23.05.2018 - 12:06 Uhr
RegensburgOberpfalz

Bilder von Gerhart Hein im Kunstkontor Westnerwacht präsentiert Verschollen, aber nicht vergessen

Er war ein stiller Künstler. "Am Ende hat er nur noch für sich gemalt", sagt Galerist Emanuel Schmid. Die Rede ist von Gerhart Hein. Ihm widmet das Kunstkontor Westnerwacht in Regensburg derzeit eine große Sonderausstellung. "Gerhart Hein. Die imaginäre Substanz II" lautet der Titel der Schau.

Der Kunstkontor Westnerwacht in Regensburg zeigt zum zweiten Mal Werke von Gerhard Hein. Bild: Wolke
von Susanne WolkeProfil

Sie ist Teil zwei eines Projekts dieser Galerie: Seit einigen Jahren arbeitet das Kunstkontor daran, den heute kaum mehr bekannten Künstler ins verdiente öffentliche Bewusstsein zu rücken.Ein Unterfangen, an dem sich der 1998 verstorbene Gerhard Hein selbst nicht beteiligt hat. Seine Erlebnisse während des Zweiten Weltkriegs hatten ihn sehr geprägt - er war ein zurückgezogener Mensch.

Hoch talentiert zwar - die Arbeiten im Kunstkontor zeigen ihn in der Tradition des Expressionismus - stellte er sich selbst zunehmend zurück. Seit den 1950er Jahren war der 1910 in Breslau geborene und an der dortigen Kunstakademie bestens ausgebildete Hein als Polier auf Baustellen tätig. Seine Bilder entstanden nach dem Krieg mehr oder weniger im Verbogenen: lichtdurchflutete Farbflächen und Bildräume in Aquarell und Mischtechnik, Collagen, die die Gegenständlichkeit hinter sich gelassen haben. Es handelt sich um Bilder aus den 1950er und 1960er Jahren. Das Hauptwerk Gerhart Heins aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg ist verschollen. Seine späteren Arbeiten zeigen den Weg von der Gegenständlichkeit zur Abstraktion.

Doch irgendwann hörte er ganz auf zu malen. Dass er nicht völlig vergessen wurde, ist seiner Tochter zu verdanken und Emanuel Schmid zu verdanken. "Ich war völlig begeistert", berichtet dieser von seiner ersten Begegnung mit dem Werk. Bei der Eröffnung sagte der Galerist: "Die Kunstwelt interessiert sich sehr für Gerhart Hein." Gerhart Hein, der den Nationalsozialisten als "entartet" galt, wird heute zur "Verschollenen Generation" gezählt, einer Gruppe Leidtragender des Zweiten Weltkrieges. Er war ein stiller Künstler. Aber vergessen werden dürfe er nicht.

Ausstellung

Die Ausstellung "Gerhart Hein. Die imaginäre Substanz II" läuft bis Samstag, 2. Juni, im Kunstkontor Westnerwacht, Weintingergasse 4, in Regensburg. Sie ist Dienstag bis Freitag (16 bis 18 Uhr), Samstag (12 bis 15 Uhr) sowie nach Vereinbarung geöffnet. Weitere Infos gibt es unter www.westnerwacht.de oder unter Telefon 0941/560772. (wsu)

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