31.05.2021 - 14:12 Uhr
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1. FC Schlicht in der Bezirksliga: Mit Netzwerk und persönlichen Beziehungen

Jahrelang dümpelt der 1. FC Schlicht in der Kreisklasse dahin. "Wir haben ums Überleben gekämpft", sagt Vorsitzender Stefan Weiß. 2016 dann das Umdenken. Jetzt ist der Verein in die Bezirksliga aufgestiegen - geht's noch weiter hoch?

Als Meister der Kreisklasse Süd 2017/18 stieg der 1. FC Schlicht in die Kreisliga auf. Meisterfeier inbegriffen. "Jetzt sind wir in die Bezirksliga aufgestiegen, und irgendwie bekommt es keiner mit", bedauert Vorsitzender Stefan Weiß. Wenn die Corona-Regeln es zulassen, soll diese aber nachgeholt werden.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Kreisklasse, Kreisliga, Bezirksliga: Der 1. FC Schlicht hat fußballerische Höhen erklommen, die ihm vor einigen Jahren keiner zugetraut hätte. Denn in der Zeit, in der sich der Verein mühsam in der Kreisklasse durchkämpfte, setzten zwei andere in der Umgebung zu einem richtigen Höhenflug an: Sowohl der SV Sorghof als auch der FV Vilseck schossen sich in die Landesliga - um prompt wieder nach unten durchgereicht zu werden. Geht der 1. FC Schlicht den gleichen Weg?

2022 das 50-jährige Bestehen

"Der Aufstieg in die Bezirksliga ist der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. Landesliga wäre viel zu vermessen", sagt Stefan Weiß. Der Vorsitzende des 1. FC Schlicht ist im Moment "nur glücklich, dass wir mit so namhaften Vereinen wie dem SV Raigering oder der SV Grafenwöhr in Verbindung gebracht werden." Deshalb wäre es für ihn "super", wenn sein Verein zum 50-jährigen Bestehen im nächsten Jahr einen etablierten Platz in der Bezirksliga halten könnte. "Was dann noch kommen kann, das muss man abwarten", sagt Weiß.

Ähnlich denkt der Sportliche Leiter des Vereins: "Wir sehen uns in der Bezirksliga, hier wollen wir uns etablieren. Wir werden uns aber gegen einen sportlichen Erfolg sicher nicht wehren", sagt Stephan Braun. Der 1. FC Schlicht ist Stammverein der JFG Obere Vils - bestehend aus Schlicht FV Vilseck und SV Sorghof. "Da spielen alle Juniorenmannschaften auf Bezirksebene. Diesen jungen Talenten wollen wir eine Plattform mindestens auf Bezirksebene bieten, dass sie bleiben und nicht von anderen Vereinen abgegriffen werden. Das ist unser Antrieb", sagt Weiß.

Kontinuierlich nach oben

2016 wurde Braun als Trainer verpflichtet - noch ohne großem Ziel. "Wir wollten versuchen, auf junge und einheimische Spieler zu setzen. Schauen wir mal, wo das hinführt, haben wir gesagt", erklärt Stefan Weiß. Dann sei es jedes Jahr kontinuierlich nach oben gegangen - auch finanziell. 2018 triumphierte der 1. FC Schlicht als Meister und stieg in die Kreisliga auf. "Der eine oder andere Gönner hat sich dadurch überzeugen lassen", so Weiß. "Wir haben einen Sponsoren-Pool. Es gibt aber schon jemanden, der uns noch näher steht. Das ist aber bei anderen Vereinen auch so", erklärt der Vorsitzende, ohne einen Namen zu nennen. Ist das der Grund, warum renommierte Spieler unter anderem wie Christoph Hegenbart als Trainer und Stürmer Stefan Meisel kommen? "Ich bin selbst überrascht, dass der 1. FC Schlicht solche hochklassige Spieler, die eine Riesen-Vergangenheit haben, verpflichten kann. Das spricht für uns", sagt Weiß dazu.

