnath kam vor kurzem in Besitz vieler historischer Farbdias aus den frühen 1960er-Jahren: Diesen heimatkundlichen Schatz wollte er mit anderen teilen. Die Bilder boten dann auch viel Gesprächsstoff.

Schmaußer eröffnete den Nachmittag mit der Zantner Litanei. Josef Lautenschlager aus Heinzhof hatte diese Kuriosität aus dem Nachlass seiner Schwiegermutter Martha Reinwald (Reinbrunn) übermittelt. Ortslitaneien sind eine Oberpfälzer Spezialität, mit der in gereimter Form ortstypische "Gecken" übermittelt wurden. Viele Familien- und Hausnamen, die in der Litanei vorkommen, kennen nur noch die heute über 60-Jährigen.

Erzählt wird zum Beispiel, warum Zant nicht schon 1922/23 elektrischen Strom in den Ort verlegt bekam, sondern erst 1944: Eine Familie hatte sich damals vehement gegen "des neimodische, unnütze Zeich" gewehrt. "Zant bleibt a finsters Nestl", beschwerte sich damals der Vorbesitzer des jetzigen Anwesens Koller, "da Wessl". Duplizität der Ereignisse: Zant ist die einzige Ortschaft der Gemeinde Ursensollen ohne Straßenbeleuchtung. Warum? Ein Gemeinderat meinte vor Jahren: "Wer braucht denn des neimodische Zeich?"

Besonders erfreut war der Heimatpfleger, dass viele Jugendliche Interesse an ihrer Ortsgeschichte zeigten und auch manche ehemalige Zantner zurück in ihre alte Heimat kamen, um in Erinnerungen zu schwelgen. Wer hatte in den frühen 1960er-Jahren schon einen Fotoapparat? Zudem sind die "geerbten" Fotos von erstaunlich guter Qualität. Nach Zant, Stockau, Kemnatheröd (mit einem Bild der spektakulären Notlandung eines Sportflugzeuges im Sommer 1994, das seinen Propeller verloren hatte) wurde der Bogen über Garsdorf, Erlheim und Bittenbrunn bis zum "Dürren Wirt" gespannt.

Der Humor kommt bei Schmaußers Vorträgen nie zu kurz. Er erinnerte an folgendes, verbürgte Ereignis: Am Donnerstag, 20. November 2003, schaffte es ein Maurerpolier aus der Region, mit viel Prominenz im Hintergrund im Amberger Lokalteil der Mittelbayerischen Zeitung abgebildet zu werden.

Im Beisein von Innenminister Günter Beckstein, Staatssekretär Karl Freller, Oberbürgermeister Ulrich Maly, Fußballikone Franz Beckenbauer und Ministerpräsident Edmund Stoiber durfte der Handwerker aus Bittenbrunn für das Funktionsgebäude der WM-Arena Franken-Stadion in Nürnberg den Grundstein legen. Anschließend kam Franz Beckenbauer auf den Polier zu und bot ihm zwei Eintrittskarten für ein WM-Spiel an. Doch der entgegnete: "Der Schmarr'n interessiert mi niert!" Leider ist nicht bekannt, wie "der Kaiser" auf diese Abfuhr reagiert hat.

Im Blickpunkt:

Neuer Termin

Wegen der großen Nachfrage und auf Bitten vieler Heimatfreunde wiederholt Josef Schmaußer beim heimatkundlichen Stammtisch der Gemeinde Ursensollen am Donnerstag, 21. Februar, ab 19 Uhr in der Waldschänke am Hirschpark seinen Diavortrag. Er zeigt an diesem Abend noch einmal alte Bilder aus Zant, Stockau, Kemnatheröd und anderen Orten der Umgebung. Sie stammen aus dem Nachlass eines Amberger Heimatfreundes mit vielen, meist 50 Jahre alten Farbdias.

Ob das „Zantner Bergstüberl“ je so gefüllt war? Über 50 Personen drängten sich in die Gaststube, um die historischen Fotos aus der Umgebung zu genießen.
Heimatpfleger Josef Schmaußer bedauert sehr, dass dieses markante alte Ortsschild von Stockau nicht erhalten wurde. Seine Anregung, eine Replik davon herstellen zu lassen, fiel bei einigen Stockauern sofort auf fruchtbaren Boden.
Ein Bild aus etwas jüngeren Tagen, April 1994. Fred Gaisbauer aus Zant hat seinen Beruf zum Hobby gemacht. Er hob auch die Zoigl-Brauerei in Erlheim mit aus der Taufe.
Der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Zant, Josef Fehlner (Sept.1889 – Mai 1967), vor seinem Anwesen. Er ist der Stammvater einer großen Familie. 1945 wurde Fehlner, da er ohne „braune Flecken“ aus der Zeit der Diktatur hervorgegangen war, von den Amerikanern als Bürgermeister eingesetzt. Sein Sohn und Hoferbe Max (Aug 1916 – Juni 1993) folgte ihm später im Bürgermeisteramt.
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