München
07.04.2019 - 22:05 Uhr

5:0? Das war doch klar!

Was war das denn? Ein Spitzenspiel mit nur einer Spitzenmannschaft. Die Demonstration der Bayern war die Demontage der Dortmunder. Die Münchener waren heiß - schon lange vorm Spiel.

Eins, zwei, drei, vier, fünf: Die Spieler des FC Bayern München kamen nicht mehr aus dem Jubeln raus. Fünf Mal schlug es im Dortmunder Kasten ein. Und es hätte noch öfter klingeln können, so dominant trat der Rekordmeister in der heimischen Arena auf. Bild: Matthias Balk/dpa
Eins, zwei, drei, vier, fünf: Die Spieler des FC Bayern München kamen nicht mehr aus dem Jubeln raus. Fünf Mal schlug es im Dortmunder Kasten ein. Und es hätte noch öfter klingeln können, so dominant trat der Rekordmeister in der heimischen Arena auf.

Er hat's wirklich drauf. Der Junge hat eine große Karriere vor sich - als Wahrsager. Als der zehnjährige Trstan vor der Partie von Stadionanheizer Stephan Lehmann gefragt wurde, was er denn tippe, sagte der Stürmer ganz keck: "Bayern gewinnt 5:0." Das Gelächter war groß im Stadionrund. Vor allem in der schwarz-gelben Ecke oben in der Nordkurve. Gelacht wurde bei den Dortmundern zwei Stunden später nach der 0:5-Pleite nicht mehr, geweint auch nicht. Alle standen unter Schock. "Wir haben katastrophal gespielt, wir haben katastrophal verteidigt." Auch Marco Reus, so etwas wie die Lichtgestalt im deutschen Fußball in den vergangenen Monaten, war am Samstagabend nur noch ein Durchschnittsspieler. "Ich habe keine Erklärung dafür." Die hatte auch sein Trainer nicht. Lucien Favre, dem man am Gesichtsausdruck nicht ablesen kann, ob sein Team nun 5:0 gewonnen oder 5:0 verloren hat, konstatierte nur hilflos: "Das war eine Lehrstunde für uns."

All das, was am Samstagabend über die grandiosen Bayern erzählt wurde, hat man in dieser Saison eigentlich mit den Dortmundern in Verbindung gebracht: schnelles Spiel über die Außen, Pressing, direkte Kombinationen, einfach herzerfrischender Fußball - das waren eigentlich schwarz-gelbe Attribute. "Sie waren viel schneller als wir", sagte Favre. Dass es für Dortmund ein unangenehmer Abend werden würde, stand schon weit vor dem Anpfiff fest: "Wir haben schon beim Aufwärmen gemerkt, heute sind wir gut drauf", verriet Niklas Süle. "Wir haben uns gegenseitig in der Kabine nochmals richtig heiß gemacht." Es gab vor allem eine Szene, die die Einstellung der Münchener verdeutlichte. In der 68. Minute gewann Mats Hummels gegen Jadon Sancho einen Zweikampf an der Außenlinie - 30-jähriges Auslaufmodell gegen 19-jährigen Himmelstürmer. Hummels feuerte sich danach an, jubelte fast so wie nach seinem 1:0 (10.). Da war nicht nur Lust, sondern auch Frustabbau dabei. "Seit der WM wird nur noch auf Negatives geschaut", sagte der Abwehrchef nachher. "Wir sind alle 30 Jahre und sind besser, als wir dargestellt werden." Gutes werde einfach nicht gesehen. Dabei hatte vor allem er so viel Gutes an diesem Abend gezeigt. Hummels spielte an diesem Abend neben Fußball auch Kopfball. In luftigen Höhen war er der Alleinherrscher. In Javi Martínez, der vor dem 4:0 von Serge Gnabry (43.) das 3:0 (40.) gemacht hatte, hatte er da aber einen teaminternen Kontrahenten, der ähnlich gute Kopfball-Werte hatte. An diesem verrückten Abend gewann sogar der am Boden überragende Thiago ein paar Luftduelle. Und so konnte Robert Lewandowski, der seine Bundesligatreffer 200 und 201 erzielte, einen Haken hinter dieses Spiel machen: "Wir haben alles geschafft, was wir geplant haben."

Stadionsprecher Stephan Lehmann hatte nicht alles geschafft. Er hatte doch glatt vergessen, Trstan zu fragen, wer Deutscher Meister wird. Aber die Antwort wäre ja eh klar. Wahrscheinlich ist die Meisterschaft schon entschieden ...

 
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