Der Sportliche Leiter liefert eine plausible Erklärung: "Das ist alles immer eine Sache der persönlichen Beziehung. Das ist wirklich so. Ein gutes Netzwerk ist Voraussetzung, dann geht was", sagt Braun. Es komme ihm zugute, dass er beispielsweise beim FC Amberg Jugendtrainer war und damals Johannes Op de Laak, Moritz Hammer und Jakob Hüttner in seiner Mannschaft hatte. Beispiel Lukas Libotovsky, der vom Bayernligisten DJK Gebenbach nach Schlicht wechselt: "Er hat mit Jaro Fillinger, der seit drei Jahren bei uns ist, zusammen in der Jugend von Viktoria Pilsen gespielt." Dass Norbert Braun, der Bruder von Stephan nach Schlicht kam - kein Thema. Michael Muck, der seit 2019 das grüne Trikot des 1. FC Schlicht trägt, hat mit dem künftigen Trainer Christoph Hegenbart in Regensburg studiert - beide Sport und Mathematik. Peter Schecklmann spielte zusammen mit Hegenbart und Stefan Meisel in einer Mannschaft bei der SpVgg SV Weiden - so klein ist die Fußballwelt. Eine Neuverpflichtung gibt es noch: Andreas Appel stößt vom SSV Paulsdorf, wo er Stammtorwart war, in der Saison 2021/22 zum 1. FCS.

Ziel des Landkreislaufes

Ein weiterer Grund neben den persönlichen Beziehungen, warum der 1. FC Schlicht "ein gutes Pflaster" (Weiß) für Spieler sei, ist der Ausbau des Sportgeländes. Seit 40 Jahren befindet sich der Trainingsplatz in Ködritz, drei Kilometer außerhalb. Momentan laufe ein Planungsverfahren, den zweiten Platz direkt im Anschluss an das Sportgelände in Schlicht bekommen. "Das ist ein Riesenschub im ganzen Verein, das ist auch wichtig für die sportliche Entwicklung. Wir wollen zum 50-Jährigen den Platz einweihen, weil 2022 der 1. FC Schlicht das Ziel des Landkreislaufes ist - das ist natürlich eine Riesenmotivation für uns." Eine zukunftsfähige Sportanlage mit Flutlicht, einer Beregnungsanlage, aber mit natürlichem Rasen, betont Stefan Weiß.

Er bedauert es sehr, dass der FV Vilseck mit beiden Mannschaften absteigen musste und es so in der neuen Saison zu keinem Aufeinandertreffen in der Bezirksliga kommen wird. "Es ist schön, die Nummer eins zu sein. Aber der besondere Reiz eines solchen Derbys wird fehlen."

Es sei tragisch, dass der Abstieg des FV wegen der Quotientenregel mit 0,02 Punkten weniger erfolgt sei. Auch das Duell mit dem SV Sorghof fällt weg - denn dieser tritt künftig in der Kreisklasse an.

"Wir sehen uns in der Bezirksliga, hier wollen wir uns etablieren. Wir werden uns aber gegen einen sportlichen Erfolg sicher nicht wehren."

Stephan Braun, Sportlicher Leiter des 1. FC Schlicht

Stephan Braun, Sportlicher Leiter des 1. FC Schlicht

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Hintergrund:

1. FC Schlicht

  • Fußballverein des Stadtteils der Stadt Vilseck, gegründet 1972
  • Abteilungen: Fußball und Turnen
  • 1982 Gründung einer Damenfußballabteilung, erfolgreichste Zeit 2009-2012 in der Landesliga, aufgelöst 2017
  • 2002 Ziel des Landkreislaufes anlässlich des 30-jährigen Bestehens
  • Saison 2017/18 Herrenmannschaft Meister der Kreisklasse Süd, Aufstieg in die Kreisliga
  • Saison 2019/20/21 Herrenmannschaft Meister der Kreisliga Süd durch Quotientenregel, Aufstieg in die Bezirksliga
  • Aktuell 530 Mitglieder, davon 130 Kinder, 30 im Kinderturnen

 

 

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